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Merkel spricht erstmals öffentlich über Ukraine-Krieg: „Barbarischer Angriffskrieg“

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Von: Andreas Schmid

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Angela Merkel
„Niemals sollten wir Frieden und Freiheit selbstverständlich nehmen“, sagte Ex-Kanzlerin Angela Merkel zum Ukraine-Krieg (Archivbild) © Kay Nietfeld/dpa

Monatelang verzichtete Angela Merkel auf öffentliche Auftritte – auch der Ukraine-Krieg änderte daran nichts. Nun bricht die Altkanzlerin ihr Schweigen.

Berlin - Angela Merkel spricht über den Ukraine-Krieg. In ihrer ersten öffentlichen Rede seit rund einem halben Jahr bezeichnete die Altkanzlerin den Krieg als „tiefgreifende Zäsur“. Sie wolle als Bundeskanzlerin außer Dienst keine Einschätzungen von der Seitenlinie abgeben, sagte Merkel am Mittwochabend in Berlin. Doch zu sehr markiere die russische Invasion einen eklatanten Bruch des Völkerrechts in der Geschichte Europas nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Merkel zum Ukraine-Krieg: „Butscha steht stellvertretend für dieses Grauen“

„Meine Solidarität gilt der von Russland angegriffenen, überfallenen Ukraine und der Unterstützung ihres Rechts auf Selbstverteidigung“, sagte Merkel beim Abschied des langjährigen DGB-Chefs Reiner Hoffmann. Sie unterstütze die Politik der Bundesregierung, der EU, der USA, der Nato, der G7 und der Uno, „dass diesem barbarischen Angriffskrieg Russlands Einhalt geboten wird“.

Wie weitreichend die Folgen des Kriegs sein würden, könne seriös noch niemand einschätzen, sagte Merkel. Sie würden jedoch erheblich sein - vor allem für die ukrainische Bevölkerung. Merkel ging auf Menschenrechtsverletzungen gegenüber der Bevölkerung ein. „Butscha steht stellvertretend für dieses Grauen“, sagte sie mit Blick auf die Erschießungen in der Stadt westlich von Kiew.

Ukraine-Krieg: Beerdigung mehrerer ziviler Opfer in Butscha bei Kiew.
Gräueltaten in der Ukraine: Beerdigung mehrerer ziviler Opfer in Butscha © Yasuyoshi Chiba/AFP

Nach monatelanger öffentlicher Zurückhaltung hielt Merkel beim Abschied des langjährigen DGB-Chefs Reiner Hoffmann die Laudatio. Dabei demonstrierte sie ein gewisses Loslassen von ihren einstigen Pflichten. Irgendwie sei morgen schon wieder MPK oder auch übermorgen, sagte Merkel. Tatsächlich findet an diesem Donnerstag eine Ministerpräsidentenkonferenz statt. Merkel: „Ich krieg den Tag auch ohne rum. Ich kann gut ohne damit leben.“

Merkel zum Ukraine-Krieg: „Niemals sollten wir Frieden und Freiheit selbstverständlich nehmen“

Ein kleiner, aber großartiger Lichtblick „in dieser unendlichen Traurigkeit“ des Krieges sei die enorme Unterstützung für die Ukrainerinnen und Ukrainer durch viele Nachbarländer – etwa Polen und Moldau, wie Merkel beispielhaft betonte. Erst am Mittwochabend wurde erneute Hilfe aus Polen für die Ukraine bekannt. „Polnische Unternehmen werden am Wiederaufbau teilnehmen“, sagte Ministerpräsident Morawiecki 

Merkel betonte, dass in der aktuellen Situation die Geschlossenheit der EU zentral sei. „Niemals sollten wir Frieden und Freiheit selbstverständlich nehmen“. (as/dpa)

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