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Ukraine-Krieg: Russische Spione in der Slowakei enttarnt – Video zeigt pikante Instruktionen

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Von: Aleksandra Fedorska

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Der slowakische Verteidigungsminister Jaroslav Nad will gegen russische Spionage vorgehen.
Der slowakische Verteidigungsminister Jaroslav Nad will gegen russische Spionage vorgehen. (Archivbild) © Mateusz Slodkowski/www.imago-images.de

Die Slowakei hat mehrere russische Spione enttarnt. Die neue Regierung will gegen eine Unterwanderung vorgehen.

Bratislava – Die Slowakei* hat die Enttarnung einer Gruppe russischer Spionen bekannt gegeben. Die Gruppe soll im Auftrag des russischen Militärgeheimdienstes (GRU) agiert haben. Das slowakische Kriminalamt und der slowakische Militärgeheimdienst haben vier Personen verhaftet. Gegen zwei von ihnen wurde Anklage erhoben. Drei russische Diplomaten mussten die Slowakei verlassen. Die Ermittler gehen von weiteren Verhaftungen aus. Brisant ist der Vorfall auch angesichts des Ukraine-Kriegs*.

Das slowakische Medium Dennik N veröffentlichte Videoaufnahmen von einem Spionagetreffen. Die Aufnahme entstand im Zuge der Ermittlungen im Sommer 2021. Deutlich zu erkennen auf dem Video war Siergiej Sołomasow, der als Militärattaché in der russischen Botschaft in Bratislava tätig war. Sein Gesprächspartner wurde nachträglich als Bohusz Garbar identifiziert. Am Ende des Gesprächs übergibt Sołomasow dem Slowaken zwei 500-Euro-Scheine.

Ukraine-Krieg: Russische Spione wollten an Nato-Informationen herankommen

Bohusz Garbar war als Publizist, der Desinformationen verbreitete und in der Vergangenheit die rechtsextreme Partei ĽSNS unterstützt hatte, für den GRU wohl nur bedingt nützlich. Sołomasow hat ihn in dem Video dazu angeleitet, neue Kontakte zu knüpfen und in die Umgebung einflussreicher Personen zu kommen. Der GRU-Mitarbeiter riet dem Slowaken, Kennenlernmöglichkeiten zu suchen, wo viel gefeiert und getrunken wird. Sołomasow legte Garbar nahe, an Assistenten und Vertreter des slowakischen Verteidigungsministers Jaroslav Nad heranzukommen. „Ich brauche politische Informationen, zur Kommunikation zwischen den einzelnen Ländern und der Nato, der Europäischen Union” sagte Sołomasow.

Ein weiterer Spion des GRU, Pavel B., hat in seiner aktiven Zeit für den slowakischen Nachrichtendienst (SIS) gearbeitet. Pavel B. ist ehemaliger Vize-Rektor der Militärakademie in Liptovský Mikuláš. Er soll den Russen von 2013 bis heute Informationen über die Nato und die slowakischen Streitkräfte geliefert haben. Bohuš M., ein weiterer Spion des GRU, war ebenfalls beim SIS beschäftigt und soll Interna an die Russen verkauft haben.

„Ich möchte nicht alle Einzelheiten dieser Taten veröffentlichen, aber die Beträge, die die Verdächtigen erhielten, lagen in der Größenordnung von Zehntausenden von Euro. Wir überprüfen gerade die Vermögensverhältnisse von Verdächtigen und Beschuldigten.”, sagte Sonderstaatsanwalt Daniel Lipšic bei einer Pressekonferenz.

Slowakei im Netz der Seilschaften – seit Ukraine-Krieg Maßnahmen gegen Russland

In der Slowakei gibt es eine Reihe von Onlinemedien, die aktiv prorussische Inhalte verbreiten. Für eines dieser Medien schrieb auch Bohusz Garbar. Mittlerweile ist die Website blockiert. Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine hat die Regierung von Eduard Heger eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen beschlossen. Dazu gehört das Blockieren von russlandfreundlichen Medien, die gezielt Falschinformationen und russische Propaganda verbreiten.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Personen, die mit den russischen Geheimdiensten in Verbindung stehen oder sogar von ihnen finanziert wurden, über ihre Medienkanäle auch maßgeblichen Einfluss auf die Impfgegner und Coronaleugner in der Slowakei ausgeübt haben.

Für die russischen Geheimdienste bietet die ungewöhnlich personalstarke russische Botschaft in Bratislava einen hervorragenden Ausgangspunkt. Im Jahr 2020 wurden drei russische Botschaftsmitarbeiter ausgewiesen. Die Affäre stand in Zusammenhang mit der Ermordung des Georgiers Zelimkhan Khangoshvili in Berlin im Jahr 2019. In dem knapp 5,5-Millionen-Einwohner-Land waren im Jahr 2020 75 Personen in der russischen Botschaft tätig. Allerdings hatten lediglich 45 von ihnen klar umrissene tatsächliche diplomatische Aufgaben übernommen. Der Rest dürfte anderweitig in der Slowakei aktiv gewesen sein.

Slowakei offenbar beliebt bei Russlands Geheimdienst – neue Regierung geht dagegen vor

Łukasz Lewkowicz vom Institut of Central Europe betont in einer Analyse der aktuellen Ereignisse, es habe bereits in der Vergangenheit Hinweise darauf gegeben, dass die russischen Geheimdienste bevorzugt in der Slowakei agieren. „Das ist unter anderem mit der günstigen geopolitischen Lage an der östlichen Nato-Flanke, dem Mangel an negativen historischen Erfahrungen, der Energieabhängigkeit und der Beliebtheit von panslawistischen und russophilen Ideen in der Slowakei zu erklären”, schreibt Lewkowicz.

Im Gegensatz zum nördlichen Nachbarn Polen überwog in der Slowakei bis vor Kurzem eine positive Einstellung zur Politik Putins. Das gilt ganz besonders für den ehemaligen Premier und SMER-Vorsitzenden Roberta Fico. Putins Ideen sind auch bei den rechten Parteien in der Slowakei beliebt. Doch mit der neuen Regierung von Eduard Heger seit 2020 änderten sich auch die Allianzen. Mit dem USA-freundlichen Verteidigungsminister Jaroslav Nad dürften es sogar die GRU-Spione sehr schwer haben. Das slowakische Verteidigungsministerium soll laut CNN-Berichten zugestimmt haben, der Ukraine sein S-300PMU Mittelstrecken-Raketensystem zu übergeben. (Aleksandra Fedorska) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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