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Ukraine-Krieg: Putin gleicht Verluste wohl mit Reservisten aus - Entsetzen über Kriegsverbrechen

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Von: Stephanie Munk

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Die Verluste Russlands sind im Ukraine-Krieg wohl immens. Verändert Putin deshalb seine Taktik? Der News-Ticker zum Krieg.

Update vom 28. Juni, 8.58 Uhr: Im Osten der Ukraine gehen nach Angaben aus Kiew die Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt Lyssytschansk weiter. Russland stürme die Siedlung Wowtschojariwka südwestlich der Stadt, teilte der ukrainische Generalstab am Dienstagmorgen in seinem Lagebericht mit. Russische Einheiten stehen im Süden bereits am Stadtrand. Gekämpft werde zudem an einer Ölraffinerie.

Lyssytschank ist die letzte große Stadt in der Region unter ukrainischer Kontrolle. Dort sollen noch mehrere Tausend ukrainische Soldaten stationiert sein. Nach ukrainischen Angaben haben russische Truppen neben dem Einsatz von Mörsern und Artillerie auch Luftangriffe in Richtung der Stadt geflogen. Die Angaben ließen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

Russischer Angriff auf Einkaufzentrum: Entsetzen über Kriegsverbrechen

Update vom 28. Juni, 6.41 Uhr: Der UN-Sicherheitsrat befasst sich mit dem Raketenangriff auf das Einkaufszentrum in Krementschuk. Das Treffen um 21 Uhr MESZ wurde auf Bitten der Ukraine anberaumt. Nach den Bergungsarbeiten dürfte es mehr Klarheit über die Opferzahlen geben.

Die Zahl der Todesopfer ist auf mindestens 18 gestiegen. Das schrieb der Gouverneur des Gebiets Poltawa, Dmytro Lunin, am Dienstagmorgen im Nachrichtendienst Telegram. Die Rettungs- und Aufräumarbeiten in der Stadt Krementschuk liefen in der Nacht weiter. Bei dem Angriff am Montag wurden rund 60 Menschen verletzt. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft berichtete zudem am Montag von mehr als 40 Vermisstenmeldungen.

Ukraine-Krieg: Bei einem russischen Raketenangriff am Montag ist ein Einkaufszentrum in Krementschuk getroffen worden. Es gibt mindestens 16 Todesopfer.
Ukraine-Krieg: Bei einem russischen Raketenangriff am Montag ist ein Einkaufszentrum in Krementschuk getroffen worden. Es gibt mindestens 18 Todesopfer. © Efrem Lukatsky/dpa

Update vom 28. Juni, 6.17 Uhr: Nach dem russischen Raketenangriff auf ein Einkaufzentrum in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk ist die Zahl der Todesopfer nach Angaben der Rettungskräfte auf mindestens 16 gestiegen. 59 weitere Menschen seien verletzt worden, erklärte der Leiter der ukrainischen Rettungsdienste, Serhij Kruk, in der Nacht auf Dienstag im Messengerdienst Telegram. 25 von ihnen seien ins Krankenhaus gebracht worden.

Das Entsetzen ist groß. Die Teilnehmer des G7-Gipfels im bayerischen Elmau sprechen von einem Kriegsverbrechen und drohten Kremlchef Wladimir Putin mit Konsequenzen. Präsident Wolodymyr Selenskyj bat nachdrücklich um moderne Luftabwehr-Systeme. Derweil stellte die Ratingagentur Moody‘s wegen nicht beglichener Schulden bei internationalen Investoren einen Zahlungsausfall Russlands fest. Das passierte in der Nacht:

Ukraine-Krieg: Putin gleicht Verluste wohl mit Reservisten aus – Briten vermuten neue Taktik

Erstmeldung vom 27. Juni 2022

Kiew/Moskau - Droht im Ukraine-Krieg eine Generalmobilmachung Russlands? Einige Experten halten es für denkbar, dass der russische Präsident Wladimir Putin sämtliche verfügbaren Soldaten seines Landes mobilisiert, um die vielen gefallenen Soldaten während des Ukraine-Kriegs auszugleichen. Schätzungen zufolge sind es mittlerweile rund 12.000 russische Soldaten, die in den Gefechten gestorben sind.

Der britische Geheimdienst glaubt jedoch nicht an eine Generalmobilmachung, sondern geht von einer anderen Taktik Putins aus. Wie das britische Verteidigungsministerium am Montag (27. Juni) unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mitteilte, werde die russische Armee künftig wohl vermehrt auf Reservisten setzen. Vermutlich würden russische Bataillons im Ukraine-Krieg mit Veteranen aufgefüllt, die in den vergangenen fünf Jahren gedient haben. Außerdem gibt es Berichte, dass Russland neue Soldaten mit Geld lockt, um sie für den Kampf im Ukraine-Krieg zu gewinnen.

Ukraine-Krieg: Generalmobilmachung wäre für Putin ein heikler Schritt

Der US-Militär-Experte Michael Kofmann rechnet laut einem Bericht von Focus Online damit, dass Putin bisher rund 125.000 Soldaten im Ukraine-Krieg eingesetzt hat. Rund zehn Prozent sind nach Schätzungen gefallen. Dazu kommen noch viel mehr verwundete Soldaten, die nicht mehr kampffähig sind. Exakte, unabhängig geprüfte Zahlen zur russischen Truppenstärke und der Zahl der toten und verwundeten Soldaten gibt es jedoch nicht.

Trotz der hohen Verluste wäre eine Generalmobilmachung für Putin ein innenpolitisch schwer zu rechtfertigender Schritt: er könnte den Ukraine-Krieg dann nicht mehr so leicht als „militärische Spezialoperation“ abtun, wie er es seit Start seines Angriffskriegs tut. Das britische Verteidigungsministerium glaubt deshalb in seiner neuesten Analyse: „Trotz eines andauernden Mangels an einsatzfähigen Reservisten für die Ukraine wird die russische Führung wahrscheinlich weiter zögern, eine allgemeine Mobilisierung anzuordnen.“

Ukraine-Krieg: Britischer Geheimdienst geht von neuem Ziel Putins aus

Taktisch liege der russische Schwerpunkt weiter auf dem Osten der Ukraine. Aktuell versuchen die russischen Soldaten, einen Kessel um die Stadt Lyssytschansk zu formieren. Doch sieht das britische Ministerium auch ein zusätzliches Vorhaben: „Eine Woche mit konstant schwerem Beschuss deutet darauf hin, dass Russland nun versucht, auf der nördlichen Isjum-Achse an Momentum zu gewinnen.“ Die ukrainischen Streitkräfte würden dort allerdings die Front halten und dabei sehr gut das bewaldete Gelände für die Verteidigung nutzen.

Ukraine-Krieg: Befreiung ukrainischer Häfen laut Briten „zu gefährlich“

Die britische Marine hat indes keine Pläne, bei der Umgehung der russischen Blockade ukrainischer Schwarzmeerhäfen zu helfen. „Es ist derzeit sehr, sehr gefährlich zu versuchen, Schiffe ins Schwarze Meer zu entsenden“, sagte Regierungsmitglied George Eustice dem britischen Nachrichtensender Sky News. Das Gebiet sei vermint, und die Ukraine selbst habe aus Sicherheitsgründen Häfen geschlossen, sagte Eustice. Auch ein US-General warnte bereits vor der Befreiung der Häfen, denn dies sei „hochriskant“.

Stattdessen versuche man anderweitig, wichtige Güter wie Weizen aus der Ukraine herauszubringen „Wir schauen uns an, was wir tun können, um bei der Reparatur von Eisenbahnen zu helfen, schauen uns eine Landbrücke an, damit wir Weizen über die Landgrenze bringen können. “ smu/dpa

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