Wirtschaft: Rosige Job-Chancen für Ältere

Berlin - Manch älterem Arbeitslosen mag es wie ein Hohn vorkommen: Ältere werden nach Ansicht von Wirtschaftsexperten im Job künftig heiß begehrt sein.

Die Unternehmen würden sich “50- bis 60-Jährige mit Topgehältern gegenseitig abjagen“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, der “Bild“-Zeitung vom Donnerstag. Vor dem Hintergrund des Streits um längere Lebensarbeitszeit forderte er die Rente mit 70.

Betriebe können nicht auf Erfahrung verzichten

SPD, Linke und Grüne sehen die Chancen für Ältere jedoch nicht so rosig. Der Ökonom Zimmermann warnte in der “Bild“-Zeitung: “Wenn die Rentenbeiträge nicht steigen und die Renten nicht gekürzt werden sollen, müssen wir bis mindestens 70 arbeiten.“ Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, sagte, die Betriebe könnten “nicht auf die Erfahrung und das Wissen der Älteren verzichten.“ Das Blatt berichtet zudem, dass sich die Rentenbezugsdauer laut Deutsche Rentenversicherung Bund drastisch verlängert habe. Während Männer ihren Ruhestand 1960 nur 9,6 Jahre genießen konnten, seien es heute schon 15,8 Jahre. Bei Frauen sei die Rentenbezugsdauer von 10,6 Jahren auf 20,6 Jahre gestiegen.

Hundt: “Für Ältere gibt es immer mehr Jobs“

Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verwies auf die wachsenden Berufschancen älterer Arbeitnehmer. “Für Ältere gibt es immer mehr Jobs“, sagte er dem “Hamburger Abendblatt“. “Die körperliche Belastung geht zurück, die Menschen sind im höheren Alter gesünder und leistungsfähiger als noch vor zehn oder 20 Jahren.“ Gleichzeitig warnte Hundt vor einer Rücknahme der Rente mit 67. “Die Überlegungen in der SPD, die Rente mit 67 auszusetzen oder zurückzunehmen, verfolge ich mit großer Sorge“, sagte er. “Es führt kein Weg daran vorbei, bei steigender Lebenserwartung das Renteneintrittsalter nach oben zu verändern.“

Doch in der SPD gibt es immer mehr Forderungen, die Rente mit 67 nach hinten zu verschieben. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Garrelt Duin, sprach sich für einen Zeitraum von fünf Jahren aus. Voraussetzung sei, dass sich bis dahin die Beschäftigungsmöglichkeiten für Ältere verbessert hätten, sagte er im SWR.

Die IG Metall fordert die SPD zu einer klaren Abkehr von der Rente mit 67 auf, die sie in der Großen Koalition mitbeschlossen hatte. Das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft, Hans-Jürgen Urban, sagte der Tageszeitung “Die Welt“: “Es ist gut, wenn es Bewegung in der Debatte gibt, wir brauchen aber keine Scheinlösungen, sondern ohne Wenn und Aber ein Nein zur Rente mit 67.“

Linke für Bürgerversicherung

Der Linke-Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi sagte der “Saarbrücker Zeitung“, die Aussetzung der Rente mit 67 “ist zwar richtig, aber reicht nicht aus“. Er sprach sich für das Konzept einer Bürgerversicherung aus, bei der Einkommen aus Vermögen oder Mieteinnahmen einbezogen werden sollen, ebenso Selbstständige.

Auch die Grünen-Spitze zweifelte an der Rente mit 67. Fraktionschef Jürgen Trittin forderte im “Tagesspiegel“ eine “Garantierente für alle, die dem Arbeitsmarkt 33 Jahre zur Verfügung gestanden haben“. Trittin sagte weiter, dass “die Beschäftigung der Älteren nicht in dem Maß zunimmt, wie es als Voraussetzung der Rente mit 67 vorgesehen war“.

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