Wulff will Angehörige der Neonazi-Opfer einladen

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Bundespräsident Christian Wulff spricht am Mittwoch in Berlin im Jüdischen Museum nach seiner Auszeichnung mit dem Leo-Baeck-Preis.

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff will die Angehörigen der Neonazi-Mordopfer zu einem Gespräch nach Berlin einladen.

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Zu dem Treffen im Schloss Bellevue sollten auch Vertreter der Bundesregierung und des Parlaments kommen, teilte das Bundespräsidialamt am Mittwoch mit. Zur Zeit würden die Vorbereitungen für das Treffen getroffen, dessen Termin noch nicht bekannt ist. “Ich bin erschüttert und teile die Empörung der Menschen in unserem Land“, sagte Wulff bei seiner Auszeichnung mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland am Abend. “Wir gedenken der Toten und teilen hoffentlich jetzt noch viel mehr das Leid ihrer Angehörigen.“

“Noch wissen wir nicht, wie viele Menschen insgesamt betroffen sind.“ Es stellten sich aber Fragen, ob die Bundesrepublik der Opfer und ihren Hinterbliebenen gerecht geworden sei und die Protagonisten rechtsextremer Kreise ausreichend beobachtet wurden. “Haben wir uns möglicherweise selbst von Vorurteilen fehlleiten lassen?“, fragte der Bundespräsident.

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“Wir dürfen gegenüber den Hinterbliebenen nicht sprachlos sein“, erklärte Wulff. “Wir brauchen ein Klima, das schon pauschale Diffamierungen nicht zulässt. Sie sind der Nährboden für Gewalt“, sagte der Bundespräsident in seiner Rede.

Wulff betonte auch die engen Verbindungen zwischen der Bundesrepublik und dem Staat Israel. Die deutsche Geschichte lehre die Notwendigkeit, gegen Antisemitismus und jede Form von Intoleranz vorzugehen und für das Existenzrecht des Staates Israel einzutreten.

Zentralrats-Präsident Dieter Graumann würdigte Wulff in seiner Laudatio als engen Freund Israels und des jüdischen Volkes. Mit seinem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz und seiner Reise nach Israel habe Wulff Zeichen gegen das Vergessen und Zeichen der Freundschaft gesetzt. In seiner Rede am 3. Oktober 2010 hatte Wulff erklärt, dass das Judentum zweifelsfrei zu Deutschland gehöre. “Wie lange haben Juden in diesem Land auf diese höchstoffizielle Einsicht gewartet“, sagte Graumann.

Die nach dem Rabbiner und Gelehrten Leo Baeck (1873-1956) benannte Auszeichnung wird seit 1957 vom Zentralrat vergeben. Bisher wurden unter anderem Kanzlerin Angela Merkel, die Schauspielerin Iris Berben, der Autor Ralph Giordano und Ex-Außenminister Joschka Fischer damit geehrt.

dpa

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