1. Werra-Rundschau
  2. Sport
  3. Fußball

Bundesliga-Playoffs auf Kosten des FC Bayern? Oliver Kahn findet es „spannend“

Erstellt:

Von: Christoph Klaucke

Kommentare

Bayern-Boss Oliver Kahn kann sich Playoffs in der Bundesliga vorstellen.
Bayern-Boss Oliver Kahn kann sich Playoffs in der Bundesliga vorstellen. © Imago

In der Bundesliga ist ein Kampf über mögliche Playoffs entbrannt. Oliver Kahn steht einer Regeländerung offen gegenüber - obwohl ein neuer Modus zum Nachteil des FC Bayern sein könnte.

München - In der Nacht von Sonntag auf Montag deutscher Zeit sind alle Augen auf den Super Bowl gerichtet. Das Mega-Event der USA zählt zu den größten Sportveranstaltungen der Welt. Die zwei besten Teams der NFL treffen in einem Finale aufeinander, zuvor mussten sie mehrere Runden im K.o.-Modus - den sogenannten Playoffs - überstehen.

Ein Modus, der auch für Deutschland und die Bundesliga* interessant sein könnte? Oliver Kahn, Vorstandsboss beim Branchenprimus FC Bayern München, steht möglichen Meister-Playoffs aufgeschlossen gegenüber. Und das, obwohl es den Bayern auf den ersten Blick schaden könnte.

FC Bayern: Oliver Kahn will über Bundesliga-Playoffs nachdenken

„Ich finde es spannend, über neue Modelle wie Playoffs für die Bundesliga nachzudenken. Auch in der Champions League greift ab 2024 ja ein neues Format, von dem wir uns viel versprechen.“, sagte Oliver Kahn dem Kicker. „Ein Modus in der Bundesliga mit Halbfinals und Finale würde Spannung für die Fans bedeuten. Es macht also Sinn, so einen Gedanken durchzuspielen. Wir beim FC Bayern sind für neue Ideen immer offen“, so der 52-Jährige.

Kahns Überlegungen sind durchaus überraschend. Schließlich sprach der FC Bayern selbst in der Vergangenheit von der Bundesliga immer vom „fairsten Wettbewerb“. Die Bayern schreiten derzeit unaufhaltsam der zehnten Meisterschaft in Folge entgegen. Durch eine Einführung von Playoffs wäre die Dominanz wohl nicht mehr so erdrückend - das zeigte sich nicht zuletzt in den letzten beiden Jahren mit dem frühen Ausscheiden der Münchner im DFB-Pokal.

Andrerseits könnte durch einen neuen Modus die Attraktivität der Bundesliga steigen, was mit mehr Medien- und Vermarktungserlösen einhergehen würde. Auch die von vielen Kritikern programmierte Langeweile wäre auf einen Schlag wie weggeblasen.

„Ich finde es spannend, über neue Modelle wie Playoffs für die Bundesliga nachzudenken.

Oliver Kahn

Playoffs: Regeländerung in der Bundesliga? BVB-Boss mit DFL-Chefin einig

Die neue DFL-Chefin Donata Hopfen hatte Play-offs nach dem Vorbild mehrerer Profiligen in Nordamerika am vergangenen Wochenende in einem Bild-Interview wieder als mögliche Innovation präsentiert. Es gebe aus ihrer Sicht „keine Denkverbote“ und „keine heiligen Kühe“, und wenn der Liga im Sinne des Wettbewerbs Play-offs helfen würden, „dann reden wir über Play-offs. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass die Bayern in den letzten Jahren einen Superjob gemacht haben.“

Auch bei Münchens Toprivale Borussia Dortmund haben die sinkenden Einnahmen der jüngeren Vergangenheit zu mehr Veränderungsbereitschaft geführt. „Dass ich nie ein Freund von Play-offs war, ist bekannt. Aber es darf unter Berücksichtigung der jeweiligen Gesamtsituation mit Blick auf die Spielmodi keine Denkverbote geben“, sagte BVB-Geschäftsführer und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke fast wortgleich mit Hopfen.

Playoffs in der Bundesliga: Klubbosse wehren sich

Gegenwind kommt von anderen Klubs aus der Bundesliga. „Ein völlig falscher Ansatz“, meinte Bayer Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler und liegt auf einer Linie mit Vertretern von Vereinen wie Arminia Bielefeld, VfL Bochum, SpVgg Greuther Fürth, Union Berlin und Hertha BSC. Die Idee von Play-offs, sagte Berlins Sportchef Fredi Bobic, „ist bisher immer aus nachvollziehbaren Gründen nicht weiter verfolgt worden.“

Etwaige Änderungen sind ohnehin erst in späterer Zukunft möglich, frühestens ab der Saison 2025/26. „Es gibt in der Liga bekanntlich an diversen Stellen unterschiedliche Ideen mit Blick auf den Spielmodus, die aber aktuell weit von einem Beschluss und erst recht einer Umsetzung entfernt sind“, teilte die DFL im Kicker mit.

Playoffs wären in der Bundesliga ein Kulturbruch.

Ex-DFL-Chef Christian Seifert

Bundesliga-Playoffs wären „Kulturbruch“ - auch Fans müssen gehört werden

Einer so tiefgreifenden Entscheidung müsse ein intensiver und strukturierter Dialog mit den Klubs und den zuständigen Liga-Gremien unter Abwägung aller Argumente vorausgehen. Diesen Diskussionsprozess mit offenem Ausgang werde die DFL sorgfältig vorbereiten und in den kommenden Monaten gemeinsam mit den Klubs führen.

Die Fans erwähnte sie dabei nicht explizit. „Playoffs wären in der Bundesliga ein Kulturbruch. Das müsste von der breiten Masse getragen werden, von Klubs und Fans“, sagte Hopfens Vorgänger Christian Seifert 2020 im Kicker.

Kein Playoff-Spiel, aber zumindest ein Regular-Season-Game der NFL soll in diesem Jahr in der Allianz Arena, der Heimspielstätte des FC Bayern, ausgetragen werden. Dann könnten sich Oliver Kahn und andere Vertreter der Liga einmal genauer mit den Machern der größten Sportliga der Welt austauschen. Auf tz.de können Sie den Super Bowl kommende Montagnacht (0.30 Uhr) übrigens im Live-Ticker verfolgen. (ck/dpa/sid) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare