Toronto, Training und viele Touren

So verbringt Husky Corey Trivino die unerwartet lange Sommerpause

Corey Trivino mit Ehefrau Tatyana vor der Skyline in Toronto.
+
Glücklich in Toronto: Husky Corey Trivino mit Ehefrau Tatyana vor der Skyline der Stadt.

So was hat er auch noch nicht erlebt. Dabei ist Corey Trivino (30) nun schon ein Weilchen Eishockeyprofi.

Toronto/Kassel – Aber dass er sich vor einer Trainingseinheit auf dem Parkplatz vor der Halle im geöffneten Kofferraum seines Autos die komplette Ausrüstung anziehen musste, das ist ihm auch noch nicht passiert. „Das war schon ein wenig schräg“, sagt der Kanadier und lacht.

Aber auch solche besonderen Umstände nimmt der Stürmer der Kassel Huskies gern in Kauf. Schließlich endete mit den ersten Schritten aufs Eis in diesen Tagen eine der längsten Zeiten seiner Karriere ohne Eis. Gemacht er sie in seiner Heimat: im Großraum Toronto, der Metropole an der kanadischen Ostküste. „Es war anfangs schon ein seltsames Gefühl. Aber nach 20, 30 Minuten war ich wieder drin. Auch wenn ich manche Muskelgruppen einige Zeit davor kaum beansprucht habe.“

Aufs Eis also ist er zurückgekehrt. Wenn auch nicht in Kassel, wo Anfang August eigentlich das Trainingslager mit der neuen Mannschaft begonnen hätte. So zumindest war die Planung in Vor-Corona-Zeiten. Jetzt aber ist alles anders. Die Zusammenkunft des Teams ist nun um knapp einen Monat auf Anfang September verschoben, am 2. Oktober soll die DEL2-Saison beginnen. Trivino hat sich bis dahin noch einiges vorgenommen. „Ich bin von Haus aus ein eher schmaler Typ. In Zeiten des Lockdowns bin ich viel gelaufen, habe mit dem eigenen Körpergewicht trainiert. Ich aber brauche die schweren Gewichte, um Muskeln aufzubauen. Da die Fitnessstudios jetzt endlich wieder geöffnet sind, trainiere ich täglich dort. Ich will noch fünf, zehn Pfund zulegen, bevor es nach Deutschland geht. Da bin ich auf einem sehr guten Weg.“ Unmittelbar nach dem Abbruch der Saison Anfang März hatte Trivino gemeinsam mit Ehefrau Tatyana Kassel verlassen. Nach der Saison wollten die beiden eigentlich ihre Familie in Kasachstan besuchen. Dort lernten sich beide kennen, während Trivinos Engagement in der russischen Topliga KHL.

Doch Corona stellte auch bei den Trivinos alles auf den Kopf, die Pläne waren hinfällig. Nach der Rückkehr stand erst die vorgeschriebene Quarantäne an, dann folgten der Lockdown und die überraschende Verlängerung der Sommerpause.

Und damit die Gelegenheit für Trivino, seiner Frau ihre neue Heimat zu zeigen, die sie bislang nur aus Erzählungen kannte. „Denn Toronto ist hoffentlich der Ort, an dem wir künftig leben werden“, sagt Trivino. Zumindest dann, wenn sie nicht in Kassel sind. Außerdem standen Kurztrips auf dem Programm: „Wir waren beispielsweise auf der kanadischen Seite der Niagara-Fälle. Die US-amerikanische Seite kannten wir schon. Es ist wunderschön dort.“

Nun ist er gespannt, wie sich sein Sport verändern wird. „Das wird eine neue Eishockey-Welt“, sagt Trivino. „Die Gesänge, das Trommeln der Fans, das treibt uns ja an. Da werden wir uns an Veränderungen gewöhnen müssen. Auch wenn wir plötzlich gut verstehen können, was sich die gegnerische Mannschaft zubrüllt, ist das eine neue Erfahrung. Und wie wird die Situation in der Kabine sein?“

Doch egal, was kommt: „Es geht um den Aufstieg. Da wird die Motivation nicht leiden, egal, wie die Umstände sind. Ich freue mich sehr, endlich zu unserer Eishockeyfamilie zurückzukehren“, sagt Trivino. Bis das so weit ist, schaut er noch viel Eishockey im TV: Toronto ist einer der beiden Spielorte, an denen die NHL gerade ihre Saison beendet: „Nur zuzuschauen und selbst noch nicht richtig spielen zu können, ist schon hart.“

Noch nicht. Denn bald schon wird er das hoffentlich mit den Huskies wieder tun. (Von Michaela Streuff)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare