KSV-Teammanager ist wieder für Fußball-Hessenligist tätig

"Der Tod war nicht weit weg“: Die dramatische Geschichte des Ex-KSV-Fußballers Steffen Friedrich

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Leidet unter lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen: Der ehemalige KSV-Fußballer Steffen Friedrich (24). 

Lange war Teammanager Steffen Friedrich nicht im Auestadion, wenn der KSV Hessen dort zuletzt gespielt hat. Der Grund ist dramatisch. Wieder einmal.

Tobias Cramer ließ Fragen offen. Während der Pressekonferenz nach der Partie gegen Neu-Isenburg sagte der Trainer des KSV Hessen Kassel: „Es wird einem immer wieder vor Augen geführt, dass Gesundheit das Wichtigste ist.“ Ein Anlass für diese Aussage gab es zunächst nicht. Später sagte er dann: „Ich bin einfach froh, dass Steffen Friedrich seit zwei Wochen wieder bei mir im Büro sitzt.“

Vergessen wurde der 24-Jährige nicht. Die Fans hatten dem Ex-Spieler mit Choreografien immer wieder Unterstützung gezeigt. Aber Friedrich war lange nicht mehr da gewesen. Der Grund ist dramatisch.

April 2018: „Das Jahr ist für mich nicht so gut gestartet, ich musste regelmäßig in die Klinik, weil mein Defibrillator ausgelöst hatte“, erzählt Friedrich. Der wurde ihm eingesetzt, weil der junge Mann lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen hat. Mit dem Gerät ging es zunächst besser. Doch die Unsicherheit war immer dabei.

„Ich bin in der Zeit regelmäßig mit dem Zug nach München in die Klinik gefahren. Ich stand gerade am Bahnhof, da bin ich zusammengeklappt, wurde mehrmals vom Defibrillator geschockt. Ich war teilweise bei Bewusstsein. Der Tod war in diesem Augenblick nicht mehr weit weg“, erzählt Friedrich.

Es folgt eine lange Reise. „Ich war froh, dass ich überlebt hatte“, sagt der 24-Jährige. „Bis Mitte Mai lag ich in München in der Klinik. Auch da wurde ich noch mal geschockt, weil mein Herz zu schnell geschlagen hat. Danach bin ich nach Hause gekommen.“

Unterstützung der Spieler: Die KSV-Mannschaft aus der Regionalliga-Saison 2017/2018 vor der eigenen Fankurve. 

Sein körperlicher Zustand sei zu diesem Zeitpunkt extrem gewesen. „Es ging nichts. Ich konnte mich aufrichten und mal drei Meter gehen. Das war’s.“ Den kompletten Sommer über bis in den Oktober musste Friedrich alle zehn Tage nach München in die Klinik. „Das war alles sehr anstrengend. Aber man hält sich an dem Strohhalm fest, dass es vielleicht besser wird.“ Besser werden sollte es durch eine NK-Zellen-Therapie.

Im Oktober 2018 war die Therapie beendet. „Mein Zustand war anschließend nicht gut, aber in Ordnung. So, dass ich abends bei einem Freund war, um Fußball zu schauen. Das gewohnte Schwindelgefühl kam, das ich habe, wenn etwas mit dem Herzen ist. Da bin ich rausgegangen. Auf dem Weg nach Hause hat der Defibrillator mich wieder geschockt. Ich habe mir selbst den Krankenwagen gerufen“, erzählt Friedrich.

Es folgt eine weitere Operation am Herzen. „Der Zustand war so kritisch, dass etwas geändert werden musste“, sagt Friedrich. Ärzte setzen ihm in Kassel einen neuen Defibrillator ein. Der alte hat mit einer sehr hohen Joulezahl nicht direkt ins Herz geschockt. Der neue tut das. Es ist ein Defibrillator, der gleichzeitig auch Schrittmacher ist. So muss nicht jedes Mal geschockt werden. „Das ist so, als würde ein Böller in der Brust explodieren. Also nicht so gut für den gesamten Körper“, beschreibt Friedrich so einen Schock.

Danach ging es für den 24-Jährigen vier Wochen in die Reha nach Bad Nauheim. „Das war nicht so einfach. In den ersten zwei Jahren habe ich das mit dem Herzen immer von mir weggeschoben. Jetzt habe ich gedacht: Ich bin 24 und wurde schon so häufig wiederbelebt. Die Abstände werden immer kürzer. Wo soll das hinführen?“, erzählt Friedrich.

Unterstützung von den Fans: Die KSV-Anhänger zeigen eine Choreografie für Steffen Friedrich beim Saisonauftakt in Lohfelden. 

Wieder fing Friedrich ganz von vorn an. Jetzt – mehr als ein halbes Jahr später – geht es ihm immer noch nicht gut, aber besser. „Seit dem Eingriff wurde ich nicht mehr geschockt. Das sehe ich positiv“, sagt er.

Seit Januar sitzt er für den KSV wieder im Büro. Dass er als Teammanager weitermachen darf, dafür ist er dem Verein sehr dankbar. Sein Lehramtsstudium hat Friedrich im vergangenen Sommer abgebrochen. „Ich habe mir gedacht, ich kann nicht einmal die Verantwortung für mich selbst tragen. Wie soll ich es dann für Kinder machen?“, sagt er.

Stattdessen hat er im Oktober ein Sportmanagement-Studium an der Internationalen Berufsakademie (IBA) in Kassel begonnen. „Das ist ein duales Studium. Seit Januar bin ich auch eingestiegen. Die ersten Klausuren stehen an. Mir fehlen ein paar Monate. Aber ich sehe das ganz entspannt. Ich habe mittlerweile gelernt, dass andere Dinge mehr zählen.“

Im Auestadion war Friedrich noch nicht. „Da fiebere ich zu sehr mit“, sagt er. Aber er will wieder dabei sein, bei der Mannschaft. Er versucht, mit seiner Krankheit positiv umzugehen. „Das klappt. Ich tue mich nur damit schwer, dass es noch keine Ursache für die ganze Geschichte gibt“, sagt der 24-Jährige.

Er hat Angst, dass wieder etwas passiert. Das gibt er zu. Dafür war es schon zu oft so knapp zwischen Leben und Tod. „Ich versuche dennoch, mich auf die guten Dinge zu konzentrieren. Es hätte mich viel schlimmer treffen können, man muss zufrieden sein mit dem, was man hat. Ich bin froh über jeden Tag, an dem es mir gut geht.“

Mit diesem Hintergrund versteht man die Aussagen von Tobias Cramer besser. „Ich habe ihm alles zu verdanken nach meiner aktiven Fußballerkarriere. Er hat mir gezeigt, wie die andere Seite aussieht und mich immer unterstützt“, sagt Friedrich. Ein bisschen Zeit haben die Beiden noch zusammen im Büro. Friedrich wird bleiben.

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Defibrillatoren: Definition

Implantierbare Defibrillatoren sind kleine Aggregate, ähnlich wie Herzschrittmacher. Sie arbeiten als Lebensretter, wenn das Herz eine lebensbedrohlich schnelle Rhythmusstörung aus der Herzkammer, das sogenannte Kammerflimmern, aufweist. Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator, kurz nur „ICD“ genannt, verfügt über Elektroden, die ähnlich wie normale Elektrokabel den ICD mit dem Herz verbinden. Der ICG wird programmiert und verfügt über Funktionen, die helfen, den Rhythmus des Herzens zu kontrollieren. 

Ein Defibrillator wird bei Patienten eingepflanzt, die bereits einmal lebensgefährliche Rhythmusstörungen aus der Herzkammer überlebt haben oder ein hohes Risiko für Herzrhythmusstörungen aufweisen.

Quelle: HNA

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