Alles zur Sensation des SV Adler Weidenhausen im Hessenpokal

Von Buchenaus Schlagzeilen und  Gonnermanns Toren

Das stolze Siegerteam des SV Adler. F oto: Nico Beck

1500 Fans haben am Mittwoch ein denkwürdiges Fußball-Hessenpokalspiel in Weidenhausen erlebt, das schon jetzt als eines der Besten in die 100-jährige Vereinshistorie eingehen wird.

Trotz 0:1-Rückstands wurde der turmhohe Favorit KSV Hessen Kassel schier unfassbar mit 4:1 besiegt.

Eine Fotostrecke finden Sie im Netz: werra-rundschau.de

Maikel Buchenau hatte so eine Vorahnung. „Hier habe ich schon mal die Schlagzeile aufgeschrieben“, sagte der Weidenhäuser Trainer 20 Minuten vor dem Anpfiff der Partie der zweiten Hessenpokalrunde, die ganz anders verlaufen sollte, als er es sich überhaupt zu träumen gewagt hätte. Buchenau zückte seinen Zettel, auf dem stand: „Die Adler fressen die Löwen und sind die neuen Könige des Dschungels.“ Diesen martialisch klingenden Titel stellte er seinem Team zur Motivation in der Kabine vor und holte so das Letzte aus seinen Spielern heraus. Zuvor hatte er andere potenzielle Überschriften genannt und fragte seine Spieler, ob sie in der Werra-Rundschau gern Schlagzeilen wie „Adler verliert standesgemäß mit 0:3“ lesen würden? Es läge schließlich an ihnen.

Um in Buchenaus Überschriften-Bild zu bleiben: Der Adler hat die Löwen tatsächlich gefressen und für die faustdicke Überraschung gesorgt, die niemand für möglich hielt. „Jeder hat’s gehofft, aber dass dann so ein Spiel folgt, das ist echt irre. Im Vorfeld habe ich gesagt, dass wir eines von zehn Spielen gegen den KSV gewinnen. Mit unserer heutigen Leistungen wären es aber ganz bestimmt fünf von zehn.“ Recht hat er.

Der Auftritt seiner Mannschaft, dem Tabellensechsten der Verbandsliga, der am Sonntag noch gegen einen Aufsteiger 1:3 verlor, war in allen Mannschaftsteilen überragend. Die Abwehr ließ gegen KSV-Größen wie Sebastian Schmeer gar nichts anbrennen, Schmeer erzielte in vier Hessenligaspielen für die Kasseler, die in die Regionalliga aufsteigen wollen, drei Tore. Was Manu Toro Moreno, Thomas Hammer, Dennis Nguyen, Jannis Beng und Luis Goebel im defensiven Zentrum leisteten, das ging dann wohl an diesem märchenhaften Mittwochabend über die Hessenliga hinaus.

Doch einer überstrahlte alle: Sören Gonnermann. Zuschauer Gerhard Friederich aus Hitzerode zeigte sich begeistert vom 30-jährigen Vierfach-Torschützen: „Bei ihm ist es wie bei Arjen Robben. Seit zehn Jahren weiß jeder, was er macht. Trotzdem ist er nicht zu verteidigen.“

Hier vergibt er noch, kurz darauf erzielt er einen lupenreinen Hattrick: Sören Gonnermann. Foto: Nico Beck

„Zuletzt haben wir uns lange über unser Spiel gegen Darmstadt 98 vor rund zehn Jahren unterhalten. Da hatte Sören das 1:1 auf dem Fuß, das hat er damals leider nicht gemacht. Aber heute – was er abgeliefert hat, das ist unbegreiflich.“ Dabei fühlte sich der Coach wohl an 2008 zurückerinnert, denn in der 27. Minute tauchte er nach einem Toro-Moreno-Traumpass allein vor Torwart Hartmann auf, der seinen Rechtsschuss mit dem Fuß abwehrte. Das war die Riesenchance. Und doch begann mit dieser, seiner ersten auffälligen Szene des Spiels, die Sören-Gonnermann-Show. Binnen 13 Minuten schnürte er einen lupenreinen Hattrick. Erst hinterlief Linksverteidiger Jannis Beng glänzend und legte von der Grundlinie auf seinen Kapitän zurück, der direkt verwandelte (29.), danach – kurz nachdem ihm ein Kasseler Fan nach verlorenem Kopfballduell zurief: „Sören, du bist zu klein!“ – nickte er nach Ecke (34.) und Freistoß (42.) von Jan Gerbig sehenswert per Kopf ein. „Ich war selten so frei und ungedeckt“, sagt der Torjäger, „ich bin genau 1,72 Meter groß – da sind zwei Kopfballtore schon selten.“ Der Vollständigkeit halber knipste er noch mal mit dem Fuß, als er sich in seiner unnachahmlichen Art gegen die Verteidiger durchsetzte und das Leder aus 20 Metern gegen den herausstürmende Keeper zur kollektiven Ekstase ins Netz bugsierte (88.).

KSV-Trainer Hirsch: „Meine Spieler haben wohl von Gonnermann geträumt. Es ist schwer zu erklären, was abgelaufen ist. Man hat gesehen, wie Mentalität Talent geschlagen hat. Weidenhausen hat hochverdient gewonnen.“

Alles muss raus: Johannes Klotzsch jubelt. Fot o: Claus

AUSLOSUNG

Der SV Adler Weidenhausen ist ins Achtelfinale eingezogen. In dieser Runde kommen nun acht gesetzte Teams hinzu, auf einen dieser Kontrahenten treffen die Weidenhäuser. Mögliche Gegner sind die Regionalligisten der Saison 18/19 Offenbach, Steinbach, Stadtallendorf, FSV Frankfurt, Hessen Dreieich, Hessenliga-Meister Gießen sowie die Verbandsligisten Ginsheim und Waldsolms. Die Auslosung findet am kommenden Dienstag, 3. September, statt.

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