„Bis ich nicht mehr krabbeln kann“

Alexander Germerodt gibt nach gesundheitlichen Rückschlägen alles für FSA

So kennt man ihn: Alexander Germerodt mit FSA-Fanschal. Foto: Marvin Heinz

Alexander Germerodt war zu Tränen gerührt, als er auf dem Sportehrentag des Landkreises und des Sportkreises Werra-Meißner ausgezeichnet wurde.

 Der 52-jährige erhielt den Sonderpreis. „Trotz gesundheitlicher Rückschläge ist Alexander Germerodt immer wieder aufgestanden, hat alle Hindernissen aus dem Weg geräumt, um sich stets in den Dienst des Sports zu stellen“, betonte der Sportkreis-Vorsitzende Dr. Jörg Möller mit Blick auf die bewegende Geschichte von Germerodt, der bei seinem Heimatverein der SG Frieda/Schwebda/Aue liebevoll „Fresh“ genannt wird.

Der gelernte Maurer spielte selbst aktiv Fußball und durchlebte im Jugendbereich des TSV Eintracht Wichmannshausen bis 1989 viele schöne Stunden, ehe ein schwerer Verkehrsunfall das Kicken unmöglich machte. Im Jahr 2005 kam der langjährige Torhüter durch seinen Patenjungen Patrick Morche zur SG FSA und unterstützte prompt die Jugendmannschaften tatkräftig von der Seitenlinie. „Schnell habe ich gemerkt, dass bei diesem Verein Gemeinschaft, Zusammenhalt und Emotionen wichtiger sind als Siege und Niederlage“, merkte Germerodt an, der sich in Folge einer Tumoroperation 2008 mit viel Willenskraft zurückkämpfte. 2015 übernahm Fresh das Amt des Platzwarts bei der SG FSA: „Nichts machen kam für mich nicht in Frage, dann hätte ich vermutlich 30 Kilo zugelegt.“

Als sich Gemerodt auf dem richtigen Weg wähnte, folgten die nächsten Hiobsbotschaften: Blutkrebs, Blutgerinsel im Körper, Klinikaufenthalt. Das linke Bein musste bis zum Oberschenkel abgenommen werden. Wer aber gedacht hatte, dass dieses gesundheitliche Tief Germerodt in die Knie zwingt, sah sich getäuscht. Krankenhausbesuche zahlreicher FSA-Akteure gaben ihm Kraft: „Das war was ganz Besonderes und gibt es sicher nicht in allen Vereinen.“ Die FSA-Gemeinde staunte anschließend nicht schlecht, als Germerodt in seinem Rollstuhl auf den Sportplatz rollte und in seiner ersten Amtshandlung erstmal einen Besen zur Hand nahm. Unermüdlich und mit viel Tatendrang widmete sich Germerodt wieder seinen Aufgaben als Platzwart. Von Ruhe war keine Spur: „Es musste doch wieder alles seine Ordnung haben.“

Seinen Aufgabenbereich beschreibt Gemerodt umfassend: „Ich bin fürs Putzen, Aufräumen und Reparieren zuständig.“ Zuletzt baute das „Mädchen für alles“ eine Spüle ein, stand im Verkaufsbüdchen, glättete mit einem Rasenmähertraktor die Maulwurfshügel und kreidete das Spielfeld ab. Unterdessen bastelte Germerodt sich seine eigene kleine Werkstatt, in der er fast täglich neue Sachen entwickelt, die ihm das Leben ein Stück einfacher machen. Als der Rasensprenger ausfiel, hatte der Hobbyhandwerker sofort eine Lösung: „Man kann ja auch per Hand wässern.“ Drei Stunden täglich lief er letztes Jahr mit dem schweren Schlauch über den Platz und versorgte alle Ecken so gut es ging.

„Diese Leidenschaft und Hingabe und vor allem dieser Lebenswille haben uns alle die letzten Jahre sehr fasziniert“, sagte Stürmer Lucas Harbich, der sich noch gut an die Dankesrede von Jonas Klippert erinnern kann. Im Rahmen der Feierlichkeiten zur A-Liga-Meisterschaft im Jahr 2018 nutzte der Kapitän den Moment, um Germerodt in einem ganz besonderen Moment zu huldigen. Harbich: „Wir Spieler hatten Tränen in den Augen, als der ganze Sportplatz minutenlang Applaus zu Ehren dieses tollen Menschen spendete.“ Seither ist für Germerodt eins in Stein gemeißelt: „SG FSA ein Leben lang, bis ich nicht mehr krabbeln kann.“

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