Interview mit Eschweger Box-Legende - „Als Amateur ist es ganz anders“

Christina Hammers Entdecker Robert Staar spricht über ihren Rückzug in die Amateurklasse

Die Anfänge beim Boxclub Eschwege: Robert Staar und Christina Hammer beim Training. Staar sagte jetzt: „Wir haben jeden Tag trainiert. Da habe ich dann zu ihr gesagt: Du wirst Deutsche Meisterin. (...) Ich erinnere mich wirklich noch sehr gern an diese Zeit.“ Archiv
+
Die Anfänge beim Boxclub Eschwege: Robert Staar und Christina Hammer beim Training. Staar sagte jetzt: „Wir haben jeden Tag trainiert. Da habe ich dann zu ihr gesagt: Du wirst Deutsche Meisterin. (...) Ich erinnere mich wirklich noch sehr gern an diese Zeit.“

Der Eschweger Boxtrainer Robert Staar sei erstaunt gewesen, als er von der Nachricht gehört hatte, dass Christina Hammer vom Profi-Boxen in die Amateurklasse wechselt. Ein Interview.

Staar hatte Hammers Talent einst entdeckt, gefördert und mit ihr die ersten großen Erfolge gefeiert, ehe Hammer als Profi in Dortmund jüngste Weltmeisterin wurde. Der 71-Jährige kennt sich in der Boxszene aus, in der er seit 1963 selbst aktiv tätig ist. Er ordnet die jüngsten Informationen ein, wir haben mit ihm gesprochen über ...

...Hammers Herabstufung zu den Amateuren.

Wenn sie nun wieder Amateur ist, also reamateurisiert wurde, dann wird es den Weg zurück nicht mehr geben zu den Profis. Jedenfalls war das bisher immer so. Und sollte das weiter so sein, dann weiß ich nicht, was sie sich davon verspricht. Sie wird es sich aber gut überlegt haben, da bin ich sicher. Vielleicht hat sie gemerkt, dass die Trauben in Amerika höher hängen. Dort müsste sie als Profi boxen, um ihre Titel wiederzuholen. Vielleicht will sie generell etwas kürzertreten, ich weiß es nicht.

... die Ungewissheit, überhaupt bei den Olympischen Spielen starten zu können.

Es ist ein harter Weg, um das Ticket zu erhalten, weil sie keine Garantie für einen Start hat. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Ich hätte gedacht, dass sie als Profi über einen Kampf gegen Nikki Adler wieder zurückkommt, es gibt immer einen Weg nach oben. Die Herabstufung hat mich gewundert. Sie hat zwar im Dezember noch einen WM-Titel als Profi gewonnen, aber das ist keiner der wichtigen gewesen.

... das Boxen als Amateur.

Als Amateur ist es ganz anders, denn du kannst bei vielen Meisterschaften starten. Ich hatte Jungs, die im Jahr bis zu 35 Kämpfe gemacht haben. Als Profi hast du womöglich nur ein oder zwei Kämpfe im Jahr, trainierst immer auf diesen einen Tag hin – und dann wird der vielleicht kurzfristig mal abgesagt. Das ist auch schon vorgekommen bei Christina und vielleicht könnte da im häufigeren Boxen auch der neue Reiz liegen. Zumal sie ja nun unter dem Dach der Bundeswehr trainiert. Es ist wie bei Biathleten, Bobfahrern und vielen weiteren Sportlern. Die sind bei der Bundeswehr und trainieren an den Olympia-Stützpunkten, erhalten ein Grundgehalt und Prämien. Aber natürlich musst du hier dann auch erfolgreich sein. Generell sagt man auch: Der Amateur boxt wegen der Medaillen, der Profi wegen der Kohle.

... die vergangenen Jahre.

Christina hatte viele Erfolge, aber so viel hatten wir nicht mehr miteinander zu tun. Zwei, dreimal hatte sie vor vielen Jahren beim Boxclub Eschwege Autogramme gegeben. Wir waren uns nie böse, vielleicht habe ich aber auch zu viel erwartet, weil ich sie dahin gebracht habe, wo sie dann hingekommen ist. Ich hätte gern mehr an ihrem Leben teilgenommen und sie weiter etwas begleitet.

... die Anfänge, als er Hammers Trainer war.

Beim Probetraining war mir klar, dass aus ihr was werden kann. Nach kurzer Zeit reichte ihr dreimal Training nicht, wir haben dann jeden Tag trainiert. Da habe ich dann zu ihr gesagt: Du wirst Deutsche Meisterin. Und als sie das geschafft hatte, sagte ich, dass sie den WM-Titel holen wird. Wir haben dreimal am Tag trainiert, ich habe sie umhergefahren, es war eine tolle Zeit, weil sie sehr eifrig war. Sie hat Box-Sparring mit den Jungs aus der 1. Bundesliga gemacht, sie war immer sehr ehrgeizig. Leider hatte ich öfter mal das Gefühl, dass sie die Vergangenheit etwas vergessen hat. Das war schade für mich, aber das ist wohl normal und sie ist ihren Weg gegangen.

Zur Person

Robert Staar (71) wurde in Bebra geboren und wuchs in Cornberg auf, ehe er im Jahr 1956 nach Eschwege zog. In der Freizeit des ausgebildeten Berufskraftfahrers und Speditionskaufmanns führt kein Weg am Boxsport vorbei. Mit neun Jahren hatte er zum ersten Mal die Boxhandschuhe an, weil sein Bruder Walter ihn als Profiboxer dazu motivierte. Im Alter von 26 Jahren machte Staar seinen Trainerschein. 1991 gründete er den Boxclub Eschwege. Staar ist Vertretungslehrer an der Anne-Frank-Schule. Er ist verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Er ist unter anderem der Entdecker und erste Förderer von Christina Hammer aus Sontra, die dann mehrfache Weltmeisterin wurde. 

Von Nico Beck

Gemeinsames Bild aus früheren Tagen: Robert Staar mit Christina Hammer bei ihrem ersten Profikampf im Jahr 2009 in Magdeburg.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare