American-Football-Fan Uwe von der Weth zum Super Bowl heute Nacht: "Größer als das Finale der Fußball-WM"

Legendäre Halbzeit-Show: Beim Super Bowl ist alles eine Nummer größer. Foto: Angela Weiss/afp Photo

Eschwege. Der Super Bowl elektrisiert nicht nur in Amerika die Massen. Auch in Deutschland herrscht große Begeisterung rund um das Endspiel der National Football-League (NFL). Wieso das so ist, wie es in den USA derzeit zugeht und wer das Endspiel zwischen den New England Patriots und den Los Angeles Rams in der Nacht auf Montag gewinnt, darüber haben wir mit Uwe von der Weth gesprochen. Der 49-Jährige aus Oberdünzebach ist seit rund 30 Jahren eingefleischter Football-Fan und Kenner der Szene.

Wenn du dich entscheiden müsstest: Fußball oder Football?

Gegenfrage: Schauen oder spielen?

Beides.

Ich hätte gern selbst mal gespielt, aber das haben die Umstände früher nicht zugelassen. Fußball hat halt immer dominiert. Aber wenn der Super Bowl und das WM-Finale im Fußball auf einen Tag fallen würden, dann würde ich eher beim Football einschalten. Es gibt kein vergleichbar großes Spiel wie den Super Bowl. Da geht nichts drüber.

Wieso?

Der Super Bowl ist das Sportereignis schlechthin. Eine ganze Woche lang dreht sich in Amerika alles um dieses eine Spiel, alles andere wird förmlich ausgeblendet. Alles ist noch extremer, die Einschaltquoten noch höher und man könnte hier noch so viel mehr aufzählen, was dieses Spiel so besonders macht. Wie gesagt: Dieses Endspiel ist größer als das um die Fußball-Weltmeisterschaft.

Warst du schon mal live bei einem NFL-Spiel dabei?

Ja, zweimal. Das waren Gänsehaut-Momente. Die Atmosphäre ist ganz anders als beim Fußball. Es ist unaufgeregter, entspannter. Hooligan-Probleme gibt es nicht. Die Fans treffen sich Stunden vor einem Spiel auf Parkplätzen und grillen. Beim Super Bowl geht das schon Tage vorher los, aber auch da herrscht ein weitestgehend friedlicher Umgang.

Was wären Gründe für dich, um den Super Bowl nicht zu schauen?

Das müsste schon etwas wirklich Schwerwiegendes sein. Für dieses Finale würde ich, wenn es sein müsste, auch extra Urlaub nehmen. Das will ich immer sehen.

Wie würdest einem Laien Football erklären?

Viele denken, dass man wahllos einen Spieler umhauen kann. Aber das ist so natürlich ganz und gar nicht der Fall. Es geht in erster Linie um Strategie. Es ist wie Schach auf dem Rasen. Es geht darum, eine Taktik auszutüfteln, diese aufs Feld zu bringen und damit den Gegner zu besiegen. Das andere Team versucht, eine Strategie dagegen zu entwickeln. Es ist spannend zu sehen, welche aufgeht. Es ist ein unheimlich taktisch geprägtes Spiel, bei dem die Trainer richtig viel Einfluss nehmen können. Es hängt viel von der Vorbereitung ab, wie du dich auf den Gegner einstellst, wo du die Stärken und Schwächen siehst. Und mit jedem taktischen Schachzug kann ein Spiel kippen. Das ist so in kaum einer anderen Sportart der Fall.

Wem drückst du im Endspiel die Daumen?

Ehrlich gesagt mag ich beide Mannschaften nicht so sehr. Ich bin Fan der Green Bay Packers und erhoffe mir einfach ein aufregendes Spiel. Vieles hängt von der Defensive der Los Angeles Rams ab und ob sie es schaffen, Druck auf Star-Quarterback Tom Brady von New England auszuüben. Gelingt das, dann ist was drin. Sonst denke ich, dass sich die Patriots das nicht nehmen lassen werden. Auch weil das legendäre Duo mit Trainer Bill Belichick und Tom Brady immer einen draufsetzen kann.

Wie und wo schaust du das Spiel?

Ich werde allein schauen, ganz unspektakulär. In den vergangenen Jahren war ich mit Freunden zusammen.

Wann und wie hat dich eigentlich das Football-Fieber gepackt?

Ich bin seit rund 30 Jahren Fan. Damals hatte ich mir den Premiere-Receiver zugelegt und da wurde nachts mal ein Spiel übertragen. Das hatte ich mir angeschaut. Schon war ich mit dem Virus infiziert. Und wenn das mal geschehen ist, dann gibt es kein Zurück. Seit diesem Tag bin ich Fan der Packers.

Was denkst du: Hält der Boom noch lange an?

Ja, ich sehe kein Ende. Warum auch? Es ist ein faszinierender Sport. Eine Fernsehübertragung dauert zwar echt lang, aber dieses Spiel hat so viele Facetten und wer es mal verstanden hat, der merkt sofort, wie spannend es ist. Früher musste ich immer nach irgendwelchen Wegen suchen, um ein Spiel zu sehen, irgendeine Übertragung zu finden. Das ist heute ganz anders. Man muss ja fast aufpassen, nicht zu viel zu schauen. In dieser Hinsicht hat sich viel getan. Natürlich gibt es derzeit viele Eventfans, aber der Boom wird weitergehen. Und das zu Recht.

Zur Person:

Uwe von der Weth (49) ist in der Region vor allem als Fußballspieler und -trainer bekannt. Er spielte unter anderem bei der SV 07 Eschwege, führte als Trainer Weidenhausen II in die Gruppenliga und war in Wichmannshausen tätig. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Oberdünzebach. Sein American-Football-Herz schlägt seit rund 30 Jahren für die Green Bay Packers.

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