Ungläubige Blicke aufs Handy und wenig Lust auf Abwehr

Das fiel auf beim ersten kompletten Fußball-Spieltag im Jahr 2020 

Abseits des Platzes sorgte der Blick aufs Smartphone für Verwunderung: Eduard Saakel (links, SG Wehretal) und Guido Schilling (rechts, TSV Wichmannshausen) bemerken die Probleme des Internet-Portals, auf dem die Spiele eingegeben werden. Foto: Marvin Heinz

VON NICO BECK

Eschwege – Die beste Nachricht vorneweg: Ja, es wird wieder überall im Werra-Meißner-Kreis Fußball gespielt. Darüber zeigten sich vor allem die Spieler auf dem Feld begeistert und präsentierten sich schon gleich in Torlaune. Das freute auch die bis zu 200 Fans pro Sportgelände, denen zum Auftakt der Saison richtig was geboten wurde. Und doch lief nicht alles perfekt. Unsere Auffälligkeiten:

Das System fällt aus

Nanu, was geht denn jetzt ab? Diese Frage haben sich im Verlauf des Sonntags wohl viele gestellt. Insbesondere Vereinsverantwortliche, Administratoren und Schiedsrichter. Denn das DFB-net fiel aus, sodass unter anderem auf der Plattform Fußball.de im Internet keine Eingaben getätigt werden konnten. Das verwunderte auch interessierte Fans, die hier und dort schon mal zum Telefonhörer griffen, um Ergebnisse zu erfahren. Wie früher. Und das klappt auch heute noch.

Wenig Lust auf Abwehr

Wo waren denn die Abwehrreihen? Diese Frage stellt man sich mit Blick auf die Ergebnisse der Kreisoberliga-Gruppe 1. Vier Spiele, 21 Tore. Das ist ein Durchschnitt von 5,2 Treffern pro Partie. Rumms! Da schienen die acht Teams richtig Lust auf Offensive zu haben. Das torreichste Spiel fand in Ulfen statt. Da besiegte die SG HNU den TSV Waldkappel 6:2. Wehretal unterlag Wichmannshausen 1:3 und Wanfried und Sontra trennten sich 2:2. Nur eine Abwehr schien wirklich Gas geben zu wollen: die des SC Niederhone beim 5:0 gegen FSA. Oder war der Gast einfach zu schwach? Auch diese Frage wurde in Bezug auf FSA gestellt, nachdem schon in der Vorbereitung und im Pokal hohe Pleiten eingesteckt wurden. Nun auch in der Liga. Also: Quo vadis, FSA?

Sensationeller Start

Wie konnte das denn gehen? Das wurde sich vor allem bereits am Samstag gefragt. Und da beim Kreisliga-B-Spiel zwischen dem Meisterschaftsfavoriten RW Fürstenhagen mit Torjäger Reinhold Gaber und den jungen Aufsteigern der SV 07 Eschwege. Das Eschweger Team von Trainer Dirk Bachmann präsentierte sich in Top-Verfassung und fegte RW in nie geahnter Höhe mit 3:0 vom Platz. Was für ein Auftakt des C-Liga-Meisters, der nun ligaübergreifend sieben Siege in Folge erzielt hat und fast auf den Tag genau vor einem Jahr seine letzte Niederlage kassierte (2:6 gegen Ziegenhagen/Ermschwerd).

Nicht minder gestaunt wurde in der Gruppenliga, wo ebenfalls ein Aufsteiger am Samstag den großen Coup landete. Der SV Adler Weidenhausen II von Trainer Alexander Henke überraschte gegen den Tuspo Grebenstein und belohnte sich nach dem 0:1 in Kaufungen im Duell mit dem zweiten Spitzengegner im zweiten Spiel für die sehr gute Saisonvorbereitung und die beherzten Auftritte. Nach den ersten drei Punkten der Saison wird eine Frage ganz sicher nicht mehr gestellt. Nämlich die, wie dieser Sieg zustande kam und ob es für den Sieg tatsächlich Rot für den Gästekeeper gebraucht hat?

Ruhigere Fahrwasser

Wie groß kann die Freude nur gewesen sein? Diese Frage wurde mit Blick auf den Kreisoberligisten TSV Wichmannshausen gestellt. Der 3:1-Erfolg bei der SG Wehretal könnte der Start zu einem Neuanfang sein. Dem Beginn einer besseren und ruhigeren Zukunft. Denn in den vergangenen anderthalb Jahren war so einiges los beim TSV. Erst eine richtig schwache Saison, dann der Trainerwechsel und zuletzt das Theater um Gerd Werner. Patrick Gries und sein Team blieben zum Auftakt cool und landeten einen Sieg, der sie zurück in ruhigere Fahrwasser führen könnte.

Wie einst Mario Basler

Gibt's den auch mit Ahnung? Das wird sich ein Spieler wohl nach dem Dialog mit einem namentlich nicht genannten Schiri aus der Region gedacht haben. Denn der Schiri merkte im lockeren Plausch beim Aufwärmen an, dass die Eckstöße des Spielers meilenweit davon entfernt seien, auch nur ansatzweise zum Erfolg zu führen. Und wie sollte es anders kommen: Im Spiel verwandelte der Spieler eine Ecke direkt. Noch Fragen?

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