Ausnahmeathletin aus Herleshausen

„Aufgeregt und angespannt“ - Renée Steins erster Wettkampf nach monatelanger Pause

Gibt immer 100 Prozent: Die Herleshäuserin Renée Stein (links) gehört in ihren jeweiligen Startklassen seit Jahren zu den besten Karatekämpferinnen der Welt. Sie wurde Deutsche Meisterin und Vizeeuropameisterin.
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Gibt immer 100 Prozent: Die Herleshäuserin Renée Stein (links) gehört in ihren jeweiligen Startklassen seit Jahren zu den besten Karatekämpferinnen der Welt. Sie wurde Deutsche Meisterin und Vizeeuropameisterin.

Über Jahre war für Karatekämpferin Renée Stein der Sprung auf die Wettkampf-Matte pure Routine. Bei ihrem letzten Wettkampf aber war alles anders.

Die Junioren-Vizeeuropameisterin stieg nach monatelanger Corona-Pause wieder ins Wettkampfgeschehen ein, nachdem das sie das EM-Viertelfinale in Budapest im Februar verloren hatte.

„Ich war aufgeregt und angespannt“, sagte Stein. Die zweifache Deutsche Meisterin brauchte etwas Anlaufzeit, um beim stark besetzten Eurocup in Maria Alm (Österreich) auf Betriebstemperatur zu kommen. „Als ich dann mal wieder drin war, hat es einfach nur Spaß gemacht“, berichtete Stein, die das Kampfgeschehen mit überfallartigen Hebeln und Würfen dominierte.

Das intensive Kraft- und Schnelligkeitstraining der letzten Monate machte sich schnell bemerkbar. Die 16-Jährige agierte mit vielen wuchtigen und ansatzlosen Schlägen. Diese Weiterentwicklung war in den Augen ihrer Trainer notwendig, um in der neuen Gewichtsklasse für Athletinnen mit über 54 Kilogramm konkurrenzfähig zu sein: „Der Wechsel war für mich eine Umstellung, weil es was anderes ist, sich mit großen Gegnerinnen zu duellieren, anstatt gegen kleine Kontrahentinnen zu kämpfen.“

Erst im Finale ist die Siegesserie der Herleshäuserin gerissen, gegen die Italienerin Simonni Valentina unterlag die Kreissportlerin des Jahres 2019 unglücklich mit 2:3.

Drei Wochen später wartete auf Stein das nationale Turnier am Bundesstützpunkt in Waltershausen (Thüringen) mit 333 Karateka. Eine echte Standortbestimmung. In Folge von souveränen Siegen in der Vor- und Zwischenrunde sicherte sich die Herleshäuserin das Ticket fürs Finale, in dem sie auf Hanna Riedel (16) aus Erfurt treffen sollte. „Es war ein wichtiges Finale, denn nur eine von uns beiden wird zur Europameisterschaft fahren dürfen, die voraussichtlich im August 2021 in Finnland stattfindet“, berichtete Stein, die sich noch heute ärgert, dass sie im Duell mit ihrer Freundin den ersten Fehler gemacht hatte. „In Österreich habe ich noch gewonnen, aber in Waltershausen bin ich zu Beginn in sie reingerannt, die Deckung war zu weit unten und dann habe ich einen Armschlag kassiert“, hadert Stein, die am Ende noch einen Fußtritt hinnehmen musste und mit 0:5 unterlag.

Nach dem zweiten Corona-Lockdown geht das Training für die Ausnahmesportlerin wie gewohnt weiter. Als Bundesathletin darf sie weiterhin ohne große Einschränkungen trainieren, allerdings seien laut Stein auch für das Jahr 2021 nur wenige Wettkämpfe geplant.

Trotz dieser tristen Aussichten nimmt Stein mit voller Eifer ihr tagtägliches Training auf: „Ich nehme die Situation an und trainiere im Moment so viel ich kann, um gewappnet zu sein für den Tag, an dem es wieder losgeht.“ Eine sportliche Einstellung, die ihren Ehrgeiz widerspiegelt.

Von Marvin Heinz

Renée Stein

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