"Es war der perfekte Tag"

Was für eine Leistung! Max Weckmüller aus Eschwege schießt Deutschen Rekord

Stolzer Rekordhalter: Bogenschütze Maximilian Weckmüller stellt in Kienbaum mit 691 Ringen eine Deutsche Bestmarke auf. Foto: privat

Bogen-Ass Maximilian Weckmüller ist der Wettkampf seines Lebens gelungen. In der Nähe von Berlin hat er mit seinem Recurvebogen einen Deutschen Rekord geschossen. 

VON NICO BECK UND MANUEL KOPP

Eschwege – Es gibt Tage, an denen gelingt einem alles. Genau so einen erwischte Maximilian Weckmüller beim ersten Lehrgang der Nationalmannschaft seit Beginn der Corona-Krise. „Es war der perfekte Tag“, sagt der Bogenschütze aus Eschwege. Was war passiert? In Kienbaum stellte Weckmüller einen Deutschen Rekord mit dem Recurvebogen auf. Und das in der Distanz auf 70 Meter, die auch bei den Olympischen Spielen geschossen wird. Bei 72 Schuss erzielte er 691 Ringe – erst drei Europäer vor ihm durchbrachen die 690er-Marke bei einem Wettkampf.

Der Lehrgang in Kienbaum war kein normaler. Vielmehr war es ein doppelter Testlauf, um Hygiene-Konzepte zu überprüfen. Erstens, ob weitere Lehrgänge in Kienbaum stattfinden können. Zweitens, ob Wettkämpfe nach diesen Vorgaben ausgetragen werden können. Daher fand innerhalb des Lehrgangs auch ein Wettbewerb mit Kampfrichtern statt, der dadurch rekordberechtigt war. Zum Glück für Weckmüller. Außerdem gab es einen zusätzlichen Anreiz: Die jeweils besten vier Männer und Frauen qualifizierten sich für den Deutschland-Cup – ein Show-Wettkampf, der am 9. August vor dem Kurhaus in Wiesbaden stattfindet und vom ZDF im Fernsehen übertragen wird.

In der Vorrunde gingen neun Männer an den Start – und gaben ihre 72 Schuss ab. Weckmüller, der für den BSC Vellmar schießt, den Umgang mit dem Bogen aber bei der Freien Bogengilde Werratal Eschwege lernte, erwischte keinen guten Auftakt. Danach lief es aber umso besser. Und so kam der 25-Jährige nach der Vorrunde auf 691 Ringe. Deutscher Rekord. Damit übertraf er den bisherigen Rekordhalter Jonathan Vetter um acht Ringe. Weckmüllers Bestleistung lag bisher bei 677 Ringen. „Ich wusste, dass die Bedingungen sehr gut sind, aber ich hätte vorher nicht mit so einem Ergebnis gerechnet“, sagt Weckmüller. Zumal die Leistungen im Training, das er derzeit vor allem im Olympia-Stützpunkt in Berlin absolviert, zuletzt nicht auf so eine Leistungsexplosion hindeuteten. „An diesem Tag hat aber einfach alles gepasst. Es war der perfekte Tag“, sagt der in Kassel lebende Eschweger, der mit seinem Bundesligateam BSG Ebersberg in jüngerer Vergangenheit zweimal das Bundesligafinale vor einer vierstelligen Zuschauerkulisse gewonnen hatte und seit Jahren zum Nationalkader zählt.

Nach seinem Rekord konnte er es verschmerzen, dass er im Finale auf den zweiten Platz zurückfiel. Ein Ticket für den Deutschland-Cup hatte er ja dennoch sicher.

Und wie waren der erste Lehrgang und Wettkampf unter Hygiene-Vorgaben? „Man merkt schon Unterschiede zu früher, aber es war okay“, sagt Weckmüller. So hatten alle Athleten Einzelzimmer und mussten auch ansonsten Abstand halten. Beim Wettkampf hatte jeder Schütze seine eigene Scheibe und benutzte nur seine Pfeile. Nach den Durchgängen gingen die Athleten auf ihren Bahnen zur Scheibe und mussten vor dem Ansagen der Ergebnisse einen Mundschutz aufsetzen. Außerdem standen die Scheiben weiter auseinander als früher. „Das hat alles gut geklappt“, lobt Weckmüller das Konzept.

Und wie geht es weiter? Alle internationalen Wettkämpfe wie Weltcups und EM sind in diesem Jahr abgesagt – auch die DM findet nicht statt. Im August und September stehen Sichtungslehrgänge in Kienbaum an. Und dann gibt es für Weckmüller jetzt den Deutschland-Cup als Ziel: „Ich freue mich darauf. Es ist zwar lediglich ein kleiner Wettkampf unter den jeweils vier besten deutschen Männern und Frauen, aber eben ein Wettkampf mit einem Finale und TV-Präsenz – das ist schon natürlich etwas ganz Besonderes.“ Selbst für einen wie Weckmüller, der in seiner Karriere schon so vieles erlebt hat. Einen Deutschen Rekord aber zuvor noch nicht.

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