WR-Serie: Die sportlicher Leistung meines Lebens (38)

Christian Buchenau: Geprägt vom Duell mit den Top-Stars des 1. FC Köln

Zum Abschluss seiner erfolgreichen Laufbahn führte er die SG Pfaffenbachtal/Schemmergrund erstmals in die Kreisoberliga. ArchivFoto: Florian Kündemund

Alle Sportler haben Wettkämpfe bestritten, die ihnen ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Wir erzählen diese Geschichten in unserer Serie „Die sportliche Leistung meines Lebens“. Heute: Ex-Fußballer und Trainer Christian Buchenau. Der heute 68-Jährige zählt zu den prägenden Figuren im heimischen Fußball der vergangenen 50 Jahre.

VON STEFAN KONKLOWSKY

Es war am 25. Juni 1971. Rund 3000 Besucher sorgten im Heinrich-Schneider-Stadion für Bundesligastimmung, als die gastgebende SG Sontra an diesem denkwürdigen Tag den 1. FC Köln zu Gast hatte. „Unser Schiedsrichter Gerhard Richter hat das Spiel bei einem Lehrgang in Grünberg kurzfristig verabredet“, erinnert sich Christian Buchenau noch an die Umstände des Spiels, das er heute als sein prägendes sportliches Erlebnis beschreibt. „Das war schon ein sensationelles Gefühl, als ich dann neben Nationalspielern wie Wolfgang Overath, Heinz Flohe, Bernd Rupp, Wolfgang Weber und Hannes Löhr aufgelaufen bin. Und das in unserer Heimat in Sontra, das war der Höhepunkt schlechthin, ein wirklich großartiges und einmaliges Erlebnis.“

An dieses legendäre Spiel erinnert sich Christian Buchenau noch ganz genau. Er, damals 20 Jahre jung (rechts), versucht den Schuss von Nationalspieler Hannes Löhr (links) zu blocken, der 1971 mit dem 1. FC Köln gegen die SG Sontra spielte. Archivfoto: Siegfried Furchert

Das Ergebnis spielte dabei letztlich keine Rolle. „Wir haben zweimal 0:5 verloren. Insgesamt also 0:10“, sagt Buchenau, der beim Gedanken an diese Partie dennoch über das ganze Gesicht strahlt. Er scheint diese Partie in Gedanken immer wieder zu spielen und die Atmosphäre im Geist aufzusaugen. Auch fast 40 Jahre danach noch. Damals war der Vorstopper, der aufgrund seines eleganten Spielstils und unermüdlichen Einsatzes auffiel, 20 Jahre alt und einer der Jüngsten. Trotzdem auch einer der Besten, der dem 1. FC Köln so einiges abverlangte. Mit starken Leistungen imponierte der „Lange“, wie er von seinen Freunden liebevoll genannt wird, auch in den kommenden Jahren, als er zum Leistungsträger der SG Sontra avancierte und zu den besten Fußballspielern im Kreis gehörte.

Wie alles begann

„Mein damaliger Klassenlehrer war auch erster Vorsitzender der SG Sontra, er hat uns einfach mit zum Fußball genommen“, erinnert sich Christian Buchenau an seine sportlichen Anfänge. „Bevor wir kicken konnten, mussten wir aber erst mal die Steine vom Platz räumen, denn das Heinrich-Schneider-Stadion war damals ein Aschenplatz.“ Aber nichts konnte seine Begeisterung für den Fußball bremsen. Nicht mal eine Bewegungsschwäche im Arm als Folge einer Kinderlähmung im Alter von sieben Jahren hielt ihn auf.

Kurz vor seinem 18. Geburtstag stand er erstmals im Kader der ersten Mannschaft. „Ein stolzer Tag! Zu einem Einsatz hat nicht gereicht, es gab zu dieser Zeit noch keine Auswechselspieler. Ich habe dann einfach als Linienrichter fungiert.“ Dass er ohne Einsatz blieb, das sollte später nicht mehr häufig vorkommen. Der Vollblutfußballer war aus dem Kader der SG nicht wegzudenken. „Bis auf ein Jahr in Ronshausen und zwei in Richelsdorf habe ich immer für Sontra gespielt.“ Vereinstreue wurde großgeschrieben, ehe er 1986 seine aktive Karriere beendete.

Der Sontraer Erfolg

Erfolge pflastern den Weg als Trainer, so einfach lässt sich seine fast 30-jährige Trainertätigkeit auf einen Nenner bringen. Nach dem er bereits in Richelsdorf erste Erfahrungen als Spielertrainer gesammelt hatte, startete er im Werra-Meißner-Kreis so richtig durch. Herausragend dabei der Aufstieg mit „seiner“ SG Sontra in die heutige Gruppenliga im Jahr 1986. „Das war eine tolle Mannschaft damals mit Mario Rossa, den Strebe-Brüdern, Uwe Herrmann, um nur etliche zu nennen“, berichtet Buchenau.

Der Tapetenwechsel

Im Winter 90/91 ereilte ihn dann der Ruf der SG Germerode/Vierbach und Buchenau verließ die heimische Komfortzone. „Das war schon ein Wagnis, sich auf etwas Neues und Unbekanntes einzulassen“, gibt er Einblicke in seine damalige Gedankenwelt. Doch der Mut sollte belohnt werden. Denn er schaffte nicht nur den Klassenerhalt in der Gruppenliga, sondern formte in den kommenden Jahren die Meißnervorländer kurzfristig sogar zur Nummer eins im heimischen Fußballkreis.

Nach vier Jahren folgte der Wechsel zur SG Wehretal, bei der er nach zwei zweiten Plätzen ebenfalls den Aufstieg in die Gruppenliga feiern konnte. Ein Szenario, das ihm auch mit der SG Wildeck (2003) und auch bei der SV 07 Eschwege (2007) gelingen sollte – mit Eschwege ging es sogar in die Verbandsliga. Mit einem 5:0-Erfolg gegen BC Sport Kassel. Zum Ende seiner Trainerkarriere folgte noch mal ein Höhepunkt: In Diensten der SG Pfaffenbachtal/Schemmergrund spielte er in der Aufstiegsrelegation zur Kreisoberliga gegen den TSV Ulfegrund ausgerechnet in „seinem“ Heinrich-Schneider-Stadion in Sontra. Dass dann tatsächlich auch 2:1 gewonnen wurde und der erstmalige Aufstieg der SG in diese Klasse perfekt war, das krönte diese Rückkehr zum Ende seiner Laufbahn.

Aber natürlich machte er nicht alles nur zu Gold, sondern musste auch den ein oder anderen Rückschlag hinnehmen. Mit dem SV Adler Weidenhausen stieg er ab, auch mit dem FV Bebra schaffte er den Klassenverbleib mal nicht. Auf eines legt er aber ungeachtet der sportlichen Erfolge großen Wert: „Es waren schöne Zeiten, ganz egal wo.“

Die Trainergene scheint er Sohn Maikel vererbt zu haben, der heute den Verbandsligisten Weidenhausen coacht. Immer unter den kritischen Blicken des Vaters, der den Fußball nun aus einem anderen Winkel genießt.

Zur Person

Christian Buchenau wurde 1951 in Sontra geboren. Nach einer Ausbildung bei der Firma Koch setzte er seine berufliche Tätigkeit bei der Bundeswehr in Sontra fort, ehe er im Jahr 2006 in den vorzeitigen Ruhestand wechselte. Der Fußball hat ihn ein Leben lang begleitet und neben der eigenen Spieler- und Trainerkarriere gehört er auch zu den größten Förderern seines Sohnes Maikel, dessen sportlichen Weg er noch heute aufmerksam verfolgt. Heute lebt der 68-jährige Witwer in Eschwege in der Nähe seines Sohnes und genießt neben dem Fußball die Zeit mit seinen Enkelkindern und Hund „Cleo“, der ihn auf vielen Spaziergängen begleitet.

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