Christian Kohlhausen und Benedict Decker aus Eschwege bei Extremsport-Event in Oberstdorf dabei

Bei minus zwölf Grad durch knietiefes Eiswasser gesprintet

Von Ring zu Ring: Kraft und Technik sind gefragt, um sich durch diesen Parcours zu hangeln. Erschwerend kommen die Kälte und die Anstrengung der vorigen Prüfungen hinzu.

Das Red-Bull-All-In ist einer der härtesten Events des Winters. Jedenfalls beschreibt der Veranstalter so den Hindernislauf an der Heini-Klopfer-Skiflugschanze in Oberstdorf. 500 Teilnehmer mussten auf einem 2,5 Kilometer langen Rundkurs 15 Hindernisse überwinden – unter Zeitdruck und bei eisiger Kälte. Zwei Sportler aus dem Werra-Meißner-Kreis waren dabei.

Von Nico Beck

Oberstdorf. Was einen Menschen dazu bewegt, bei minus zwölf Grad Außentemperatur 50 Meter durch knietiefes Wasser in einem Eisbach zu sprinten, diese Frage lässt sich Christian Kohlhausen (32) aus Eschwege gern gefallen. „Ich suche eben immer neue Herausforderungen“, sagt er. Eine solche erlebte er vor wenigen Tagen beim Red-Bull-All-In in Oberstdorf.

Kohlhausen startete gemeinsam mit Benedict Decker, ebenfalls aus der Kreisstadt, bei diesem Event, bei dem jeder Athlet an seine Grenzen stieß. Beide starteten gegen 498 weitere Teilnehmer und hatten insgesamt 15 Prüfungen zu bewältigen. Diese gab es sich auf einer Strecke von 2,5 Kilometern Länge und wären zum Teil auch bei hochsommerlichen Temperaturen nicht leicht zu absolvieren gewesen. Doch im Winter, bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, erreichten nur die Härtesten der Harten die Finalläufe.

Geschafft, aber glücklich: der Eschweger Christian Kohlhausen nach dem Halbfinale.

Die Teilnehmer mussten sich in unterschiedlichsten Disziplinen messen. Geschicklichkeits- und Kraft-Ausdauerübungen wechselten sich ab, ehe man das letzte Hindernis erreichte. 1,80 Meter hohe Hürden wurden überstiegen, ein Steilhang hinaufgelaufen, an einem Seil geklettert, 25-Kilo-Sandsäcke transportiert, es musste geklettert, gesprungen und am Ende 200 Meter die Skiflug-Schanze hinaufgelaufen werden. Zwischendurch gab es auch Übungen für den Kopf – farblich markierte Holzstöcke und -klötze mussten sich eingeprägt und im weiteren Verlauf an einem Hindernis angegeben werden, was für den weiteren Verlauf wichtig war.

„Wem die Oberkörpermuskeln versagten oder wer kein Gefühl mehr in den Händen hatte und deshalb an einem Hindernis scheiterte, der musste eine kleine Strafrunde laufen“, so Kohlhausen, der erzählt, dass auch er zwischendurch Probleme hatte, ehe er vor der letzten Hürde stand.

Dabei ging es darum, sich unter anderem in der Luft von Ring zu Ring zu hangeln. Und das nach all den Anstrengungen zuvor.

Benedict Decker kam nach 45 Minuten im Ziel an, hatte zuvor mit seinen eingefrorenen Händen zu kämpfen und verpasste deshalb eine bessere Zeit, die so nicht für einen Startplatz im Halbfinale reichte. Für dieses qualifizierte sich Kohlhausen, der nach 33 Minuten die Ziellinie überquerte. „Ich war echt froh, das geschafft zu haben. Auch wenn ich neue Kraft tanken musste und ohne Hilfe kaum in der Lage war, meine Schuhe auszuziehen“, sagt Kohlhausen, „es war schon echt heftig.“

In seinem Halbfinal-Durchgang wurde der komplette 2,5-Kilometer-Parcours wiederholt. Jedoch schafften es nur die besten drei der 30 Starter einer jeden Gruppe ins große Finale. Kohlhausen wurde Siebter. „Schade, dass ich knapp vorbeigeschrammt bin. Aber diesmal habe ich 32 Minuten gebraucht und mich im Vergleich zu meinem ersten Durchgang sogar um eine Minute gesteigert“, sagt er und zeigte sich trotz der enormen Anstrengung, der Kälte und der körperlichen Probleme überwältigt von der Veranstaltung: „Wird dieser Event im kommenden Jahr fortgesetzt, dann sind wir in jedem Fall wieder dabei.“ Kohlhausen spricht hier auch für Benedict Decker, der diese außergewöhnliche Herausforderung angenommen hatte, den Parcours meisterte und letztlich stolz auf sich und seine gezeigte Leistung sein konnte, auch wenn er knapp am Einzug ins Halbfinale vorbeigeschrammt war. Dass die beiden Athleten überhaupt dabei waren, das war bereits der erste große Erfolg. Dem Vernehmen nach seien die 500 Startplätze so begehrt gewesen, dass diese binnen kürzester Zeit vergriffen gewesen sein sollen. Trotz der Bedingungen. Oder gerade deswegen?

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