Boxerin aus Sontra vor dem größten Kampf ihrer Karriere

Interview mit Weltmeisterin Christina Hammer: „Ein Veilchen interessiert mich nicht“

Gibt im Ring immer alles: Die deutsche Boxerin Christina Hammer (rechts) ist fünffache Weltmeisterin und muss Samstag gegen die Amerikanerin Claressa Shields antreten. Auf dem Foto boxt Hammer gegen Tori Nelson. Foto: carlos osorio

Den größten Kampf ihrer Karriere bestreitet Boxweltmeisterin Christina Hammer aus Sontra in Atlantic City. Ihr Duell gegen Claressa Shields ist am Sonntag (3 Uhr) auf Dazn zu sehen

VON LEONIE FREYNHOFER

Sontra/Atlantic City – Sie ist die jüngste deutsche Boxweltmeisterin der Geschichte und hat eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Bei Christina Hammer stehen mit ihren 28 Jahren bereits 24 Siege bei Profikämpfen auf der Habenseite. Am Samstag könnte beim Super-Fight in den USA gegen Dreifach-Champion Claressa Shields noch einer dazu kommen (in der Nacht zu Sonntag, 3.10 Uhr auf Dazn). Wir haben mit Hammer über Druck, Motivation und das Modeln gesprochen.

Frau Hammer, gibt es für Sie eigentlich nur das Boxen oder haben Sie auch einen Plan B für´s Leben?

Den hab ich auf jeden Fall. Ich habe Sportwissenschaften studiert. Also, nicht alle Boxer sind dumm. Meine Eltern haben mich sozusagen dazu gezwungen. Als ich mit 20 Jahren Weltmeisterin geworden bin, habe ich geglaubt, dass ich nichts anderes brauche. Aber es war die beste Entscheidung, dass ich auf meine Eltern gehört und mein Studium zu Ende gemacht habe.

Werden Ihre Eltern auch beim großen Kampf in den USA dabei sein?

Meine Familie ist schon in Amerika und wird auch live beim Kampf dabei sein. Eigentlich haben sie sich fast jeden meiner Wettkämpfe angeschaut. Meine Familie gibt mir eine gewisse Sicherheit, denn egal wie der Kampf ausgeht, sie sind danach immer für mich da.

Sie haben bisher keinen Ihrer Profikämpfe verloren. Wie groß ist jetzt der Druck vor dem wichtigsten Kampf Ihrer Karriere?

Den Druck kann man sich nur selber machen. Eine Niederlage ist für mich keine Option. Ich habe Vollgas gegeben und mich bestmöglich auf den Kampf vorbereitet. Für diesen Moment habe ich so viele Jahre gekämpft. Im Ring bin ich eins gegen eins mit der Gegnerin. Wenn es drauf ankommt, bin ich immer da. Das ist meine Stärke.

Wie haben Sie sich genau auf den Kampf vorbereitet?

Ich war drei Wochen in Seefeld. Die Höhe in den Bergen ist optimal für mein Training, um viel Kondition und Sauerstoff zu tanken. In Dortmund, wo ich lebe, ist immer viel Hektik um mich herum und viel zu tun. Und in Seefeld konnte ich mich nur auf den Sport konzentrieren und war total abgeschottet.

Sie wurden dort auch von einem TV-Team begleitet. Hat Sie das nicht abgelenkt?

Nein, das war für mich nur eine Bestätigung, dass ich alles richtig gemacht habe. Wenn solche Anfragen nicht kommen, interessiert sich auch keiner für den Sport. Es ist umso schöner, wenn extra ein Team aus Amerika kommt, um mich vor dem Kampf zu zeigen. Genau so etwas braucht das Frauenboxen, damit der Sport wächst.

Gab es eine Zeit, in der Sie Ihre Karriere als Profiboxerin bereut haben?

Es gab immer Momente, in denen ich gedacht habe: Für was mache ich das eigentlich alles? Aber dann gucke ich mir andere Boxkämpfe an. So ein Motivationstief gehört aber dazu, das hat jeder Sportler. Ich habe so viele Jahre hart gearbeitet, bin mit 18 für das Boxen ausgezogen. Früher hätte ich nie gedacht, dass ich so weit komme. Vor allem weil Boxen immer noch ein Männersport ist.

Erreichen Sie auch mal die Grenze der persönlichen Belastbarkeit?

Boxsport ist eine der härtesten Sportarten. Da tut mir manchmal mal auch alles weh. Aber ich kann nicht einfach aufhören mit dem Training und muss mich oft selber quälen. Und Boxen ist nicht nur körperlich, ich muss auch mental trainieren. Mein Trainer ist da sehr wichtig. Er ist sehr erfahren, und wenn ein Training gut läuft, gibt mir das Kraft.

Wie sind Sie eigentlich zum Boxen gekommen?

Meine Familie ist sehr sportlich und Boxen war immer ein Thema bei uns. Ich habe früher schon mit meinem Vater die Klitschko-Kämpfe im Fernsehen geguckt. Er hat mir auch in unserem Keller die Basics beigebracht. Mein Onkel hat mich dann zum Boxen mit ins Fitnessstudio genommen.

Sie modeln nebenbei auch. Wie passt das zum Boxen?

Ich habe zwei Gesichter. Im Ring bin ich ein anderer Mensch. Total fokussiert. Da interessiert es mich nicht, wenn ich nach dem Kampf ein Veilchen habe. Sonst bin ich ein sehr ausgeglichener Mensch und mag meine feminine Seite. Das Modeln vor der Kamera ist mein Ding.

Wie lange wollen Sie den Boxsport noch so professionell betreiben?

Ich denke noch zwei oder drei Jahre. Irgendwann ist auch bei mir eine Grenze erreicht. Für Boxer über 30 dauert die Regeneration deutlich länger. Nach meiner Karriere will ich aber im Sport bleiben. Vielleicht in die Richtung Sportmanagement.

ZUR PERSON

Christina Hammer (28) ist eine deutsche Boxerin im Mittelgewicht und fünffache Weltmeisterin. Sie ist in Kasachstan geboren und kam kurz nach ihrer Geburt mit ihren Eltern nach Deutschland. Dort wuchs sie im nordhessischen Sontra auf, lebt und trainiert heute in Dortmund. Bereits mit 13 Jahren hat Hammer mit dem Boxsport begonnen. Die 28-Jährige hat Sportwissenschaften an der Universität in Hagen studiert. In ihrer Freizeit modelt Hammer und spielt gerne Basketball.

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