Duell gegen die Weltmeister: RVE Albungen richtet am 27. April den Weltcup aus

Die RVE-Spitze: Vorsitzender David Stübner (links) und Stellvertreter Florian Bangel. Foto: Nico Beck

Albungen. Dem Radfahrerverein Edelweiß ist ein Coup gelungen: Passend zum 90. Geburtstag haben die Verantwortlichen den Weltcup nach Albungen geholt. Das zweitbedeutendste Turnier im Radball wird am 27. April ausgetragen.

Wieso er das alles mache, diese Frage musste sich David Stübner, der Vorsitzende des RVE Albungen, in den vergangenen Wochen mehrfach gefallen lassen. „Aber das ist ja logisch“, sagt der 35-Jährige nüchtern, „in etwas mehr als 50 Tagen spielen wir vielleicht gegen einen mehrfachen Weltmeister.“ Mit „wir“ meint Stübner auch seinen Radball-Teamkollegen Florian Bangel. Und mit dem Duell gegen die Weltmeister ein Aufeinandertreffen mit den Österreichern Patrick Schnetzer und Markus Bröll, dem wohl beste Zweierradball-Team der Welt.

Zu diesem könnte es am 27. April kommen. Dann richtet der Albunger Verein den Weltcup aus, das zweitbedeutendste Turnier dieser Sportart. „Wir feiern den 90. Jahrestag unserer Gründung und haben die Chance genutzt, dieses internationale Turnier nach Albungen zu holen“, sagt Stübner, der von einer einmaligen Gelegenheit berichtet, die besten Radballspieler der Welt im Werra-Meißner-Kreis zu präsentieren. Er fährt fort: „Wir haben in den vergangenen 15 Jahren schon zwei nationale Großveranstaltungen ausgerichtet. Jetzt ist es international und wir haben nicht nur Deutsche Meister, sondern Weltmeister hier.“

Dass der RV Edelweiß einen solchen Event stemmt, das ist aber nicht der Grund, weshalb Stübner hin und wieder mal merkwürdige Blicke erntet. Vielmehr geht es um die Tatsache, dass er mit seinem Mannschaftskollegen Florian Bangel gegen diese Spitzensportler antreten wird. Stübner dazu: „Als Gastgeber darfst du eine eigene Mannschaft stellen. Florian und ich wollen diese Chance nutzen. Wir spielen in der Bezirksliga. Der Unterschied ist so, wie wenn ein Fußball-Kreisoberligist gegen Real Madrid spielt.“

Diese Herausforderung vor eigenem Publikum wollen die Albunger annehmen. Natürlich hätten sie keine Chance und deutliche Packungen seien bereits eingeplant. Dass sie aber trotz des Klassenunterschieds von fünf Ligen den Mut aufbringen, teilzunehmen, liegt vor allem an der einmaligen Chance, die Stübner darin sieht: „In unserer Halle gegen solche Teams zu spielen, das kann uns keiner nehmen. Und unser Ziel ist klar: ein Tor schießen.“

Die Vorbereitungen auf diesen Tag laufen auf Hochtouren. Nicht nur bei Stübner und Bangel, die zwei- bis dreimal pro Woche trainieren, sondern auch bei der Organisation. Tribünen sind besorgt, Plakate gedruckt und auch vieles Weitere ist bereits geregelt. „Es wird Livestreams geben, Monitore im Foyer und und und“, erzählt der RVE-Chef, der dem 27. April bereits entgegenfiebert. Auch wegen des möglichen Duells gegen die Weltmeister.

Radsport hat in Albungen Tradition

In den vergangenen 90 Jahren seit der Vereinsgründung hat sich beim RV Edelweiß Albungen viel bewegt. In erster Linie waren das die unzähligen Räder, die erst durch den Saal des Gasthauses Ruelberg fuhren, nach dem Bau der Sporthalle im Jahr 1983 dann über die Spielflächen der moderneren Spielstätte.

Ein Blick in die Geschichtsbücher des Vereins zeigt, dass die Albunger zu Recht stolz auf ihre Radballer und Kunstradfahrer sind. Das erste sportlich entscheidende Jahr des RVE war in 1961. Mit den zweiten Plätzen bei den Hessenmeisterschaften landeten die Radballspieler Helmut Meyer und Horst von der Weth bei den Senioren sowie die Talente Waldemar Bolender und Helmut Stüber (Junioren) großartige Erfolge.

Die beiden Youngster starteten dann auch bei den Deutschen Meisterschaften im bayrischen Hof. Dort wurden sie Fünfte. „Das war unsere erste Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften im Radball – ein hervorragendes Ergebnis“, sagt Gerd Gries, der vier Jahrzehnte Vorsitzender des Vereins war.

Bis dahin hatten die Kunstradfahrer schon einiges vorzuweisen. Rudi Heine/Walter Meyer nahmen 1950 an den Deutschen Meisterschaften teil. Das gelang Lothar Engel drei Jahre später auch, nach dem er Dritter im Einer-Kunstradfahren bei den „Hessischen“ wurde. In dieser Zeit schwang sich der RVE zur Radsport-Hochburg auf.

Die Bedingungen wurden mit den Jahren besser, die Liebe zum Radsport blieb aber gleich. Und so wurde die Titelsammlung stetig erweitert, wenngleich erst 1995 das nächste richtig große Highlight folgte.

Kunstradfahrerin Kathrin Oppermann qualifizierte sich für die Hessenmeisterschaften und wurde Fünfte. Das war der größte Kunstrad-Erfolg seit Jahrzehnten. Dieser wurde im Jahr 2012 von Lisa Triller wiederholt.

Im Radball begann Mitte der 90er-Jahre die Zeit der Heine-Zwillinge. 1997 erzielten sie die bis heute beste Leistung: Bei den Deutschen Meisterschaften in Denzlingen bei Freiburg feierten die damaligen B-Schüler den Gewinn der Bronzemedaille. Gries: „Da hat Albungen nach über 30 Jahren wieder bundesweit für Schlagzeilen im Radball gesorgt.“ 2009 erreichten auch Johannes Becker und Julian Evers die „Deutschen“ bei der U13-Klasse. Heute ist es wieder etwas ruhiger. Bis Ende April.

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