„Nicht eine Stunde Langeweile“

Ein Jahr nach dem Aus: Ex-Kreisfußballwart Horst Schott über sein neues Leben

Horst Schott
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Vergangene Tage: Unser Archivfoto zeigt Horst Schott, als er noch als Kreisfußballwart aktiv war.

Auf die Frage, ob er es bereue, sein Amt als Kreisfußballwart niederzulegen, muss Horst Schott nicht lange überlegen.

Eschwege ‒ „Nein, definitiv nicht. Die Entscheidung war lange überlegt“, sagt der 74-Jährige entschlossen. Ein Jahr ist es nun her, dass der Fußball nicht mehr jeden Tag von Schott in Beschlag nimmt. Im Gespräch erzählt er nun, wie es ihm in den vergangen zwölf Monaten erging – und welche Rolle der Fußball trotzdem noch in seinem Leben spielt.

„Unser Kreisfußballtag im März 2020 war der letzte, der in Hessen noch ausgetragen wurde. Danach kam Corona“, erinnert sich Schott. Das machte es ihm möglich, sein Amt am 7. März vergangenen Jahres abzugeben, für eine Wiederwahl war der 74-Jährige nicht verfügbar. „Andere Kollegen hatten nicht so viel Glück. Die mussten ihr Amt noch übergangsweise fortführen, bis dann im Sommer und Herbst wieder Sitzungen möglich waren“, fügt er hinzu.

Zufrieden mit Franke

Schott übergab sein Amt an Holger Franke, mit dessen Arbeit er sehr zufrieden ist. „Er macht einen super Job, weswegen ich mich nach der Übergabe zufrieden zurücklehnen konnte“, sagt Schott. Und gibt auch gleichzeitig zu verstehen, dass ihm diese Tatsache dabei geholfen hat, Abstand vom Posten des Kreisfußballwarts zu nehmen. „Wenn man etwas über 30 Jahre lang macht, dann möchte man nicht, dass die eigene Arbeit zunichtegemacht wird. Aber da musste ich mir nie Gedanken machen.“

Trotz allen Lobes hätte Schott seinem Nachfolger einen anderen Einstieg gewünscht. „Schöner wäre es gewesen, hätte er unter normalen Bedingungen angefangen. Alle Konferenzen fanden nur noch digital statt, es gab viele technische Probleme. Das war sicher nicht einfach“, erklärt Schott. Dazu seien die vielen Online-Meetings auch für ihn Neuland gewesen, bei dem Schott seinem Nachfolger nicht helfen konnte.

Auch wenn durch Corona sowieso kaum Fußball stattfinden konnte – leicht war es für Schott nicht, in seinen neuen Alltag hereinzufinden: „Die anfängliche Umgewöhnung war etwas problematisch. Ich bin ja nicht nur von 100 auf 0 gegangen, sondern eigentlich auf minus 100.“

Stark eingeschränkt

Damit spricht der 74-Jährige die Corona-Pandemie mit ihren Folgen an. Durch den Lockdown wurde er nämlich stark eingeschränkt: „In meiner Freizeit spiele ich gerne Tennis und gehe in die Sauna, dazu fahre ich regelmäßig mit dem Fahrrad. Aber bis auf das Radfahren konnte ich meinen Beschäftigungen nicht mehr nachgehen.“

Langweilig wurde dem Ex-Kreisfußballwart Zuhause trotzdem nicht, wie er offenbart: „Ich hatte seit meinem Ausstieg nicht eine Stunde Langeweile. Ich sitze jeden Tag noch ein bis zwei Stunden in meinem Büro, beschäftige mich mit Fußball.“ Dazu kämen noch Aufgaben im Haus und im Garten, für die vorher keine Zeit war. Außerdem fügt Schott mit einem Lachen hinzu: „Meistens findet meine Frau auch noch immer etwas, was zu tun ist.“

Ehefrau glücklich

Auf seine Ehefrau angesprochen, gibt Schott zu: „Es gibt wohl keinen Menschen, der meine ehrenamtliche Tätigkeit weniger vermisst als sie.“ Dafür bringt der 74-Jährige aber Verständnis mit. Sein normaler Tagesablauf begann in der Regel um siebe n Uhr in der früh mit Fußball und endete teilweise erst um zwölf Uhr in der Nacht. „Es kam immer mal wieder vor, dass noch jemand spät angerufen hat und eine Frage an mich hatte“, sagt Schott.

Mit etwas Abstand zu seiner früheren Tätigkeit als Kreisfußballwart gibt er auch selbst zu, dass er erst jetzt gemerkt habe, wie sehr seine Ehefrau in den 40 Jahren seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten leiden musste. „Aber sie hat mich immer unterstützt und sehr viel geholfen. Sonst wäre das alles gar nicht möglich gewesen“, gibt Schott zu.

Mittlerweile genieße er es daher auch, mehr Zeit für Spaziergänge und das Walken mit seiner Frau zu haben. Das sei „das einzig positive Merkmal“ an der aktuellen Zeit mit Corona.

Für die Zukunft hofft Schott, dass ab August in ganz Deutschland wieder Fußball gespielt werden kann. Er könne jeden Fußballer verstehen, der darauf drängt, wieder auf den Platz zu dürfen. Und er verrät, dass ein Urlaub auch schon in Planung sei. „Das war in der Fußball-Saison unmöglich“, erklärt Schott. (Kevin Hildebrand)

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