Gesundheit geht vor

Keine zwei Meinungen - Das sagen die Kreisoberliga-Teams zum Saisonabbruch

Voller Einsatz dann wieder in der kommenden Saison: Jan Kirschner (links) und René Rüppel vom SC Niederhone im Kreisoberliga-Spiel gegen die SG Sontra.
+
Voller Einsatz dann wieder in der kommenden Saison: Jan Kirschner (links) und René Rüppel vom SC Niederhone im Kreisoberliga-Spiel gegen die SG Sontra.

Die Fußball-Saison 20/21 wird vom Hessischen Fußball-Verband annulliert. Das sagen die Teams aus der Kreisoberliga zum Abbruch.

Eschwege – Es war aufgrund der Coronaviruspandemie eine Premiere in der Fußball-Kreisoberliga Werra-Meißner, denn mit dem Beginn der Saison 20/21 wurden die Mannschaften in zwei Vorrundengruppen eingeteilt, in denen zunächst die Teilnehmer der Auf- und Abstiegsrunde ermittelt werden sollten.

Zehn der 15 Teams hätten noch die Chance gehabt, in die Meisterrunde einzuziehen. Letztlich zwang das Infektionsgeschehen aber auch diese Innovation in die Knie, die Saison wurde vom Hessischen Fußball-Verband abgebrochen und wird annulliert. Wir haben die Vereine nach ihrer Meinung dazu befragt:

Christoph Hoffmann, VfL Wanfried: „Die Entscheidung, so nachvollziehbar sie ist, trifft uns wie bereits in der letzten Saison hart. Sportlich sind das für uns zwei verlorene Jahre, die umso bitterer sind, wenn wir uns unsere Tabellensituation in der letzten und in dieser Saison anschauen. Nach einem Jahr Pandemie hätten wir uns eher eine langfristige, saisonübergreifende Strategie gewünscht. Jetzt müssen wir das Ergebnis akzeptieren und in die Zukunft blicken.“

Andreas Hartmann, SG Herleshausen/Nesselröden/Ulfegrund: „Der Abbruch der Serie ist die logische Konsequenz der seit Monaten herrschenden Situation rund um die Pandemie. Es gibt auch keine andere Lösung, zudem ist sie die sportlich fairste, da nicht einmal die Hälfte aller Spiele ausgetragen wurde. Für die kommende Saison hoffe ich, dass sich die allgemeine Lage entspannt und wir wieder einem geregelten Trainings- und Spielbetrieb nachgehen können, in welchem Modus auch immer. Ein wenig Normalität, und das in Verbindung mit unserem Hobby, das dürfte der Wunsch aller Fußballer sein.“

Thilo Bick, SC Niederhone: „Aus gesundheitlicher Sicht ist es für alle Beteiligten die sinnvollste Entscheidung, das steht außer Frage. Aus sportlicher Sicht nehmen wir es, wie es nun kommt. Auch wenn wir uns eine gute Position für die Restsaison erarbeitet hatten, ist es für uns nicht schlimm, nächstes Jahr wieder in der Kreisoberliga zu spielen. Schlimmer ist, dass die jungen Spieler endlich wieder kicken wollen, um sich weiterzuentwickeln und auch um das Gemeinschaftsgefühl Fußball endlich wieder spüren zu dürfen. So hoffen wir, dass die nächste Saison dann endlich wieder im gewohnten Rahmen stattfinden kann und werden uns darauf rechtzeitig vorbereiten.“

Lukas Harbich, SG Frieda/Schwebda/Aue: „Es sind zwei unterschiedliche Entscheidungen. Aus gesundheitlicher Sicht ist der Abbruch die einzige richtige Möglichkeit, um die Gesundheit aller zu schützen. Sportlich ist es eine traurige Entscheidung, denn die Wahrheit liegt nun einmal auf dem Platz. Es tut mir leid für die Mannschaften, die auf Aufstiegskurs waren, dass sie ihre Ziele auf diesem Weg aufgeben müssen. Wer nicht so gut gestartet war und gegen den Abstieg kämpft, hat vielleicht ein wenig Glück gehabt. Aber insgesamt fiebern wir alle dem Tag entgegen, wo wir wieder vor Zuschauern gegeneinander spielen dürfen, denn das ist ja auch das, was uns antreibt. Bis dahin müssen wir allerdings noch ein paar schwere Tage überstehen.

Wolfgang Stöcklein, SG Sontra: „Wenn man die Entwicklung der Infektionszahlen in den letzten Wochen sieht, ist der Abbruch alternativlos. Die Gesundheit steht über allem. Sportlich gesehen ist ein Abbruch immer das Schlimmste, was passieren kann, denn alle wollen im Wettbewerb bleiben und sich mit dem Gegner messen – unabhängig von der Tabellensituation. Für die neue Saison muss man jetzt abwarten, was seitens des Verbandes geplant wird. Da bei uns ein Trainerwechsel stattfindet (Thomas Hesse kommt, Uwe Stückrath geht; Anm. d. Red.), wäre die Möglichkeit eines frühen Trainingsbeginns sicherlich kein Nachteil für das kommende Jahr.“

Henrik Stöber, TSV Waldkappel: „Die Entscheidung ist zu 100 Prozent richtig. Selbst bei sinkenden Zahlen hätten wir frühestens am 15. Mai wieder starten können und das wäre vom Zeitfenster zu knapp geworden. Eine Wertung aufgrund der bisherigen Ergebnisse wäre aus meiner Sich auch nicht richtig gewesen. Wir hatten dem Spielmodell der Kreisoberliga zugestimmt, um den besonderen Rahmenbedingungen gerecht werden zu können. Uns war klar, dass wir aller Voraussicht nach in der Abstiegsrunde landen würden, wo wir dann auf gleichstarke Gegner getroffen wären. Das wäre bei einer Wertung jetzt hinfällig gewesen und sportlich unfair. Als Gewinner fühlen wir uns trotz Klassenerhalt nicht, dafür haben wir zu schlecht gespielt. Das einzig Gute ist, dass wir jetzt Planungssicherheit haben und anfangen können, uns Gedanken für die kommende Saison zu machen, die dann hoffentlich wieder auf dem grünen Rasen entschieden wird.

Matthias Achtner, SG Wehretal: „Mit einem Abbruch war zu rechnen und das ist auch richtig so. Aus sportlicher Sicht sicherlich nicht die beste Lösung, aber wie im Vorjahr eine verkürzte Saison zu werten, hätte auch einen Beigeschmack gehabt. Fakt ist, dass wir unter den jetzigen Bedingungen keinen Fußballsport ausüben können. Ob wir in der Kreisoberliga im gleichen Modell an den Start gehen werden, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich finde ich das sehr interessant, allerdings müsste im Falle eines Falles über die Gruppeneinteilung noch einmal gesprochen werden.

Sven Schellhase, TSV Wichmannshausen: „Mir wäre es lieber gewesen, die Entscheidung wäre noch einmal um ein paar Wochen vertagt worden. Auch wenn es nicht sehr wahrscheinlich ist, wäre vielleicht dann die Ausgangslage eine andere gewesen und man hätte zumindest noch die Hinrunde zu Ende spielen können, um eine sportliche Wertung der Saison zu haben. Aber es ist nun mal, wie es ist. Wir alle müssen damit leben und die richtigen Schlüsse für die Zukunft ableiten. Der Verlierer der Pandemie ist der Fußball in seiner Gesamtheit.

Sven Zuber, SG Abterode/Eltmannshausen: „Der Abbruch ist richtig, auch wenn wir ihn aus sportlicher Sicht mit einem weinenden Auge sehen. Die erste Mannschaft hatte noch Chancen, sich für die Meisterrunde zu qualifizieren und die Zweite hätte auch den Aufstieg in die B-Liga schaffen können. Aber all das ist bedeutungslos neben der Wichtigkeit der Gesundheit. Wir verschieben unsere Ziele um ein Jahr, hoffen, dass alle gesund bleiben und die Entscheidungen dann wieder auf dem Platz fallen.

(Stefan Konklowsky)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare