Erfolg in der Slowakei mit dem Nationalteam

Golf: Eschwege hat in Stefan Sachs einen Europameister

Beim Lesen des Grüns: Stefan Sachs nimmt den geplanten Weg des Balles genau ins Visier.
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Beim Lesen des Grüns: Stefan Sachs nimmt den geplanten Weg des Balles genau ins Visier.

Er hat es wieder getan: Der Eschweger Stefan Sachs hat mit der deutschen Golfnationalmannschaft nach 2018 im slowakischen Sedin erneut den Europameistertitel in der AK 50 geholt.

Eschwege – Er hat sich belohnt, die harte und dauerhafte Arbeit im Training, sowohl beim filigranen Feilen am Schlagrepertoire auf dem Golfplatz oder bei den intensiven Anstrengungen im Studio, wo er sich die nötige körperliche Fitness verschafft hat, waren Basis für den großen Erfolg von Stefan Sachs.

Er gewann nach 2018 mit der deutschen Golfnationalmannschaft im slowakischen Sedin erneut den Europameistertitel der AK 50, was im Klartext heißt: Eschwege ist die Heimatstadt eines Europameisters.

Nach den drei Qualifikationsturnieren, das entscheidende forderte den Eschweger Facharzt in der zweiten Augustwoche, damals bereits im Austragungsort der EM, rangierte Stefan Sachs mit 1030 Punkten hinter Martin Birkholz (1170) auf Platz zwei der Setzliste und damit deutlich vor den vier weiteren Teamkollegen, die in Sedin zum deutschen Sextett von Captain Thomas Hübner gehörten.

Mit dem Auto zur Europameisterschaft nach Sedin

Das Abenteuer Europameisterschaft konnte beginnen: „Ich bin mit Martin Birkholz im Auto nach Sedin gefahren. Der für den GSV Düsseldorf aktive Golfer hat mich in Eschwege abgeholt und wir mussten viele Utensilien von unseren vier Mannschaftskollegen mit in die Slowakei transportieren“, erklärt der 56-Jährige, dass diese mit dem Flieger anreisten und Probleme mit der Gepäckmenge hatten.

Nach acht Stunden war das Duo am Ziel, der Anreisetag konnte zwar in gemütlicher Runde ausklingen, „aber uns war schon klar, dass es sich um die Ruhe vor dem Sturm handelte, ganz ohne Spannung geht das nicht ab, auch ein bisschen Nervosität machte sich fraglos breit“, sagt Stefan Sachs beim WR-Gespräch mit einem Schmunzeln und geht sofort auf die Einspielrunde am nächsten Morgen ein: „Obwohl wir erst vor wenigen Tagen hier die Quali gespielt haben, diente sie dem so wichtigen Kennenlernen des Platzes, der sich diesmal in einem ganz anderen Zustand befand.“

Schnelles Grün und heftiger Wind

Wörtlich: „Die Grüns waren viel schneller und der heftige Wind beeinträchtigte die Bedingungen total. Und als es am nächsten Tag ernst wurde, kam auch noch Regen erschwerend hinzu“, blickt der Eschweger auf die ersten beiden Wettkampftage, an denen die Klassifizierung ermittelt wird.

Jeder der sechs Golfer der teilnehmenden 23 Länder muss den Platz spielen, am Ende kommen die besten fünf Ergebnisse in die Wertung, das schlechteste Resultat wird gestrichen: „Unser Bestreben war es natürlich mindestens Platz acht zu erreichen, um dann im Viertelfinale über den direkten Vergleich in die Vorschlussrunde einzuziehen“, erklärt Stefan Sachs, dass die deutsche Mannschaft am ersten Wettkampftag mit Rang zehn weit entfernt von diesem Ziel war.

„Schon beim Abendessen war die Anspannung spürbar, auch unser Captain Thomas Hübner war auf den zweiten Qualifikationstag fokussiert, hat uns eingeschworen und intensiv unsere Stärken angesprochen. Und wir, ja, wir haben bei voller Konzentration ein Feuerwerk auf dem Platz entfacht und durften Platz vier mit ins Clubhaus nehmen“, schwärmt Stefan Sachs und sagt: „Nun konnte der Wettkampf so richtig beginnen.“

Ein absoluter Golf-Krimi im Viertelfinale

Wenn auch bei einer EM alle Plätze ausgespielt werden, so zählt doch letztlich nur das Weiterkommen, nur der Weg in Richtung Finale, der über die sogenannten Lochwettspiele führt. Ein Doppel und vier Einzel werden gespielt, was bedeutet, dass drei von fünf ausgespielten Punkten den Sieg bescheren, um weiter auf Medaillenkurs zu bleiben.

Im Viertelfinale gegen Spanien (Platz fünf nach der Vorrunde) sah es trotz der Siege von Schiefer und Birkholz lange nach einer Niederlage aus, doch dann drehte der Nauheimer Marc vom Hagen auf den letzten fünf Löchern auf und sicherte den 3,5 zu 1,5-Sieg.

Die deutschen Golf-Europameister: (von links) Thomas Himmel (Feldafing), Martin Birkholz (Düsseldorf), Stefan Sachs, Marc vom Hagen (Bad Nauheim), Captain Thomas Hübner (Tegernsee), Ekkehard Schieffer (Bochum) und Ulrich Schulte (Bochum).

Im Halbfinale wartete der Topfavorit England als klarer Sieger der Qualifikation. Doch den Deutschen gelang auch mit dem Punkt von Stefan Sachs im Doppel mit Thomas Himmel und erneut Marc vom Hagen im Einzel der unerwartet deutliche 4:1-Sieg.

Neuling Marc vom Hagen dreht das Spiel

„Das Endspiel gegen Frankreich, Überraschungssieger gegen den zweiten Favoriten Irland, verlief ganz eng. Die Franzosen stellten immer ein starkes Team, aber bei einer EM haben sie noch nie das Finale erreicht. Bereits frühzeitig deutete sich an, dass wiederum Birkholz und Schiefer als Sieger den Platz verlassen werden, da ich aber mit meinem Partner Thomas Himmel das Doppel abgeben und auch Ulrich Schulte eine Niederlage quittieren musste, kam es wieder auf unseren Neuling Marc vom Hagen an, der erneut das Spiel drehte und uns mit dem 3:2 zum umjubelten Europameister-Titel führte.“

Interessant bleibt die Erkenntnis beim Blick zurück ins Jahr 2018, dass beim damaligen EM-Titel, die gleichen Gegner in den K.-o.--Runden aus dem Weg geräumt wurden. Nur die Reihenfolge hat sich geändert, Endspielgegner Frankreich wurde im Viertelfinale eliminiert, im Semifinale war es auch England und im Endspiel dann Spanien.

Der Eschweger Stefan Sachs kann sich erneut Golf-Europameister nennen.

Für Stefan Sachs hat sich nun zum zweiten Mal ein Traum erfüllt, der ihn allerdings mit gemischten Gefühlen begleitet hat: „Gegen Spanien sah es nach einer Niederlage aus, wir dachten bereits an die Spiele um Platz fünf. Als aber unser Captain die Nachricht vom Sieg überbrachte, war das emotional der tollste Moment des gesamten Turniers für mich. Und die Engländer haben wir am Abend vor dem Halbfinale beim Rundgang in Bratislava getroffen und ihnen jede Menge Bier gegönnt“, macht Stefan Sachs deutlich, dass ansonsten zum Flanieren keine Zeit blieb, „wir standen sportlich permanent unter Strom, oft gar bis zur Dunkelheit“, spannt der Eschweger den Bogen zur Siegerehrung.

Feier in kleinem Kreis

„Da die Spieler vieler Nationen gleich nach der Zeremonie zum Flieger sind, haben wir nach der Medaillenübergabe und der Nationalhymne im Kreise unseres Teams ein wenig gefeiert, bei Weitem nicht so ausgelassen wie 2018, was wir aber im April nächsten Jahres beim Verbandstag im Raum Frankfurt nachholen werden“, hat Sachs noch eine einmalige Geste in Sachen Teamgeist hervorgehoben: „Als wir am zweiten Vorrundentag um den Einzug unter die letzten Acht bangen mussten, haben wir uns gegenseitig unterstützt und angefeuert und sogar als Caddie betätigt.“

Zurück in der Heimat wächst beim Eschweger Facharzt natürlich das Hochgefühl: „Gespannt bin ich auch auf den Moment, wenn ich in die Atmosphäre meiner Teamkollegen beim Golfclub in Wilhelmshöhe eintauche.“ (Harald Triller)

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