FUSSBALL-VEREINSVERTRETERSITZUNG Wegen Corona: Reformen in den Kreisligen beschlossen

Das klassische Spielsystem hat (vorerst) ausgedient

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Appellierte an die Vereine: Kreisfußballwart Holger Franke.

In einer vierstündigen Mammut-Sitzung sind am Wochenende die Weichen für die Saison 2020/21 im Fußballkreis Werra-Meißner gestellt worden. Fans des Kreisfußballs müssen sich auf viele Änderungen einstellen.

VON NICO BECK

Mit viel Pathos hat Kreisfußballwart Holger Franke die wohl wegweisendste Fußballsitzung der jüngeren Vergangenheit eingeläutet: „Außergewöhnliche Zeiten erfordern auch außergewöhnliche Maßnahmen.“ Und davon gab es viele. Zahlreiche Änderungen der Spielsysteme in den einzelnen Klassen wurden beschlossen, sodass der Fußballchef der Region am Ende stolz bilanzierte: „Wir haben heute Grundlegendes entschieden. Ihr habt Mut gehabt, neue Wege zu gehen. Ich bin rundum begeistert, wie es abgelaufen ist. Vielen Dank an alle!“

Die Ausgangslage

Der Saisonstart in allen Klassen wurde Corona-bedingt auf den 5./6. September datiert. „Normalerweise wären da zum Teil schon sechs Spieltage absolviert“, erklärte Harry Niebeling vom Kreisfußballausschuss das große zeitliche Problem des klassischen Spielsystems mit Hin- und Rückrunde. Ehrenkreisfußballwart Horst Schott ergänzte auf Wunsch seines Nachfolgers Franke: „Ab Mitte September kann abends nur noch unter Flutlicht gespielt werden – und diese Möglichkeiten haben nicht alle. Zudem fallen erfahrungsgemäß Mitte, Ende Oktober schon Spiele wegen des Wetters aus. Wie soll man da mit Hin- und Rückspiel noch eine Saison erfolgreich zu Ende spielen? Je mehr Spiele wir haben, desto größer ist die Gefahr, die Saison nicht beenden zu können.“ Ein weiteres Problem dieses engen Spielplans wäre die hohe Belastung für Spieler, die geringen Chancen auf Verlegungen, ein spätes Saisonende Mitte Juni und ein hohes Risiko durch Spielausfälle. Relegationsspiele wären unmöglich. Franke: „Deshalb haben wir es als Pflicht angesehen, Alternativen anzubieten.“

Alternative Spielsysteme

Für die zahlenmäßig stärksten Klassen wurden Auf- und Abstiegsrunden ähnlich Playoffs/Playdowns vorgeschlagen. Die bisherigen Ligen werden in zwei Gruppen geteilt, alle Teams spielen zwischen September und März zweimal gegeneinander. Die besten drei jeder Gruppe qualifizieren sich für die Meisterrunde und läuten den zweiten Saisonabschnitt ein. Zwischen April und Juni spielen diese sechs den Meister in Hin- und Rückspiel aus. Die Punkte aus der Quali-Runde werden nicht in diese Meisterrunde mitgenommen.

Die übrigen neun Teams spielen im selben Zeitraum in der Abstiegsrunde – jedoch lediglich in einer Einfachrunde ohne Hin- und Rückspiel.

Für die Einteilung der beiden Gruppen wurden drei Varianten zur Abstimmung gestellt: Einteilung nach Setzliste auf Basis der Vorjahrestabelle (Gr. 1: Plätze 2, 4, 6,...; Gr. 2: 3, 5, 7,...); Region (geografische Einteilung); Losentscheid (Zufallsprinzip). Die Vor- und Nachteilen der Varianten wurden ausgiebig erläutert und diskutiert. Franke: „Wir wollen die Anzahl der Spiele reduzieren, aber trotzdem attraktiv bleiben.“

Vorab war klar: Die Beschlüsse gelten vorerst nur für die Saison 2020/21.

Kreisoberliga

Beschlossen: Alternatives Spielmodell mit Auf- und Abstiegsrunde nach regionaler Einteilung.

Nach fast exakt zwei Stunden Sitzungsdauer folgte die erste Abstimmung mit historischem Ergebnis: Bei nur einer Gegenstimme entschieden sich die Kreisoberliga-Vereine für das neue Spielsystem. Mit 9:4 wurde im weiteren Verlauf die Einteilung nach Regionen beschlossen, vor der Wahl durch das Los. Keine Stimme für die Setzliste, zwei Enthaltungen.

Kreisliga A

Da nur 13 Mannschaften gemeldet sind, bleibt in der A-Liga alles wie gehabt: klassisches Spielsystem mit Hin- und Rückspiel.

Kreisliga B

Beschlossen: Alternatives Spielmodell mit Auf- und Abstiegsrunde nach regionaler Einteilung.

Für die B-Liga wurden die gleichen Pläne vorgestellt wie für die Kreisoberliga. Einstimmig wurde sich für die Alternative ausgesprochen, bei nur einer Stimme für das Los im nächsten Schritt ebenfalls klar für die geografische Einteilung.

Kreisliga C

Beschluss: Einfachrunde; nur eine Gruppe.

Das einzige enge Abstimmungsergebnis (10:6). Hier stellte sich die Situation, dass bislang in zwei Gruppen (C1+C2) gespielt wurde, diese nun aber nur acht und elf Teams aufgewiesen hätten. „Ein solches Ungleichgewicht geht nicht“, war schnell klar. Da kein Club bereit war, freiwillig die Klasse zu wechseln, wurde sich für eine Einfachrunde entschieden. Somit spielen die 19 Vereine „Jeder gegen jeden“.

Neue Kreisliga-Einteilung

Kreisoberliga Gr. 1 (8 Teams): HNU, Sontra, Wichmannshausen, Wehretal, Wanfried, FSA, Niederhone, Waldkappel. - Gr. 2 (7): Meißner, Werratal, Witzenhausen, Großalmerode, TSG Fürstenhagen, BSA, Abterode/Eltmannshausen.

Kreisliga A (13 Mannschaften, „klassisches System“ mit Hin- und Rückspiel).

Kreisliga B Gr. 1 (8): HNU II, Sontra II, FC Eschwege, Wehretal II, Wanfried II, FSA II, Niederhone II, Waldkappel II. - Gr. 2 (8): Meißner II, Hörne, Witzenhausen II, Roßbach, RW Fürstenhagen, BSA II, Hopfelde/Hollstein, SV 07 Eschwege.

Kreisliga C (einmal „Jeder gegen jeden“).

KOMMENTAR

Von Nico Beck 

(Ressortleiter Lokalsport)

Zweifelsfrei wird es eine ungewohnte Situation, wenn in den Kreisligen Playoffs ausgetragen werden. Aber in Zeiten von Abstandsregeln, Maskenpflicht und übermäßigem Desinfektionsmittelkonsum wird der Fan auch das akzeptieren können. Zumal es in dieser Hinsicht auch keine andere vernünftige Option gab.
Gewundert habe ich mich dann aber über die bevorzugte Variante, nach der die Kreisliga-Gruppen eingeteilt werden. Beispiel Kreisoberliga: Die besten fünf Teams der Vorsaison duellieren sich in Gruppe 1, nur drei werden um den Titel mitspielen. Dafür aus Gruppe 2 aber drei Teams, die in der abgelaufenen Saison allesamt schwach waren und sich höchstens im Mittelfeld eingependelt hatten. Ein sportliches Gleichgewicht wurde bei dieser Entscheidung zugunsten kurzer Wege und noch mehr Derbys geopfert.
nic@werra-rundschau.de

POKALGESCHEHEN: Endspiel des AKE-Cups am 29. August in Waldkappel

Ausgiebig wurde auch über das Geschehen im Fußball-Kreispokal diskutiert. Der neue Pokalspielleiter Harry Niebeling, der von Reiner Eichholz übernommen hat, stellte zu Beginn seiner Ausführungen die Frage, ob überhaupt Interesse am Pokalgeschehen für erste Mannschaften besteht und die Spiele auch in der neuen Spielzeit ausgetragen werden sollen. Von den rund 40 Vereinen stimmten drei dagegen, die klare Mehrheit sprach sich für den Kreispokal aus. Für diesen zählte Niebeling dann 22 Meldungen, „aber Meldungen sind jetzt auch noch möglich“. Der Pokalspielleiter wird die erste Runde des AKE-Cups „an einem Freitag im September“ ansetzen, an dem dann die Spiele ausgetragen werden sollen. Die Auslosung sowie alle weiteren Planungen und Gespräche über den Pokal werden traditionell bei der Besprechung der Spielpläne erfolgen, die in gut zwei Wochen stattfinden wird. Zuvor muss jedoch der Pokal der vergangenen Saison zu Ende gespielt werden. Da kommt es ab 15. August zu den Halbfinals, ehe sich am 29. August die beiden Endspielteilnehmer gegenüberstehen. Austragungsort des Finals wird die Uhlenfängerarena in Waldkappel sein. Dem Vernehmen nach werde der ausrichtende TSV Waldkappel ein Sicherheit- und Hygienekonzept ausarbeiten, durch das die 250-Zuschauer-Grenze angehoben werden könnte. Das Besondere an den letzten beiden Runden des Kreispokals 2019/20: Alle Neuzugänge könnten bei Einhaltung aller formellen Abläufe bereits spielberechtigt sein. Auch dies fällt unter Holger Frankes Aussage: „Außergewöhnliche Zeiten erfordern auch außergewöhnliche Maßnahmen.“ Sollten sich also die beiden Verbandsligisten Lichtenau und Weidenhausen in ihren Duellen gegen die Kreisoberligisten durchsetzen, könnte in Waldkappel noch vor dem ersten Ligaspiel überhaupt das ganz große Highlight der Region winken: das Traumfinale zwischen dem verstärkten Emporkömmling Lichtenau und der letztjährigen, klaren Nummer eins des Kreises aus Weidenhausen. Der Pokal für zweite Mannschaften wird in dieser Saison ausgesetzt.

Neue Anstoßzeiten
Finden an einem Tag zwei Spiele auf demselben Platz statt, lagen zwischen Abpfiff der ersten und Anpfiff der zweiten Partie bislang 15 Minuten. „Coronabedingt liegt dieser Puffer laut Verband nun mindestens bei einer halben Stunde“, sagte Holger Franke und ließ über weitere Pausenzeiten abstimmen. Mit 16:13 Stimmen wurde sich für eine 45-minütige Pause entschieden. Bei Anstoß des zweiten Spiels um 15 Uhr startet das erste künftig schon um 12.30 Uhr.

Relegation in jeder Liga 

Ohne jede Gegenstimme haben die Vereinsvertreter entschieden, dass am Ende der Saison 2020/21 Relegationsspiele ausgetragen werden. Diese Entscheidungsspiele sind nur möglich geworden durch die alternativen Spielmodelle – beim klassischen Modell wären aus Zeitgründen keine Relegationsspiele erlaubt gewesen. Besondere Situation in der B-Liga: Der Dritte relegiert, die ersten beiden steigen direkt auf. 

Spielerpass-Pilotprojekt Der ohnehin für nächste Saison verpflichtende digitale Spielerpass wird bereits ab dieser Spielzeit in der Region getestet. Dafür entschieden sich die Vereinsvertreter. Dies habe laut Administrator Kai-Uwe Weber viele Vorteile wie eine einfache Eingabe, den Verzicht auf eine Passmappe und man müsse Pässe nicht mehr suchen.

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