Keine eigene A-Jugend-Kreisliga in der Region

Interview zur Situation im heimischen Jugendfußball: „Ganz düstere Aussichten“

Sorgt sich seit Jahren um die Zukunft des Jugendfußballs im Werra-Meißner-Kreis: Erwin Schellhase vom Kreisfußballausschuss.
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Sorgt sich seit Jahren um die Zukunft des Jugendfußballs im Werra-Meißner-Kreis: Erwin Schellhase vom Kreisfußballausschuss.

Einen Monat früher als geplant sind die heimischen Fußballer aufgrund der Coronakrise in die Winterpause geschickt worden. Wir ziehen eine Bilanz des bisherigen Saisonverlaufs. Heute: die Jugendspielklassen.

Wir haben mit Erwin Schellhase, dem stellvertretenden Jugendwart des Kreisfußballausschusses, über die Entwicklung des Jugendfußballs im Werra-Meißner-Kreis gesprochen. Dabei ging es um die A-Jugend, die langfristige Entwicklung im Seniorenbereich sowie die Auswirkungen der Coronapandemie auf den Spielbetrieb.

Erwin, schon vor Jahren hast du mahnend den Finger gehoben beim Blick auf den Spieletrieb. Nun gab es keine eigene A-Jugend-Kreisliga mehr in der Region. Wie kam es dazu?

Es gab nur noch sechs A-Jugendmannschaften in der Kreisliga und die Bereitschaft zu Dreierrunden war nicht gegeben. Diese Variante ist auch keine Option für leistungsorientierenden Fußball. Mich ärgert, dass viele ältere A-Jugendspieler frühzeitig für den Seniorenbereich abgegriffen werden. Und wenn die Jugend einmal Seniorenfußball gerochen hat – da machen wir uns nichts vor – ist die Begeisterung für die A-Jugend auch schnell weg.

Was sind die langfristigen Folgen?

Dem jüngeren Jahrgang wird die Spielmöglichkeit geraubt. Mit einem Zweitrecht hätten sie wieder die Möglichkeit zu spielen, aber die Entfernung vom eigenen Wohnort schreckt häufig ab und so wird vom Zweitspielrecht zu- meist kein Gebrauch gemacht. Viele Jugendliche kommen so dem Fußball abhanden – und zwar langfristig.

Wie kann diese Entwicklung aufgehalten werden?

Die Vernunft der Verantwortlichen muss eintreten. Die A-Jugendmannschaft muss höchste Priorität haben – noch vor der zweiten Mannschaft! Und da sind die Trainer sowie die Vorsitzenden gefordert. Sonst sind es ganz düstere Aussichten.

Gibt es im Moment Vereine, die dies vorbildlich umsetzen?

Die gibt es leider nicht.

57 Seniorenmannschaften werden im Sommer mit Spielern aus sieben A-Jugenden bestückt. Während es in der B-Jugend neun Mannschaften sind, zählen wir in der C-Jugend nur noch sieben Mannschaften. Da stellt sich die Frage, wie viele Seniorenmannschaften wird es im Jahr 2025 noch geben?

Eine Zahl will ich hier nicht nennen. Ich bin erstaunt, dass es in den letzten drei Jahren noch nicht diesen mächtigen Knick gab. Das liegt aber auch daran, dass viele Mannschaften in den unteren Klassen überaltert sind, aber trotzdem noch jeden Sonntag mit viel Spaß und Freude dem Leder hinterherjagen. Es liegt auf der Hand, dass sich in den nächsten Jahren die Zahl der Mannschaften reduzieren wird.

Wird die Coronapandemie diese Entwicklung beschleunigen?

Der erste Lockdown hat dem Fußball bei den Senioren und Jugendlichen nicht geschadet. Es wurden genauso viele Mannschaften gemeldet wie zuvor. Wir hoffen, dass sich diese Entwicklung dank der guten Arbeit der Trainer und Betreuer nach dem zweiten Lockdown wiederholen wird. Aber es wird nicht einfacher, auch weil die offizielle Hallenrunde ausfällt. (Marvin Heinz)

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