"Es musste nie ein Stammplatz sein"

Guido Bickerts bemerkenswerter Aufstieg beim SV Adler Weidenhausen II

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Guido Bickert (links).

Guido Bickert hat sich beim SV Adler Weidenhausen II zum Gruppenliga-Stammspieler entwickelt. Dabei spielt er erst seit Kurzem Fußball. Wir haben mit ihm gesprochen.

VON NICO BECK

Weidenhausen – Drei Heimspiele hat Fußball-Gruppenligist SV Adler Weidenhausen jetzt vor der Brust. Drei neue Chancen, um weiter für Furore zu sorgen. Den ersten Auftritt gibt es am morgigen Donnerstag (19.30 Uhr) gegen Vellmar II zu sehen. Mit zwei Siegen aus den ersten drei Spielen ist der Aufsteiger bravourös gestartet. Einer, der maßgeblich zu diesem Aufschwung beigetragen hat, ist Guido Bickert. Einer, der womöglich bei so manchem Fußballfan noch unter dem Radar fliegt. Warum eigentlich? 

Guido, bei der Interview-Anfrage hast du gesagt, du seist „eigentlich keiner für die großen Aufgaben“. Deine Leistungen auf dem Platz sprechen eine andere Sprache. Also doch einer für große Aufgaben?

Ich bin ein Typ, der nicht gerne im Mittelpunkt steht. Trotzdem habe ich mich über die Anfrage sehr gefreut, genau so wie ich mich auch darüber freue, dass ich in der Gruppenliga spielen darf. Auch wenn ich vor Spielen noch immer etwas nervös bin.

Von Nervosität war in den ersten Partien nichts zu merken. Trainer Alexander Henke hat dich zum Saisonauftakt namentlich hervorgehoben.

Das hat mich auch gewundert – positiv natürlich – und war schon besonders. Weil ich ja nie vorhatte, so ambitioniert Fußball zu spielen. Dass ich jetzt regelmäßig spiele, das ist super, war so aber nie geplant.

Wie meinst du das?

Ich hatte sämtliche Jugendmannschaften des TSV Wichmannshausen durchlaufen und dann aus beruflichen Gründen aufgehört. Dann mal wieder einzusteigen, das war nie ein wirkliches Thema für mich. Das hat sich erst durch meine Freunde etwas geändert. Jedenfalls so, dass ich 2016 gesagt habe, dass ich mit ihnen zum Training gehe und mal etwas mitspiele. Dabei ging es aber nur um den Spaß – und das ist bei mir auch wirklich heute noch so. Es musste nie ein Stammplatz sein. Ich wollte einfach nur mit meinen Kumpels etwas Fußball spielen.

Hat sich diese Einstellung jetzt geändert?

Also es läuft gut, das ist ganz klar. Fußball ist bei mir nicht mehr wegzudenken und ich freue mich, dass ich viele Einsätze bekomme. Ich versuche auch immer alles zu geben. Aber ganz ehrlich: Ich muss nicht spielen. Es stört mich überhaupt nicht, wenn ich auf der Bank sitze. Das macht mir wirklich nichts.

Was macht dein Spiel derzeit so besondes?

Ich erinnere mich noch gut an eine Bewertung kurz nachdem ich wieder angefangen hatte: „spielerisch hölzern und taktisch ohne Kompass unterwegs“. Das war echt so. Ich war körperlich zwar immer fit, aber weil ich immer im Training war, konnte ich fußballerisch etwas aufholen und mich auch dank des anspruchsvollen Trainings verbessern.

Ihr habt als Aufsteiger sechs Punkte aus drei Spielen geholt. Jetzt stehen drei Heimspiele an. Klingt nach drei Siegen und der Tabellenführung, oder?

So weit würde ich nie gehen und die bisherigen Spiele haben gezeigt, wie eng es zugeht. Aber bei sechs Absteigern musst du jedes Spiel wie ein Endspiel angehen, jedes ist wichtig. Und zu Hause wollen wir immer punkten. Unser Trainer bereitet uns gut auf die Gegner vor und wir hoffen, schon am Donnerstag was Zählbares einzufahren. Wir haben eine tolle Gemeinschaft in der „Zweiten“, einen guten Kader und kämpfen um jeden Punkt.

Wann sehen wir dich im Verbandsligakader?

(Lacht)Ich bin sogar schon mal in der Verbandsliga eingewechselt worden. Am letzten Spieltag der Saison 2016/17, also in meinem ersten Jahr. Wir hatten 5:0 gegen Bosporus Kassel geführt. Da durfte ich zur Belohnung, weil ich immer im Training war, aufs Feld. Und ich hatte sogar eine ganz gute Chance. Leider hatte mich dabei verletzt und bin dann auch danach lange ausgefallen. Aber natürlich ist Verbandsliga utopisch für mich und ich habe keinen falschen Ehrgeiz. Wenn man mich braucht, dann bin ich da. Das weiß man. Und sonst habe ich einfach Spaß am Fußball. Egal, ob im Training oder bei einem Spiel.

Zur Person

Guido Bickert (30) beackert im Spiel des Gruppenligisten SV Adler Weidenhausen II die rechte Seite (offensiv wie defensiv). Der Zollbeamte, der in Weidenhausen lebt, in Sontra aufwuchs und in der Jugend beim TSV Wichmannshausen spielte, schnürt nach jahrelanger Pause seit 2016 die Fußballschuhe für den Adler, verfolgte aber nie das Ziel, Stammspieler in der Gruppenliga zu werden. „Ich wollte einfach nur mit meinen Freunden etwas Fußball spielen“, sagt er. Nun ist er aus dem Kader kaum wegzudenken.

Drei Heimspiele des SV Adler II

Do., 17. September, 19.30 Uhr Weidenhausen II - Vellmar II. Nach zwei Jahren in der Kreisoberliga sind es vor allem die Heimspiele, denen der SV Adler II entgegenfiebert. Am morgigen Donnerstag ist OSC Vellmar II zu Gast, der Tabellenzwölfte, der zum Auftakt BC Sport (3:0) besiegte, dann gegen Rothwesten (1:6) und Grebenstein (1:4) deutlich verlor. Damit legte Vellmar einen schlechteren Start als die Gastgeber hin, die demnach selbstbewusst auftreten und mit dem gleichen Aufwand agieren sollten wie bei den jüngsten beiden Erfolgen. Dann winkt der nächste.

Die folgenden Heimspiele des SVA Weidenhausen II: So., 20. September, 15 Uhr gegen Calden/Meimbressen; Mi., 23. September, 19.30 Uhr gegen TSV Rothwesten.

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