Was war da denn los? Pavels Hüftwurf in letzter Sekunde bringt den Sieg

Mit 52 noch immer der Leuchtturm: Liviu Pavel entscheidet Bezirksoberlig-Handballspiel

So kennen ihn die Handballer der Region: Liviu Pavel als Trainer. Doch auch als Spieler ist er noch immer aktiv. Im Heimspiel seines TV Alsfeld erzielte er jetzt mit Ablauf der Spielzeit das Siegtor gegen Jestädt/Grebendorf. Foto: Walger/nh

Alsfeld – Die großen Töne, die spuckt Liviu Pavel nicht gern. Und doch hätte der 52-Jährige in seiner langen Handballkarriere häufig Grund dazu gehabt. So zum Beispiel auch beim jüngst gewonnenen Handballspiel in der Bezirksoberliga. 

Als Spieler war Pavel, der in der Region jahrelang das Trikot des Eschweger TSV trug und mehrere Vereine trainierte – eine Wucht. Er gewann im Jahr 1988 mit dem rumänischen Verein Minaur Baia Mare den EHF-Pokal, den zweitwichtigsten europäischen Wettbewerb im Handball hinter der Champions League. Der damals 22-Jährige war in der entscheidenden Phase der Schlüsselspieler. „Ein Gänsehaut-Moment“, sagt er über seinen bis heute größten Triumph.

Im Rückraum und auf Linksaußen, auch als eisenharten Abwehr-Turm lernten ihn vor allem die Eschweger Handballfans während der legendären Spielzeiten in der 2. Bundesliga kennen. Später war er unter anderem Trainer des ETSV. Und heute, da trainiert der in Eschwege lebende Pavel den Bezirksoberligisten TV Alsfeld. Bemerkenswert: Trotz seines fortgeschrittenen Alters steht er seit zwei Spielzeiten häufiger auf dem Spielfeld, als er sich das eigentlich gewünscht hatte. Und wie so oft in seiner Karriere hat er jetzt den Unterschied ausgemacht. Und wie.

In einer turbulenten Schlussphase des Alsfelder Heimspiels gegen Jestädt/Grebendorf wurde die Uhr vier Sekunden zurückgestellt auf 59:56 Minuten. Statt einer Punkteteilung (26:26) durfte Alsfeld noch einmal anwerfen. Ein Wurf blieb. „Wir hatten eine Auszeit und als es weiterging und wir den Ball hatten, sollte den einer meiner Jungs bekommen. Doch der war gut zugestellt. Und so wurde ich angespielt.“

Pavel stand nach eigener Aussage gut zwölf, 13, 14 Meter vom Tor der Meinharder entfernt. „Eigentlich viel zu weit“, sagt er, „aber bei dieser wenigen Zeit hast du höchstens für einen Pass Zeit, du musst normalerweise gleich werfen.“ Gesagt, getan.

Pavel: „Ich habe mich nach rechts verlagert und versucht, einfach so hart wie möglich draufzuhalten.“ Herausgekommen sei der „beste Wurf der letzten zehn Jahre von mir“, erzählt er. Sein Hüftwurf war aber nicht nur hart, sondern auch platziert. „Der Ball ist neben dem Pfosten eingeschlagen, wir haben gewonnen und waren alle überglücklich.“ Für den TV Alsfeld bedeutete dieses 27:26 den erst dritten Sieg im 13. Ligaspiel. Dank dieses Erfolges zog der TVA nach Punkten mit Jestädt/Grebendorf gleich, verließ den vorletzten Platz und überholte die Meinharder.

„Ich spiele nur wegen der Situation im Verein. Im Sommer wurde nach einigen Abgängen sogar überlegt, ob wir die Mannschaft abmelden müssen. Das haben wir verhindert, aber dafür brauchen wir jetzt eben jeden Mann. Selbst mich“, sagt Pavel mit einem Grinsen im Gesicht. Wohl wissend, dass er es noch immer draufhat. Und dass er mit seinen sieben Toren und insbesondere dem Sensationswurf mit der Schlusssirene der Matchwinner war. „Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass wir mal wieder gewonnen haben.“ Große Töne, die sind eben nicht seins.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare