Interview mit dem 82-jährigen Helmut Schröter

Legende der SV 07 Eschwege zum Absturz des Vereins: „Mein Fußballerherz blutet“

Legende der SV 07 Eschwege hat auf dem Werra-Rundschau-Sofa Platz genommen: Helmut Schröter hat im Gespräch über Höhen und Tiefen der SV 07 gesprochen. Foto: Konklowsky

Seit über 50 Jahren ist Helmut Schröter für "seine" SV 07 Eschwege im Dauereinsatz. Der Absturz des Vereins geht ihm sehr nah, wie er im Werra-Rundschau-Interview berichtete.

VON STEFAN KONKLOWSKY

Eschwege – Unikat. Mädchen für alles. Fußballverrückter. Oder einfach nur Helmut. Es gibt viele Begriffe, die auf den rüstigen 82-Jährigen zutreffen. Und er, der bis zuletzt in vorderster Reihe für die Fußballer der SV 07 Eschwege aktiv war, steht symbolisch für viele der Personen, die den Kreisstädtern zugetan waren und nun fassungslos auf den Scherbenhaufen Seniorenfußball SV 07 blicken. Wir haben mit ihm gesprochen.

Helmut, wie geht es dir?

Gesundheitlich wieder ganz gut. Ich habe vor Kurzem meinen Herzschrittmacher ausgetauscht bekommen, allerdings nicht wegen dem, was bei der SV 07 passiert ist. Wenn ich daran denke, dann blutet mein Fußballerherz. Dass ich das noch erleben muss, hätte ich mir vor sechs Wochen beim letzten Serienspiel nie vorstellen können.

Wieso bist du in deinem Alter noch so aktiv?

Das Ganze hat im Jahr 2011 begonnen, als ich unter Chris Jauer wieder als Betreuer eingestiegen bin, nachdem ich gefragt wurde (Anm.: In der Funktion war Helmut Schröter u.a. bereits 1965 (!) tätig). Insgesamt war ich seitdem bei rund 320 Spielen und 1100 Trainingseinheiten dabei. Der Umgang mit jungen Menschen hält einen fit, und wer in meinem Alter kann schon behaupten, dass er vor Kurzem in der Mausefalle oder in einer Kasseler Disco war? Es gab nichts, was ich nicht gemacht habe. Sei es bei der Vorbereitung für das Spiel mit Kaffee kochen, Kabine aufräumen oder Busse bestellen. Selbst viele der Schiedsrichter haben mich nach Spielen um eine Beurteilung ihrer Leistung gebeten, und mit vielen davon habe ich heute noch Kontakt. Unter dem Strich eine großartige Zeit.  

Wie hast du vom Aus in der Verbandsliga erfahren?

Ich konnte es gar nicht glauben und bin vor allem bis heute über die Art und Weise sehr enttäuscht. Vor allem, weil ich es über Dritte erfahren habe, eine direkte Kommunikation hat während der ganzen Zeit nicht stattgefunden. Das war ja kein Prozess von heute auf morgen, die Möglichkeit, mal nachzufragen, hätte durchaus bestanden. Aber da kam nichts. Aber irgendwie auch symptomatisch für die Entfremdung zwischen Vorstand und Mannschaft. Fehlende Kameradschaft, wie uns oft vorgeworfen wurde, war sicherlich nicht der Grund für das Aus.

Was ist denn aus deiner Sicht falsch gelaufen?

Wenn Dinge vereinbart sind, müssen diese auch eingehalten werden. Passiert das nicht, führt das zur Unzufriedenheit, vor allem wenn dann noch sportlicher Misserfolg dazu kommt. Die große Kluft zwischen den beiden Seniorenmannschaften ist für einen Verein und das Vereinsleben ebenfalls nicht förderlich. Dazu hat auch die hohe Fluktuation jedes Jahr ein Stück weit dazu beigetragen. Das wird woanders wesentlich besser gemanagt. Doch auch der ein oder andere Spieler muss sich hinterfragen. Wenn Akteure Mitspieler ansprechen, ob sie nicht mit den Verein wechseln wollen, ist das schon grenzwertig. In dieser Situation hätte ich mir einen echten Kapitän wie Christopher Minne gewünscht, der mal auf den Tisch gehauen hätte. Wir haben immer gute Jugendarbeit geleistet, aber was ist in den letzten Jahren dabei herausgekommen? Fast nichts.

Bleibst du der SV 07 treu?

Ich werde mich – soweit es meine Kräfte zulassen – weiter in das Vereinsleben einbringen und es fördern. Die SV 07 wird immer mein Verein bleiben. Allerdings befürchte ich, dass die C-Liga unser sportlicher Tod sein könnte. Ich verstehe auch nicht, dass fünf Spieler bei entsprechenden Verstärkungen bleiben wollten und der Vorstand bis Ende Juni keine Neuzugänge parat hatte. In der Kreisoberliga hätten wir eine Perspektive gehabt, in der C-Liga wird es brutal schwer, eine zu finden. Alles ist unendlich traurig für den gesamten Fußball im Kreis. Hand aufs Herz: Welches Spiel wollten denn die Fans sehen? Genau: Eschwege gegen Weidenhausen. Der fußballerische Höhepunkt im Kreis ist tot. Und das dürfte selbst dem eingefleischtesten Adlerfan nicht gefallen.

Was bringt die Zukunft aus deiner Sicht?

Persönlich werde ich mir meine Jungs nun in Lichtenau, Hundelshausen oder Reichensachsen anschauen. Ich habe diese Spieler nicht nur betreut, nein, wir waren auch Freunde. Das alles schmerzt sehr. Mein Wunsch ist, dass die SV 07 eines Tages wieder zurückkehrt. Aber ob ich das noch erleben werde?

ZUR PERSON

Helmut Schröter (82) wurde in Eschwege geboren. Sport war für den langjährigen Friseurmeister immer wichtig. So boxte er in jungen Jahren unter Harry Grede und schnürte bereits für die Vorgängervereine der SV 07 – Eintracht und FSV – die Fußballschuhe. Nach seiner aktiven Zeit war das heutige Ehrenmitglied der Kreisstädter nicht nur als Betreuer, sondern auch als Vorsitzender tätig. Daneben war er Schützenkönig und lange Jahre auch Präsident des Schützenvereins 1433 Eschwege. Beim ETSV brachte er sich in den Glanzzeiten des Eschweger Handballs als Sponsor ein.

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