Abterode/Eltmannshausen steigt wohl erstmals in die Kreisoberliga auf

Relegation ist Streit-Thema

Die Spielzeiten im Amateurfußball sollen abgebrochen werden. Foto : Artur Worobiow/nh

VON NICO BECK

Eschwege – Der Vorstandsbeschluss des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV), die laufende Saison nach zwei Monaten Corona-bedingter Zwangspause abzubrechen, kommt nicht bei jedem Verein im Werra-Meißner-Kreis gut an. Ob der Vorschlag von Samstag jedoch auch final umgesetzt wird, das wird beim außerordentlichen Verbandstag am 13. oder 20. Juni beschlossen; es gilt aber als sehr unwahrscheinlich, dass die Delegierten die Vorlage von Samstag kippen könnten. Somit wird es wohl heißen: Absteigen muss keine Mannschaft, Aufsteiger werden gekürt mithilfe der Quotientenregelung, die die unterschiedliche Anzahl ausgetragener Spiele ausgleicht. Die Vorstandsrunde konnte sich jedoch in ihrer knapp vierstündigen Debatte nicht in der Frage einigen, ob auch Seniorenteams, die sich in normalen Zeiten für Relegation oder Aufstiegsrunde qualifiziert hätten, ebenfalls direkt aufsteigen sollen. Das hatten einige Kreisfußballwarte gefordert.

Für den Werra-Meißner-Kreis bedeutet der Vorschlag – im Folgenden wird davon ausgegangen, dass der Vorschlag in seiner jetzigen Form beschlossen wird –, dass unter anderem die SG Abterode/Eltmannshausen Meister der A-Liga wird und in die Kreisoberliga aufsteigt. Punktgleich mit dem TSV Waldkappel weist Abterode/Eltmannshausen die bessere Tordifferenz in der A-Klasse auf (35 gegen 30). „Als ich von der Nachricht am Samstag gehört habe, habe ich sie an unsere Mannschaft weitergegeben. Dann sind alle Dämme gebrochen. Die Freude war riesig, es ist überwältigend“, sagt Trainer Michael Bartholmai, „Wenn es so kommt, dann ist es historisch für uns. Kreisoberliga! Das hat es bei uns noch nie gegeben. Was es zudem einzigartig machen würde, das ist die Tatsache, dass uns der Aufstieg während unseren runden Vereinsgeburtstagen gelungen wäre. Eltmannshausen wurde 2019 100 Jahre alt, in diesem Jahr wird Abterode 100. Das passt alles perfekt.“ Bartholmai hätte gern weitergespielt, da er einen heißen Aufstiegskampf bis zum letzten Spieltag erwartet hat. „Aber es ist, wie es ist. Und wenn es beschlossen wird, dann werden wir – wenn man denn wieder darf – auch unserer Feier nachholen.“

Beim Tabellenzweiten Waldkappel kommt der Abbruch nicht gut an. „Ich finde es ungerecht! Dazu stehe ich auch“, sagt Henrik Stöber, der Fußball-Chef des TSV Waldkappel. Er erklärt: „Wir hatten uns für die Saisonfortführung ausgesprochen, weil wir es gern sportlich ausgetragen hätten. Und wir sehen es auch nicht als gegeben an, dass wir am 1. September wieder Fußball spielen werden. Und wenn wir dann nicht spielen, dann weiß ich nicht, wie die neue Saison dann gestemmt werden soll. Somit würde man also vor dem gleichen Problem stehen. Es ist alles grenzwertig.“

Des Weiteren führt Stöber aus: „Wir hätten noch eine ganze Rückrunde gehabt, wir haben uns verstärkt im Winter, um unser Ziel Meisterschaft anzugehen. Nun sind wir bei gleicher Spiel- und Punkteanzahl Tabellenzweiter und steigen wohl wegen fünf Toren nicht auf.“

Ein weiterer Kritikpunkt zielt auf die Regelung, dass kein Team absteigt. „Grundlegend könnten wir damit leben, aber nur, wenn eben auch der Zweite, der normalerweise in der Relegation die Chance zum Aufstieg hat, auch hoch darf. Diese Chance wird uns geraubt. Und dafür darf zum Beispiel ein abgeschlagener Tabellenletzter den Klassenerhalt feiern?“

Diesen Punkt greift auch Alexander Henke vom SV Adler Weidenhausen II auf, der mit seinem Team nach zwei Saison in der Kreisoberliga als Meister in die Gruppenliga aufsteigen wird. „Der zweite Platz müsste belohnt werden. Oft hätte man ja in so mancher Liga noch gute Chancen auf die Meisterschaft gehabt.“ Mit seinem SV Adler II steht Henke in der Tabelle fünf Punkte bei einem Spiel mehr vor dem VfL Wanfried. „In den bisher gespielten Partien haben wir gezeigt, dass wir die Meisterschaft auch so hätten gewinnen können. Ich denke, wir haben es verdient, aber gern wären wir auf dem Platz Meister geworden. Man freut jetzt, aber mehr aber nicht. Die Emotionen, direkt nach einem Spiel, die kannst du mit nichts vergleichen.“ Für sein Team sei es als Zweitvertretung ein großer Erfolg, erneut in der Gruppenliga zu spielen und eine große Herausforderung. „Aber erst mal muss das alles ja noch beschlossen werden.“

Fotos: Marvin Heinz/Manuel Kopp/nh

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