Die heilige Box der Spielerpässe

Die SG HNU stellt die einzige dritte Mannschaft im Werra-Meißner-Kreis

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Ein Teil des HNU-III-Teams: (stehend von links) Nawid Ahmad, Mario Missler, Maxi Siebert, Uli Manns, Henryk Breitfeld, Valentin Adam, Kai Bierschenk, (kniend) Mario Rabe, Michael Rabe, Omran Alhallak, Maxi Stück, (liegend) Toni Gimpel. 

In der Übersicht aller Fußballmannschaften des Werra-Meißner-Kreises ist nur eine einzige dritte Garde eines Clubs zu finden: SG HNU III. Die Geschichte der "Dritten":

Herleshausen – Als sich im Sommer 2013 der TSV Ulfegrund mit der Spielgemeinschaft Herleshausen/Nesselröden zusammenschloss und eine dritte Fußballmannschaft ins Rennen schickte, behaupteten viele Skeptiker, dass das Team in der Kreisliga C nur Kanonenfutter sei, höchstens eine Saison spielen und sich dann auflösen würde. Allen Unkenrufen zum Trotz besteht die dritte Mannschaft der SG HNU auch in der Saison 2019/20 und ist die einzige „Dritte“ eines Vereins im Kreis. „Wir werden auch nach der Corona-Krise wieder angreifen“, sagt Sprecher Georg Göpfarth.

Nachdem der Nesselröder Wolfgang Warnke die Mannschaft in der Anfangszeit betreute und viele Weichen stellte, haben seit 2018 die Brüder Mario (46) und Michael Rabe (42) die Geschicke in der Hand. Unterstützend steht Jens Breitfeld (50) als „gute Seele“, wie Göpfarth sagt, dem Team stets zur Verfügung. „Sie schaffen es immer wieder, die Spieler bei der Stange zu halten und zu motivieren“, so der zweite Vorsitzende des TSV Ulfegrund, der sich auch sehr darüber freute, dass die Rabe-Brüder beim Kreisfußballtag in Fürstenhagen für ihr Engagement mit dem Ehrenbrief des Hessischen Fußball-Verbandes ausgezeichnet wurden.

Die dritte Mannschaft der Vereinigten hat dabei immer so manche Überraschung auf Lager. Zu Saisonbeginn der aktuellen Spielzeit kam es zu einer besonderen Konstellation. Generationen übergreifend spielten Vater und Sohn in einem Team zusammen. Ralf Polzin (48) stand im Tor und lief mit seinem Sohn Silas (19) auf. „Langweilig wird es bei uns nie.“

Im September 2019 erzielte Michael Rabe in Germerode sechs Treffer in einem Spiel. Aus allen Lagen traf der leidenschaftliche Bayern-Fan und wurde von Mitspielern seither nur „Sechserpacker“ gerufen. Derzeit führt Rabe mit 20 Treffern die Torjägerliste der Kreisliga C2 an. Beachtenswert ist, dass seit Bestehen der dritten Garde 60 Spieler zum Einsatz kamen. Acht unterschiedliche Spieler kamen als Torwart zum Einsatz. Toni Röder war mit 58 Jahren der älteste Keeper. Uwe Irrle ging mit 56 Jahren noch mal auf Torejagd. Göpfarth: „Es hat sich zwar ein ehrgeiziger Spielerstamm herauskristallisiert, jedoch wäre der Spielbetrieb ohne die, die sich oft spontan zur Verfügung stellenden, also sozusagen unsere Edelreservisten sind, nicht möglich.“ Und wie haben die Rabens ihren großen Kader im Griff? Über Whatsapp. „Die Verfügbarkeit wird am Anfang der Woche der Woche abgefragt“, so Mario Rabe, „und wenn keiner mehr aus der Ersten und Zweiten nachrutscht, dann müssen wir mit Kateileichen auffüllen.“ Laut Rabe gibt die „heilige Box“ mit den zahlreichen Spielpässen sonntags in höchster Not noch was her: „Es ist eine Schatztruhe.“

Momentan steht die SG HNU III mit 21 von möglichen 30 Punkten (44:23 Tore) auf dem zweiten Platz der Kreisliga C2. „Das hätte kaum wer gedacht“, so Göpfarth, „auf dem Spielfeld geht es immer mal wieder knüppelhart zur Sache, wobei die Spieler es im Training etwas lässiger angehen lassen.“ Weitere Stärken der Elf liegen laut Göpfarth im Bereich der „dritten Halbzeit“. Rabe: „Bei uns bleibt keine Kiste voll, meistens wird noch eine zweite genommen.“ Auch nach Niederlagen sitzt man lange zusammen: „Hier zeigt sich die gute Kameradschaft. Das hilft, Fehler im nächsten Spiel zu vermeiden. Genau das macht den Fußball auf dem Lande aus.“  mhz

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