Spielbetrieb des letzten Seniorenteams wird abgemeldet - "Problematik seit Jahren offenkundig"

HSG Jestädt/Grebendorf: Nach 30 Jahren ist Schluss

Enttäuschung bei der HSG: Christoph Klug (Mitte). Archivfoto: Jens Siebert

Nach exakt 30 Jahren wird die HSG Jestädt/Grebendorf von der Handball-Landkarte verschwinden. Vorerst jedenfalls. Die Personalprobleme seien der Hauptgrund, heißt es.

Meinhard – Eine gut überlegte, wenngleich auch für den gesamten Handballkreis äußerst bittere Nachricht haben die Verantwortlichen der HSG Jestädt/Grebendorf jetzt verkündet. Nach exakt 30 Jahren wird sich die so stolze Spielgemeinschaft vom aktiven Spielbetrieb zurückziehen. Ein Hammer, der aber nicht wirklich verwundert.

Wie es dazu kommen konnte, da sprechen Abteilungsleiter Harald Triller und Christoph Klug, der Vorsitzende des TSV Jestädt, mit einer gemeinsamen Stimme. „Personell ging es einfach nicht mehr“, sagt Klug. Triller ergänzt: „Unser Spielerstamm ist auf ein absolutes Minimum geschmolzen. Wir hätten mit Mühe und Not acht, neun Spieler zusammenbekommen. Das reicht aber niemals für ein Jahr.“ Er fährt fort: „Es wäre ein reiner Überlebenskampf gewesen. Diese unzulängliche Situation steht uns aber nicht erst seit diesem Jahr ins Haus, die Problematik ist seit Jahren offenkundig.“

In einer Krisensitzung sei die Entscheidung vor Kurzem gefasst worden. „Wir haben lange diskutiert. Aber uns blieb letztlich keine Wahl“, sagt Triller, der nach exakt 30 Jahren und nach dem vorläufigen Aus des Männerhandballs auch sein Amt des Abteilungsleiters zur Verfügung stellt: „Ich habe alles für die HSG gegeben, sie war immer eine Herzensangelegenheit. Es tut weh, dass wir das Schild jetzt abschlagen müssen. Aber wie gesagt, es ist nun mal nicht zu ändern.“

Im Laufe der vergangenen Tage und Wochen wurden die Personalprobleme immer offensichtlicher, zumal sich bereits vor einem Jahr der negative Weg angedeutet hatte. Einige Spieler des ohnehin nicht gerade üppig besetzten Bezirksoberligakaders der Männer – das ist nach dem Rückzug der Damenmannschaft vor der Saison die einzig verbliebene Mannschaft der HSG, die im Ligaspielbetrieb startet – hätten ihr Karriereende nach der Saison unlängst angekündigt. Hinzu kommen Spielerwechsel, Neuzugänge fehlen bei fast allen Clubs der Region.

Christoph Klug, selbst eingefleischter Handballer und im Laufe der Saison aufgrund der dünnen Spielerdecke auf das Parkett zurückgekehrt, dazu: „Wir hatten zahlreiche Gespräche und haben alles versucht, um am Leben zu bleiben.“ Sogar Gespräche mit dem Eschweger TSV hätte es gegeben. Beide sollen dem Vernehmen nach lautstark über einen Zusammenschluss nachgedacht haben. Aufgrund unvermeidbarer äußerlicher Umstände habe der Gedanke aber vor einigen Wochen verworfen werden müssen, „was schade war, weil das hätte die Rettung sein können, der Fokus sollte auch klar auf der Jugendarbeit liegen“, so Triller.

Wie bereits erwähnt, so ist der Spielermangel nicht erst seit dieser Spielzeit zu bemerken. Zu kleine Kader hatten bereits im Jahr 1989 dafür gesorgt, dass der TSV Jestädt und der Nachbar TSV Grebendorf zur HSG zusammengefunden hatten. Kräfte wurden für eine erfolgreichere, gemeinsame Zukunft gebündelt und der Name in gewisser Weise erhalten. So, wie es mit dem ETSV angedacht war. „Aber es gibt in keinster Weise Kritik an Eschwege, davon kann überhaupt keine Rede sein“, stellt Triller klar.

Wie sehr die Abmeldung des aktiven Spielbetriebs der HSG schmerzt, das ist den Triebfedern Klug und Triller deutlich anzumerken. Sie hoffen, dass über den Sommer hinaus ein Mini-Team aufgebaut werden könne. Und wer weiß, vielleicht wird so die Basis gelegt für eine Rückkehr im Seniorenbereich. Somit geht es zwar weiter, allerdings erst mal nicht im Seniorenbereich.

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