Ein Erfahrungsbericht: Nach acht Jahren wieder auf Brettern

WR-Redakteurin Maren Schimkowiak beim Langlauf: „Ich kann ja nicht richtig bremsen!“

Nach acht Jahren sind die Bewegungen noch nicht ganz so fließend, doch man kommt wieder schnell wieder hinein ins winterliche Laufvergnügen.
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Nach acht Jahren sind die Bewegungen noch nicht ganz so fließend, doch man kommt wieder schnell wieder hinein ins winterliche Laufvergnügen.

Im Winter draußen Sport zu treiben, ist immer so eine Sache. Dabei bietet Langlauf die perfekte Möglichkeit, bei kalten Temperaturen fit zu bleiben. Ein Erfahrungsbericht von WR-Redakteurin Maren Schimkowiak.

Dieser Winter hält coronabedingt wenig Gutes für uns bereit, aber doch gibt es in diesen Wochen etwas, was wir gefühlt seit Jahren nicht mehr konstant hatten: Schnee. Die weiße Pracht lockt uns auf die Schlitten, hinauf in die Berge, nach draußen, in die Freiheit. Als es vor ein paar Wochen so richtig verschneit war, zog es auch mich und meine Familie hinauf zum Hohen Meißner, wo wir mit vielen anderen diese herrlichen Schneemomente genossen. Mit zwei kleinen Kindern wählten wir den Wanderweg, aber am Loipen-Parkplatz vorbeifahrend warfen mein Mann und ich einen wehmütigen Blick zu den zig Langläufern, die gen Piste pilgerten: Wir waren seit über acht Jahren nicht mehr Langlaufen. Erst die beiden Schwangerschaften, dann zwei kleine Kinder, zusätzlich keine guten Schneeverhältnisse, aber immer dachten wir: „Vielleicht nächstes Jahr wieder.“

In diesen Tagen dann beschließen wir ganz spontan, dass nun der Moment sein sollte, nur wir zwei und die Langläufer, hoch zum Hohen Meißner, wie in guten alten Zeiten.

Ganz aufgeregt sind wir, als wir auf den Parkplatz fahren, unter der Woche ist nicht viel los, sodass es abstandstechnisch keine Probleme gibt. Obwohl, einige Bedenken habe ich doch, denn ich muss zugeben, dass ich keine besonders geübte Langläuferin bin. Anders als mein Mann, der in jungen Jahren mit dem Skifahren angefangen hat, stand ich mit Ende 20 zum ersten Mal auf Langläufern. Das Wenige, das ich kann, habe ich mir selbst zusammengefriemelt. Damals waren wir oft auf dem Meißner, hier habe ich meine ersten Erfahrungen gesammelt. Zähneknirschend muss ich ausgerechnet jetzt an den letzten Skiurlaub im April 2013 denken. Wir waren im Riesengebirge und dort hatte ich einen kleinen Realitätsschock, denn im Skigebiet Spindlermühle ist es doch etwas herausfordernder für jemanden, der nur eine Saison auf den Skiern stand. Damals musste ich oft meine Skier abschnallen und laut schimpfend durch den tiefen Schnee stapfen, aus dem einfachen Grund, der mir ausgerechnet jetzt wieder einfällt: Ich kann ja gar nicht richtig bremsen! Mir ist zwar in der Theorie die Technik des Schneepfluges bekannt, doch praktizierte ich zum Abbremsen damals eher die des gezielten Schneefluges, also immer der Nase nach auf den nächsten großen Schneehaufen.

Nach langer Zeit endlich wieder im Einsatz: Dass meine Skier etwas zu lang sind, merke ich immer dann, wenn ich versuche, möglichst anmutig aufzustehen. Vielleicht sollte ich mir ein kürzeres Paar zulegen.

Mit weichen Knien stelle ich mich jetzt also auf die Bretter und gleite die ersten wackeligen Meter Richtung Loipe. Die guten Verhältnisse machen es mir einfach und ich komme langsam, aber sicher wieder zu einem guten Rhythmus. Zwar ist die Technik noch holprig und bei Weitem nicht so fließend wie bei vielen anderen Langläufern, aber ich werde mutiger, schneller und auch geschickter. Mein Mann und ich wählen die Fünf-Kilometer-Route und in harmonischer Zweisamkeit genießen wir die herrliche Landschaft, die kalte, trockene Luft und die gleichförmige Bewegung. Aber irgendwann kommt der Moment, vor dem ich etwas Angst habe, denn wenn man lange geradeaus oder etwas steiler nach oben fährt, muss man irgendwann auch wieder hinunter. Zwar stellen die Abgänge auf der Strecke für Geübte keine sonderliche Herausforderung dar, für mich und meine Bremsphobie jedoch schon und so muss ich mich sehr konzentrieren, aber tatsächlich gelingt mir ein wirklich guter Schneepflug: mein persönliches Erfolgserlebnis nach achtjähriger Langlauf-Abstinenz. Und so drehen wir unsere Runde und merken gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht.

Langlaufen macht sehr viel Spaß, ist kurzweilig und eine hervorragende Art, im Winter aktiv zu bleiben.

Maren Schimkowiak

Beide ganz schön verschwitzt, aber mit einem breiten Grinsen, steigen wir ins Auto, denn eines ist sicher: Langlaufen macht sehr viel Spaß, ist kurzweilig und eine hervorragende Art, im Winter aktiv zu bleiben. Später schicke ich ein paar Fotos unserer spontanen Expedition an Freunde und bekomme sofort sehnsuchtsvolles Feedback: „Ach, wie herrlich!“, „Das habe ich ja ewig nicht mehr gemacht“, „Wollen wir nicht mal zusammen?“ – heißt es und tatsächlich vereinbare ich gleich für die nächste Woche ein Langlauf-Treffen mit meiner Freundin. Und auch meine Kollegin Ulrike will nun unbedingt mal mit, hat aber leider keine Ausrüstung und jetzt gerade auch keine Möglichkeit sich eine zu leihen, ein Jammer. Am nächsten Tag habe ich leichten Muskelkater in den Oberschenkeln und den Waden, aber bin trotzdem glücklich, dass ich mich mal wieder auf die Bretter gewagt habe. Meine Freude an dem Wintersport ist ungebremst. Ich genieße den Sport an der frischen Luft, die schonenden Bewegungsabläufe und die Ruhe, die man inmitten der Winter-Wunderland-Kulisse findet. Ich nehme mir vor, nun wieder häufiger auf die Bretter zu steigen, schneereiche Winter natürlich vorausgesetzt.

Und auch für die Kinder kann ich mir diesen Sport gut vorstellen, besser, man lernt es früh, dann fallen manche Hürden nicht so schwer. Denn ich merke doch, was mir fehlt: Übung, eine stabile Technik und eine gehörige Portion Mumm. Gerne möchte ich auch noch ein paar Skistunden nehmen, um meine Grundkenntnisse zu vertiefen und selbstsicherer die großen und kleinen Abhänge hinunterzusausen. Und eins ist klar: Das nächste Mal wird nicht erst wieder in acht Jahren sein!

Zur Person

Maren Schimkowiak (35) ist seit drei Jahren PR-Redakteurin bei der Werra-Rundschau. Als Hobby-Läuferin und Schwimmerin macht sie viel Ausdauersport. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern (4 und 6 Jahre) und lebt im Neu-Eichenberger Ortsteil Marzhausen.

Von Maren Schimkowiak

Durch den Schnee zu driften, das macht Spaß - das befindet WR-Redakteurin Maren Schimkowiak.

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