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Frederik Bub ist ein Paradebeispiel für gelungene Inklusion

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Von: Marvin Heinz

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Frederik Bub mit seinem Lehrer Matthias Gruber (Paul-Moor-Schule) sowie Inklusionslotsin Lea Hüther.
Frederik Bub mit seinem Lehrer Matthias Gruber (Paul-Moor-Schule) sowie Inklusionslotsin Lea Hüther. © Marvin Heinz

Im deutschen Sport ist die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung bereits seit Jahren verankert. Noch immer bestehen aber Barrieren. Frederik Bub ist ein tolles Gegenbeispiel.

Reichensachsen – Frederik Bub bietet sich an. Er kriegt den Ball, beschleunigt. Drei, vier lange und zugleich explosive Schritte. Locker hat er seinen Gegenspieler hinter sich gelassen, ehe er den Kopf hochnimmt und mit einem wuchtigen Linksschuss den Ball im Gehäuse unterbringt.

Unhaltbar schlägt das Leder im Winkel ein. Er reißt die Hände hoch, klatscht mit seinen Mitspielern ab. Die Freude über den Torerfolg ist ihm ins Gesicht geschrieben, als er seine Position in der Verteidigung wieder einnimmt.

„Weiter so“, sagt sein Trainer Akin Servet und reckt zufrieden den Daumen in die Höhe. Was seine Mitspieler und auch sein Trainer bei der C-Jugend des SV Reichensachsen gar nicht mehr auf dem Schirm haben, das ist die Tatsache, dass der 14-jährige Frederik ein Jugendlicher mit Handicap ist und erst seit sechs Monaten mit von der Partie ist.

„Man merkt gar nicht, dass er ein Handicap hat“

„Er hat sich schnell angepasst und integriert“, sagt Servet und fügte mit leiser Stimme hinzu: „Man merkt gar nicht, dass er ein Handicap hat.“

Über die lokale Sport-Inklusionslotsin Lea Hüther wurde der Kontakt zum SV Reichensachsen hergestellt. „Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung, die im Verein Sport treiben möchten, dürfen zu mir gerne Kontakt aufnehmen, um den ersten Schritt gemeinsam zu bewältigen“, erklärt sie und geht auf den ersten Kontakt mit dem Verein und dem zuständigen Übungsleiter ein.

Unterdessen sieht sie, wie Bub ein Kopfballduell gewinnt und die Mannschaft ihn lobt: „Wichtig ist, dass sowohl der Verein als auch das Team offen und sozial intakt sind.“

Bubs Zweikampfstärke sowie seine Schnelligkeit seien ein Faktor, betont Servet. Im letzten Ligaspiel des Jahres in Waldkappel feierte Bub sein Tor-Debüt.

Mit Vollspann schloss der aus Grebendorf kommende Nachwuchskicker mit seinem starken linken Fuß ab. „Ich habe mich einfach nur gefreut und ganz laut Ja geschrien“, erzählt er mit einem Lächeln auf den Lippen. Zumeist agierte in den Spielen als Linksverteidiger.

Thomas Müller ist das große Idol

Sein Vorbild ist ein Zentrumsspieler. Nationalspieler Thomas Müller ist sein großes Idol, vor dem TV-Gerät aber fiebert er am liebsten mit Eintracht Frankfurt mit. Autos und Geografie haben es Bub auch angetan.

Er erzählt auch im Training über die neuesten Modelle mit viel PS unter der Haube. Mit seinen Mitspielern ist Bub bestens vernetzt: „Meistens tauschen wir uns über WhatsApp aus.“

„Wir haben es in seinem Fall sehr spielerisch geschafft, Frederik in die Mannschaft zu integrieren, weil alle es wollten und das Thema Inklusion und Mensch mit Handicap nicht als Hürde von Beginn an dargestellt wurde“, sagt die 29-jährige Lea Hüther.

Bubs Sportlehrer Matthias Gruber lobte das Engagement der Sport-Inklusionslotsin und betont im Gespräch mit unserer Zeitung: „Mit diesem Angebot können Menschen mit Handicap maßgeschneidert in den Sport integriert werden. Auf Probleme und wichtige Fragen kann auf diesem Weg wirklich sehr individuell eingegangen werden.“ (Marvin Heinz)

Das ist das Inklusions-Programm

Im deutschen Sport ist die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung bereits seit Jahren tief verankert. Noch immer aber bestehen zugleich Barrieren, die den Zugang zu Vereinsangeboten erschweren.

Die Sportjugend Hessen und der Landesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte (LVKM) wollen dies in Hessen ändern und haben deshalb gemeinsam das neue Projekt „Mit dir inklusiv im Sport – Sport-Inklusionslotsen für die Hessischen Sportkreisjugenden“ gestartet.

Das Projekt wird durch die Aktion Mensch und das Hessische Ministerium des Inneren und für Sport gefördert. Der Sportkreis Werra-Meißner ist eine von fünf Modellregionen, in denen das Projekt umgesetzt wird. Weitere Regionen sind der Hochtaunuskreis, der Kreis Bergstraße, die Region Fulda-Hünfeld und die Region Kassel. Weitere Informationen finden Interessierte unter mitdirinklusivimsport.de, telefonisch (01 71/9 51 91 16) oder auf Instagram auf der Seite inklusivimwmk. 

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