Torjäger der 1990er-Jahren war drei Tage lang in Eschwege

Interview mit Ex-Profi Bernd Hobsch: „Klaus Augenthaler hat mich gehasst“

Ein Mann der klaren Worte: Ex-Bundesligaprofi Bernd Hobsch. Foto: Nico Beck

VON NICO BECK

Eschwege –

Drei Tage lang hat Bernd Hobsch mit seiner Fußballschule Kinder aus dem Kreisgebiet in Eschwege trainiert (wir berichteten). Der 51-Jährige wurde Deutscher Meister mit Werder Bremen, holte den DFB-Pokal und war Nationalspieler. Wir haben mit ihm über seine Karriere und den heutigen Fußball gesprochen.

Herr Hobsch, stört es Sie, dass Sie in nahezu jedem Interview über den 5. Juni 1993 sprechen müssen?

Nein, überhaupt nicht. Die Meisterschaft mit Bremen, meine beiden Tore beim 3:0 gegen Stuttgart, es war ein super Tag. Daran werde ich mich immer gern erinnern. So oft werde ich auch gar nicht mehr auf diesen Tag angesprochen, sondern sehe es nur immer mal wieder, wenn es zum Beispiel bei Facebook reingestellt wird.

Dabei hatte der Tag ja gar nicht gut angefangen.

Das stimmt. Die letzten drei Spiele saß ich zunächst auf der Reservebank, ich hatte zum Saisonende eine kleine Schwächephase. Aber Otto (Anm.: Rehhagel; damaliger Trainer) hat mir versprochen, dass er mich immer reinbringt. Er hat sein Versprechen gehalten. Und es hat sich im letzten Spiel ja auch gelohnt.

Otto Rehhagel – Ihr vielleicht wichtigster Trainer?

Er war in jedem Fall der beste Trainer für mich. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis. Er hat mich immer gefördert und weitergebracht. Obwohl Jürgen Sundermann in Leipzig auch super war.

Welche Momente Ihrer Laufbahn gehen etwas unter wegen Ihrer beiden Meister-Treffer?

Da will ich gar nichts herauspicken. Ganz verrückt war aber, als wir mit Bremen Meister geworden sind und den Titel gefeiert haben, da bin ich am nächsten Tag nach Leipzig gefahren, weil der VfB in die 1. Liga aufgestiegen ist. Und ich habe mitgefeiert, weil ich ja eine Halbserie bis zur Winterpause dort gespielt und 15 Tore erzielt habe, bis ich nach Bremen gewechselt bin. Zwei Meisterschaften, das war grandios. Und der Weg in die Nationalmannschaft war besonders.

Wieso?

Weil das nur den besten Spielern gelingt und viele davon träumen, es aber nie schaffen. Dass ich mal dabei war, das macht mich sehr glücklich. Wenn auch nur für ein Spiel, weil ich immer wieder verletzt war.

Sie waren ein Knipser. Wie vermitteln Sie Ihre Torjägerqualitäten an die jüngeren Teilnehmer Ihrer Fußballschule?

Das ist immer schwierig, vor allem bei den ganz jungen Kindern ist das kaum möglich, da geht es hauptsächlich um Spaß und Freude. Klar sage ich ihnen, dass sie den Kopf oben halten und in gewissen Situationen lieber mit der Seite schießen sollen, aber sonst geht das kaum. Bei Älteren ist das einfacher.

Warum gibt es kaum noch klassische Mittelstürmer?

Gute Frage. Ich habe angefangen, da wurde überall mit drei Stürmern gespielt. Heute ist das anders. Man spielt jetzt mit der falschen Neun. Die Nationalmannschaft macht es vor. Nach Miroslav Klose gab es keinen echten Stürmer mehr. Ich finde es super, dass Bayern an Robert Lewandowski festhält. Der ist ein richtiger Mittelstürmer und trifft ohne Ende. Klasse!

Wer ist der Beste, mit dem Sie gespielt haben?

Andreas Herzog. Er war ein so lockerer Typ, wir waren beste Freunde. Auch auf dem Feld haben wir super harmoniert. Er wusste, wo ich hinlaufe. Es hat alles gepasst.

Und wer ist der Beste überhaupt?

Franz Beckenbauer. Seine Spielweise war einzigartig. Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, da habe ich zu ihm aufgeschaut. Er war ein Idol.

Wären Sie heutzutage gern Profi?

Nein. Zum Ende meiner Karriere habe ich den ganzen Stress schon mitbekommen, den die Spieler heute noch viel mehr haben. Ich war froh, mit 33 die Karriere zu beenden. Ich war froh, als Schluss war.

Erklären Sie das bitte.

Man darf sich heute gar nichts mehr erlauben und man hat keine wirkliche Freizeit mehr. Die Medien stürzen sich auf alles, was du machst und in deinem Leben dreht sich alles nur noch um Fußball, Fußball, Fußball. Das viele Geld, das die Spieler verdienen, das ist sozusagen auch eine Art Schmerzensgeld.

Und wieso waren Sie „froh, als Schluss war“?

Weil es bei meiner letzten Station in Nürnberg mit Trainer Klaus Augenthaler gar nicht geklappt hat. Warum? Keine Ahnung. Aber er hat mich gehasst. Zwischen uns, das ging einfach nicht. Und es war richtig frustrierend, wenn dir dein Chef immer sagt, dass du alles falsch machst und nichts kannst. Das hatte nichts mehr mit Fußball zu tun. So viel Glück ich mit Rehhagel hatte, so viel Pech hatte ich mit ihm.

Wie nah sind Sie noch dran an der Bundesliga?

Eigentlich kaum. Ich gucke die Sportschau, aber ich bin nicht so fußballverrückt, dass ich mir den Doppelpass oder die ganzen Sachen auf Sky anschauen muss. Ich interessiere mich eher für die Regionalliga, weil mein Sohn dort beim VfB Lübeck spielt.

Sie wechselten 1993 für 2,5 Millionen Mark nach Bremen. Was wären Sie heute wert?

(Lacht) Puh, das wüsste ich jetzt natürlich auch mal gern. Insgesamt ist es mir immer schleierhaft, wie so manche Marktwerte zustandekommen. Der eine ist so viel wert, der andere – warum auch immer – nur so viel. Es ist doch so, dass sich leider alles nur noch um das Geld dreht. Aber aus Spielersicht ist ganz klar: Jeder würde es nehmen.

ZUR PERSON

Bernd Hobsch (51) ist ein ehemaliger Fußballprofi, der 150 Spiele in der 1. Bundesliga absolvierte. Der Stürmer erzielte 51 Tore. Seine beste Zeit erlebte er in Bremen. Am letzten Spieltag der Saison 1992/93 schoss er den SV Werder mit zwei Treffern zur Meisterschaft. Ein Jahr später gewann er den DFB-Pokal. Er spielte auch für Leipzig, 1860 München, Stade Rennes und Nürnberg. Er wurde in Großkugel (Sachsen-Anhalt) geboren, lebt heute in Coburg (Oberfranken). Er hat zwei Söhne, ist geschieden und leitet seit Jahren eine Fußballschule.

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