„Klassenerhalt ist das Wichtigste“

Interview mit Wanfrieds Trainer Stefan Schröder zum Restart im Handball

Fokussiert auf die Zukunft: Stefan Schröder, Trainer des Handball-Landesligisten VfL Wanfried, erwartet eine schwere Spielzeit für seine Mannschaft. ARCHIVFOTO: MARVIN HEINZ
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Fokussiert auf die Zukunft: Stefan Schröder, Trainer des Handball-Landesligisten VfL Wanfried, erwartet eine schwere Spielzeit für seine Mannschaft.

Wie vor Kurzem mitgeteilt, nähert sich auch im Handball die Zeit des Stillstandes dem Ende.

Wanfried – Nachdem die vergangene Saison nach verspätetem Start und der Unterbrechung nach nur einem Spiel bereits frühzeitig endgültig abgebrochen wurde, hoffen die Verantwortlichen und Aktiven nun darauf, dass sie endlich wieder ihrem Sport nachgehen können.

Wie die letzten Monate das Handballerleben beeinflusst haben, welche Herausforderungen nun auf die Vereine warten und welche Perspektiven gesehen werden, darüber haben wir uns mit Trainer Stefan Schröder vom heimischen Handball-Landesligisten VfL Wanfried unterhalten.

Der Handball darf wieder starten. Welche Pläne haben Sie?
Um ehrlich zu sein, habe ich keine Pläne gemacht bisher. Wir hatten in der letzten Saison ein halbes Jahr Vorbereitung investiert, um am Ende ein Pflichtspiel zu absolvieren – nach einem verspäteten Saisonstart. So habe ich mir zwar permanent Gedanken gemacht, aber noch keine Pläne getroffen. Das werden wir jetzt natürlich forcieren, auch wenn ich die nun getroffenen Entscheidungen genauso wenig wie die damalige schnelle Unterbrechung im November nachvollziehen kann. Aber über allem steht natürlich die Vorfreude, endlich wieder unserem Hobby nachgehen zu dürfen.
In diesen Worten steckt einige Kritik an den Verantwortlichen. Was meinen Sie genau?
Wir wurden vor kurzem zu einer Videokonferenz mit Teilnehmern aller Landesligen eingeladen. Da waren dann über 50 Vereinsvertreter in der Konferenz. Das ist letztendlich viel zu viel, um kontrovers diskutieren zu können. Wobei Diskussionen, glaube ich, gar nicht gewünscht waren. Eigentlich wurden nur die getroffenen Beschlüsse verkündet. Sei es, dass der Saisonstart am 31. Oktober erfolgen soll und auch, dass die Landesliga in zwei Gruppen aufgeteilt wird. Da hätte ich mir gewünscht, dass man die Meinungen und Vorschläge der Vereine im Vorfeld abgeholt hätte.
Was hätten Sie sich anders gewünscht?
Ich weiß nicht, ob der Saisonstart tatsächlich erst am 31. Oktober erfolgen muss. Das sind immer noch fast fünf Monate, bis wir unseren Sport wieder im Wettbewerb ausüben können. Natürlich steht die Gesundheit über allem, aber andere Sportarten starten auch früher. Bei einem früheren Start wäre auch eine Gruppeneinteilung in der Landesliga Nord überflüssig geworden. Durch den Rückzug von Wehlheiden und Zierenberg wären wir auf 24 Spiele gekommen. Mit der Gruppeneinteilung, die ja auch noch festgelegt werden muss, reden wir von 16 bis 20 Spielen pro Verein. Zudem stellt sich mir die Frage, wenn nach regionalen Gesichtspunkten eingeteilt wird, ob dann die Gruppen in ihrer Leistungsstärke überhaupt homogen sind. Würde man vier Wochen früher starten, hätte aus meiner Sicht die Möglichkeit bestanden, die Serie normal zu spielen, was sportlich die gerechteste Lösung gewesen wäre.
Wie sieht die Vorbereitung beim VfL Wanfried aus?
Wir waren in den letzten Monaten untereinander immer in Kontakt, Training hat jedoch nur jeder für sich individuell absolvieren können. Von daher gehe ich davon aus, dass wir aus athletischer Sicht auf einem ganz ordentlichen Stand sind. Viel mehr Kopfzerbrechen bereitet mir der handballspezifische Teil. Natürlich wollen alle Aktiven am liebsten sofort wieder mit dem Ball arbeiten, aber wir müssen erst mal die Basics wieder auf einen normalen Stand bringen. Koordinatives Ball- und Beintraining, richtiges Zweikampfverhalten, Angriffs- und Abwehrverhalten sind nur einige der Punkte, die im Training erst mal wieder auf ein vernünftiges Wettkampflevel gebracht werden müssen. Dabei darf und soll auch der Spaßfaktor nach der langen Pause nicht zu kurz kommen. Auch für mich als Trainer bedeutet das eine komplett neue Herausforderung, da die Trainingssteuerung ganz anders als in den letzten Jahren erfolgen muss. Das sehe ich auch als spannende Aufgabe für mich, so kann man sich auch persönlich weiterentwickeln.
Welche Ziele hat Wanfried für die neue Saison?
Wir hatten schon vor Corona nicht die jüngste Mannschaft, nun sind alle noch mal anderthalb Jahre älter geworden. Positiv ist, dass die Mannschaft zusammenbleibt, aber frisches Blut würde uns sicherlich guttun. Wer die Handballsituation im Werra-Meißner Kreis kennt, weiß, dass es schwer ist, die Akteure vor der eigenen Haustüre zu finden. Bis aus dem eigenen Nachwuchs Verstärkungen in den Seniorenbereich kommen, geht noch ein wenig Zeit ins Land. Leider habe ich auch keinen aktuellen Stand, wie es bei der Konkurrenz in Sachen Neuzugänge und Abgänge aktuell aussieht. So wird unser erstes Ziel sein, dass wir in unserer Gruppe einen der ersten drei Plätze belegen, um nach Abschluss der Vorrunde nicht in der Abstiegsrunde spielen zu müssen. Der Klassenerhalt ist das Wichtigste.
Ihr Corona-Fazit?
Welche Folgen die Pandemie insgesamt für unseren Sport hat, wird man, glaube ich, erst in einigen Jahren abschließend beantworten können. Das wird sich in der Nachwuchsentwicklung zeigen, die ohnehin nicht einfach ist. Viele müssen erst wieder zum Sport motiviert werden und auch das ist eine große, herausfordernde Aufgabe. Ich hoffe nur, dass endlich wieder ein Stück weit Normalität Einzug halten wird und keine vierte Welle mehr kommt. Es wird einfach Zeit, zum normalen Leben in allen Bereichen zurückzukehren, soweit das möglich ist. (Stefan Konklowsky)

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