Die unfassbare Geschichte des Jan Wostmann

Er hat die gesamte Schützen-Szene auf den Kopf gestellt

Das Erfolgstrio: die Jestädter (von links) Bernd Schwanz, Sensationssieger Jan Wostmann und Jan Pöpperl. Foto: privat/nh

Leun/Jestädt. Jan Wostmann – dieser Name ist in Schützenkreisen in ganz Hessen bekannt. Vielleicht auch darüber hinaus.

Denn die Geschichte, die hinter dem sensationellen Landesmeistertitel im Schießen steckt, ist kurios, einzigartig, schier unglaubwürdig. „Was da abgelaufen ist, dafür gibt’s keine Worte. Alle haben ungläubig gestaunt. Ich konnte es ja selbst nicht glauben“, sagt der 28-Jährige, der vor wenigen Tagen in Leun (Lahn-Dill-Kreis) nicht nur Hessenmeister wurde, sondern auch einen Rekord aufstellte. Und das als Anfänger mit dem Gewehr. Es war Wostmanns sportliche Leistung des Lebens.

Der Ausfall eines Schützen der zweiten Mannschaft sorgte dafür, dass er mit nach Leun fuhr. „Ich bin eigentlich Kurzwaffenschütze und habe im Grunde keinerlei Erfahrung mit dem Unterhebelgewehr. Trotzdem war ich gleich dabei. Es kann ja nicht schaden, habe ich mir gesagt.“

Die benötigte Ausstattung wurde ihm von seinen Vereinskollegen zur Verfügung gestellt. Vom Scheitel bis zur Sohle muss alles stimmen. Auch das geliehene Gewehr war ihm völlig fremd, noch keinen einzigen Schuss hatte er zuvor damit abgegeben. „Meine Probeschüsse vor dem Start waren echt schlecht, ich wusste gar nicht, wie ich mit dem Gewehr umgehen muss.“

„Ich hatte keinerlei Erfahrung mit dem Gewehr.“

Doch der in Reichensachsen wohnende Sportler, der seit drei Jahren für Jestädt schießt, hatte einen großen Vorteil: Er hatte keinen Leistungsdruck. Völlig unvoreingenommen legte er los und war fassungslos über seinen so guten Start: „In der ersten Fünferserie habe ich viermal die höchste Punktzahl zehn geschossen, einmal die acht. Und das habe ich zweimal wiederholt. Es war der Wahnsinn, ich kann gar nicht erklären, wie es so gut laufen konnte.“ Nach 15 Schuss freistehend standen derart unfassbare 144 von 150 möglichen Ringen, dass die Wettkampfleitung auf den Stand kam und das Geschehen nicht nur über die Monitore, sondern live verfolgen wollte.

Alle wollten ihn sehen, den Neuling, der die Szene aufmischt.

Auch im Kniend-Anschlag behielt Wostmann die Nerven, setzte seinen überragenden Lauf fort und ging insgesamt mit 289 Ringen von 300 vom Stand. Hessenrekord! „Die Konkurrenz war fassungslos. Ehemalige Kaderschützen und Alte Hasen des Schießsports wurden regelgerecht vorgeführt von einem, der im Grunde Kurzwaffenschütze ist“, bestätigt Björn Marz vom SVE die Sensation.

Wostmann: „Diese Vorgeschichte, der Rekord, der Hessenmeistertitel – es ist überwältigend. Es war ein tolles Gefühl bei der Siegerehrung, die Goldmedaille zu erhalten.“ Weil es in dieser Klasse keine weiterführende Meisterschaft gibt, denkt er nun darüber nach, seine Unterhebelgewehr-Karriere auf dem Höhepunkt zu beenden – oder seinem Kollegen die Siegerwaffe abzukaufen. Aber was er auch macht, eines ist klar: Dieser Erfolg, der bleibt für immer.

Weitere Platzierungen 

Neben Hessenmeister Wostmann fuhr Edelweiß Jestädt weitere Medaillen ein. Hinter dem Sensationssieger standen Bernd Schwanz (282) und Jan Pöpperl (281) auf dem Treppchen, die Mannschaft Edelweiß I wurde durch Philipp Fahrenbach (277 Einzel, Platz sechs) vervollständigt und holte die Goldmedaille mit 34 Ringen Vorsprung auf Platz zwei. Die Dominanz der Jestädter über die hessische Konkurrenz wurde leicht getrübt, weil die zweite Mannschaft mit Wostmann, Björn Marz und Rolf Schmiedel eine Medaille mit drei Ringen verpasste.

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