Umfrage: Frankfurt auf Kurs Champions League

Platz vier in der Bundesliga: Das sagen Fans aus der Region zum Höhenflug der Eintracht

Ein Gesicht des Aufschwungs bei der Eintracht aus Frankfurt ist André Silva (links). Der Portugiese erzielte in dieser Spielzeit bisher sensationelle 17 Treffer. Luka Jovic (rechts) kam im Januar per Leihe von Real Madrid.
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Ein Gesicht des Aufschwungs bei der Eintracht aus Frankfurt ist André Silva (links). Der Portugiese erzielte in dieser Spielzeit bisher sensationelle 17 Treffer. Luka Jovic (rechts) kam im Januar per Leihe von Real Madrid.

20 Ligaspiele, 36 Punkte, Platz vier: Eintracht Frankfurt ist die Überraschungsmannschaft der Saison und steht vor Leverkusen, Dortmund und Gladbach. Klar, dass das viele Hessen freut. Auch aus dem Werra-Meißner-Kreis.

„Eintracht forever!“ – diese unmissverständliche Aussage ist so im Whatsapp-Status von Reiner Mayer aus Eschwege zu lesen. Und auch beim Blick auf Mario Zimmer aus Niederhone steht bei der Chat-Plattform die eindeutige Botschaft: „Hier regiert die SGE.“ Die SGE, das ist die SG Eintracht aus Frankfurt, der Adler aus Südhessen, der zum großen Höhenflug angesetzt hat. Das begeistert viele Fans aus der Region, wie nicht nur ob der Whatsapp-Infotexte zu erkennen ist.

Stefan Morhardt, Vorstandsmitglied der SV 07 Eschwege: „Das ist schon sensationell, was da gerade passiert. Aber ich habe so viel mit der Eintracht erlebt, wie zum Beispiel das 1:2 in Rostock, durch das wir die Meisterschaft 1992 am letzten Spieltag verspielt hatten. Deshalb bin ich noch immer etwas skeptisch. Ich warte seit Wochen auf einen Einbruch, aber der bleibt aus. Zum Glück. Rein sportlich könnten wir in der Europa League nächstes Jahr wohl mehr erreichen als in der Champions League. Aber wenn es so kommen sollte, glaube ich, dass Adi Hütter auch dafür einen Plan haben würde. Er ist der Hauptverantwortliche für den Erfolg. Spieler wie Amin Younes und Eric Durm hat er zu absoluten Leistungsträgern entwickelt und die Elf präsentiert sich als sehr gefestigt. Das hat man jetzt gegen Hoffenheim gesehen, als nach dem Ausgleich cool weitergespielt wurde. Insgesamt ist es derzeit eine großartige Zeit als Eintracht-Fan!“

Reiner Mayer aus Eschwege, der Vorsitzender des Eintracht-Fanclubs „Eagles“ ist: „Natürlich macht das im Augenblick großen Spaß und ist eine fantastische Momentaufnahme, es sind aber noch 14 Partien zu absolvieren. Das sollte man bei aller Euphorie nicht vergessen. Nach drei Partien in der Vorrunde hatte die Eintracht sieben Punkte und es wurde gleich wieder geschwärmt, dann folgte die große Serie der Unentschieden und die Packung in München. Das waren insgesamt neun Spiele mit sieben Unentschieden, wobei hier reichlich Punkte verschenkt wurden. Allerdings fehlte hier auch die Zugmaschine Kostic fünf Wochen lang. Sieben Remis, drei Siege und vier Niederlagen – nach dieser „Serie“ wurde erste Kritik an Trainer Adi Hütter laut, der sich aber in keinster Weise beeinflussen ließ und seinen Weg weitergegangen ist. Der Umschaltpunkt war der Auswärtssieg in Augsburg sowie die Heimspiele gegen Mönchengladbach und Leverkusen. Seit dem weiß jeder, was bei uns möglich ist. Und die Rückkehr von Luca Jovic ist natürlich Gold wert für die Mannschaft und insbesondere für Filip Kostic, der seitdem immer stärker wird. Wenn sich kein Leistungsträger verletzen sollte und Platz sechs und die Euro League rausspringen, die Fans vielleicht wieder dabei sein können, dann wäre doch alles in Ordnung! Als Eintracht-Fan musste man schon immer leidensfähig sein, also erfreuen wir uns mal an der jetzigen Situation.“

Mario Zimmer vom SC Niederhone: „Es läuft so gut, weil die Eintracht wesentlich ballsicherer geworden ist als in der Vergangenheit und somit Situationen spielerisch lösen kann. Die Mannschaft hat das Selbstvertrauen und die Qualität, auch nach einem Gegentor das Spiel entscheidend zu bestimmen. Und auch das – zu Recht – angelastete Diva-Verhalten bleibt im Moment aus. Wenn man auf den Saisonstart schaut, war das, was im Moment so abläuft, nicht abzusehen. Allerdings muss ich auch sagen, dass ein Champions-League-Platz zum Saisonende für mich nicht realistisch ist. Es wird schwer genug, um unter die ersten Sechs zu kommen. Da stehen um uns große Namen mit starken Teams.“

David Diehl, langjähriger Fußballer aus dem Werra-Meißner-Kreis, der jetzt in Göttingen lebt: „Der Aufschwung hat viel mit der Entwicklung zu tun. Vor Jahren, als Bruchhagen seinen Hut genommen hatte und Bobic und Hübner mit einer neuen Vision auf junge Talente setzen und sich als Ausbildungsverein positionierten, das hat bisher ja super funktioniert. Wir hatten die Büffelherde mit Jovic, Rebic und Haller – alle sind gegangen und dass sie bei ihren Teams nicht so richtig klarkamen, das zeigt auch, was man bei der Eintracht Gutes vorfindet. Es ist wie eine große Familie, vieles passt im Verein. Ich hoffe, dass Frankfurt von diesem Ausbildungsverein wegkommt und eben richtig gute Spieler auch halten kann und dauerhaft international spielt. Das wäre sensationell. Zudem hat die SGE die nötige Ruhe im Vergleich zu früher. Auch von Fanseite heißt es nach einer Niederlage nicht gleich wieder Trainer raus, sondern jeder kann in Ruhe arbeiten. Wir haben diese Doppelbelastung mit Liga und Europa League nicht, was auch zu einem Einbruch führen könnte. Deshalb bin ich optimistisch und sehe ein stimmiges Gesamtkonzept, bei dem noch vieles möglich ist. Ich hoffe, dass das so noch lange weitergeht!“

Niklas Reimuth, Torwart der SG Sontra: „Als Fan bin ich richtig stolz darauf, was die Mannschaft derzeit abliefert. Aber natürlich schaut man auch mit einem weinendem Auge hin, da es keine Möglichkeit gibt, die Jungs vor Ort zu unterstützen. Gerade wo jetzt mit dem 1. FC Köln und den Bayern zwei Teams kommen, gegen die das Team noch einen Extra-Push vertragen könnte. Wir Fans bringen im Stadion zusätzliche Kraft, was in den wichtigen Spielen den Unterschied ausmachen kann. Und es wäre der Wahnsinn, wenn wir uns tatsächlich für die Champions League qualifizieren würden. Aber das ist noch weit weg und im April haben wir ein brutales Programm gegen die direkte Konkurrenz.“

Von Nico Beck und Stefan Konklowsky

Mit Trikot und Cap seines Lieblingsclubs: David Diehl ist Eintracht-Fan durch und durch.

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