100 Jahre SC Germerode: Tolle Tore bei Jubiläumsspielen

Peter Schinköth trifft wie einst Antonin Panenka

+
Noch immer ein Guter: Markus Albrecht lässt sich in dieser Szene nicht stoppen, auch den Schützen zum 7:0, RWE-Kapitän Mario Franke (rechts), kann er gleich umkurven.

Großes Spektakel und tolle Tore hat es bei den sportlichen Höhepunkten zum 100-jährigen Bestehen des SC Germerode zu sehen gegeben. Wir berichten über die Ereignisse am Samstag.

Beim Stand von 9:1 für die Traditionsmannschaft von Rot-Weiß Erfurt stand noch die Überschrift „Alle Tore erzielten die Erfurter“. Am Ende passte das allerdings nicht mehr, weil Dominik Baldauf und Matthias Achtner in der Schlussphase noch die Treffer zum 3:9-Endstand aus Sicht der Ehemaligen des SC Eintracht Germerode erzielten.

Wieso bis zum 9:1 alles Erfurter Tore? Ganz einfach, weil Peter Schinköth, der einen Handelfmeter zum 1:7 verwandelte, ebenfalls aus Erfurt stammt, erst nach der Wende den Weg nach Germerode fand und dort bis heute bleibende fußballerische Eindrücke hinterlassen hat. Zurück zum Elfmeter: Den hat er verwandelt wie einst Antonin Panenka. Wir erinnern uns: Beim Europameisterschaftsfinale 1976 fiel die Entscheidung im Elfmeterschießen. 2:2 hieß es nach Verlängerung zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei. Und Panenka versetzt Sepp Maier mit einem Heber in die Mitte des Tores zum Titel. Und haargenau so verwandelte Peter Schinköth den Handelfmeter zum 1:9, Otto Wolfram im Gehäuse der Thüringer blieb ohne Abwehrchance, weil er die aus seiner Sicht linke Ecke gewählt hatte.

Jubiläumsspiel Nummer eins: Die Ehemaligen vom SC Eintracht Germerode und die Traditionsmannschaft von Rot-Weiß Erfurt stellen sich mit den Einlaufkindern zum Erinnerungsbild an das 100-jährige Vereinsbestehen, das im Mohnblütendorf gefeiert wurde. 

Die Rotweißen ließen von Beginn an Ball und Gegner laufen, da war sofort zu merken, dass das Traditionsteam, das sich aus ehemaligen DDR-Oberliga-Spielern sowie Akteuren, die in der zweiten und dritten Liga für Erfurt viel Erfahrung gesammelt haben, zusammensetzt. Darunter auch Erfurts Fußballer des Jahrhunderts, Jürgen Heun.

Bei den von ihrem ehemaligen Erfolgscoach Christian Buchenau, der über viele Jahre bei all seinen Vereinen hervorragende Arbeit geleistet hat, betreuten SCE-Oldies blieb festzustellen, dass mit nur einer Trainingseinheit und klaren konditionellen Defiziten keine fußballerischen Berge zu versetzen sind. Da erzielten selbst die Spurts des noch immer agilen Frank Beck nichts, und auch das Pausenbrötchen, das Paula Meurer, ganz so wie schon vor 34 Jahren Sepp Unhoch zur Auswechselbank brachte, hatte keinerlei Wirkung.

Auf die Frage, warum Christian Buchenau die Taktik nicht änderte: „Ich habe zwischenzeitlich versucht, auf eine Sechser-Kette auf der Sechs umzustellen, aber selbst damit konnten wir Erfurt nicht aufhalten“, sagt er und ruft lauthals aufs Feld: „Eugen Stebner, wir spielen nach unten, du hast die falsche Richtung.“

So richtig Lust auf Fußball hatte der vierfache Torschütze und technisch beschlagene Marc Kümmerling, der allerdings ist nicht über die Thüringenliga hinausgekommen. Warum? „Zwischen 19 und 23 habe ich gedacht, mir gehört die Welt. Und als ich mich mit 24 besonnen habe, war der Zug abgefahren, selbst den Weg in die dritte Liga habe ich nicht mehr gepackt“, sagte er ganz ehrlich beim WR-Gespräch.

Und ein Dankeschön geht an Schiri Marc Kuszczyna, der beide Augen in der Schlussphase geschlossen hielt, als Christian Buchenau bis zu fünf Auswechselspieler mit aufs Feld schickte. Und nicht zu vergessen: Stark im Tor präsentierte sich Tim Bachmann, der eine höhere Niederlage verhinderte.

Ehemalige SC Germerode - Rot-Weiß Erfurt 3:9

Ehemalige SC Germerode:

Bachmann - Achtner, Albrecht, Baldauf, Beck, Eichenberg, Felmeden, Meurer, Oehler, J und T., Opas, Reubert, Saakel, Schinköth, Seifert, Stebner, Stock, Unhoch, Veit, Voßbeck, Zeuch Matt. und Mar., Zindel. Traditionsmannschaft Rot-Weiß Erfurt: Otto - Ehrlich, Appelt, Oehler, Hampel, Kümmerling, Franke, Ullmann, Traub, Hölbing, Olinyk, Gensbügel, Möckel, Leischner, Esche, Heun. 

Tore: 0:1, 0:2, 0:6, 1:8 Kümmerling, 0:3 Mückel, 0:4 Olingk, 0:7 Franke, 1:7 Schinköth (HE), 1:9 Leischner, 2:9 Baldauf, 3:9 Achtner. 

Schirigespann: M. Kuszczyna, K. Klebe, M. Ullrich.

Das zweite Spiel des Jubiläums:

1. Mannschaft des SC Germerode (A-Liga) - Traditionsmannschaft SC Paderborn 6:3.

Die Traditionsmannschaft des Bundesliga-Aufsteigers SC Paderborn 07 war beim Jubiläum des SC Germerode Gastverein Nummer zwei, der die aktuelle erste Mannschaft forderte. Allerdings bestimmten nicht die Oldies das Geschehen; beim völlig verdienten 6:3 machte die Eintracht so richtig Appetit auf die neue Saison, die für den Jubilar nächste Woche beginnt. „Wir sind davon ausgegangen, dass wir gegen die Routiniers keine Chance haben, doch früh blieb uns die Erkenntnis, dass Schnelligkeit ein ganz wichtiger Faktor sein wird, unsere in die Jahre gekommenen Gegner waren dann doch nicht mehr so gut auf den Beinen, was besonders bei Sprinteinlagen zu sehen war“, lobte SCE-Trainer Franz-Josef Riesinger die Art und Weise, wie seine Jungs agierten.

In der Tat, da waren Laufstärke, Ballsicherheit, technische Varianten und auch gefällige Spielzüge zu erkennen, die dem Gast aus Ostwestfalen kaum eigene Entfaltungsmöglichkeiten erlaubten. Klar ist natürlich auch, wenn zwei Sonntagsschüsse aus jeweils 25 Metern, fast von der gleichen, halbrechten Position abgefeuert, den Weg ins Netz finden, dann ist die Basis geschaffen. Es waren quasi zwei Abschiedsgeschenke von Jens Veit, der sich aus beruflichen und familiären Gründen von der Eintracht, nun allerdings gebührend, verabschiedet. Schuss Nummer eins landete haargenau und unhaltbar im Triangel, Nummer zwei klatschte zunächst an die Unterkante der Latte, wobei das Leder deutlich hinter der Linie aufkam. „Ja, so zwei Granaten, die gelingen dir nicht immer“, schmunzelte Jens Veit, der sich nach 60 Minuten auswechseln ließ, beim Gang in die Umkleidekabine. 

Die nächsten Achtungszeichen setzten Lucas Franke und David Jank. Lucas Franke marschierte auf der rechten Seite im Schweinsgalopp und zog eine scharfe Flanke flach an den Fünfmeterraum. Der treffsichere Dauerläufer David Jank lauert einschussbereit, aber Martin Piechota hat ihm mit einem Eigentor die Arbeit abgenommen. „Er ist quasi zum Eigentor gezwungen worden, konnte sich wahrlich nicht wehren“, so Franz-Josef Riesinger, der kurz danach David Jank ein Traumtor per Kopf bescheinigte. „Bei der vorausgehenden Ecke war er von vier Abwehrspielern umzingelt, stieg aber am höchsten und drückte den Ball ins Netz“, jubelte der SC-Eintracht-Trainer. 

Dass man Routiniers der Güteklasse eines Krzystof Karpovicz nicht so viel Raum lassen darf, wurde bei den Anschlusstreffern kurz vor der Halbzeit deutlich, die er jeweils aus der Distanz von rund 18 Metern erzielte. Aber kaum, dass Schiedsrichter Marco Buchenau aus Ulfen die zweiten 45 Minuten angepfiffen hat, da zeigte schon Tom Sippel seine Schussqualitäten. Er umkurvte einen Gegner und zielte mit seinem Flachschuss aus 14 Metern ins lange Eck. Und bevor Jonas-Ben Müller einen an David Jank verwirkten Foulelfmeter zum 6:3- Endstand förmlich ins Netz torpedierte, hätte schon David Jank, respektive Matthias Henning, das halbe Dutzend vollmachen können. David Jank stand am Fünfmeterraum ganz allein vor Torwart Wiechers, hatte das Leder direkt vor dem Fuß, als Matthias Henning ihm in den Weg gelaufen ist. Einer von beiden hätte zurückziehen müssen, und schon wäre die Entscheidung viel früher gefallen.

1. Herrenmannschaft SC Eintracht Germerode: Riesinger - Berg, Brug, Borkenhagen, Dünkel, Franke, Hennemuth, Henning, Jank, Kloss, Koch, Lohfink, Müller, Sippel, Schleuchardt, Schmidt, Veiga-Duarte, Veit.

Traditionsmannschaft SC Paderborn: Wiechers - Röbers, Schopny, T. und M. Piechota, Pianella, Maaß, Rebbe, Schwarz, Hajok, Karpovicz, Parrotta, Müller.

Tore: 1:0, 2:0 Veit, 3:0 M. Piechota (ET), 4:0 Jank, 4:1, 4:2 Karpovicz, 5:2 Sippel, 5:3 Schopny, 6:3 Müller (FE).

Schiedsrichtergespann: Marco Buchenau, Alexander Riefert, Maximilian Schmidt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare