Das Training geht nicht nur allein

Kegler aus Sontra über den tristen Alltag während Corona

Trainiert aktuell mehrmals pro Monat: Floriam Böhm von KV Blau-Weiß Sontra gibt an, dass die Trainingseinheiten alleine etwas monoton werden. Archivfoto: Marvin Heinz
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Trainiert aktuell mehrmals pro Monat: Floriam Böhm von KV Blau-Weiß Sontra gibt an, dass die Trainingseinheiten alleine etwas monoton werden. Archivfoto: Marvin Heinz

Am 28. Februar wurde es offiziell. Der Spielbetrieb in der Ersten und Zweiten Bundesliga und in den Ligen des Hessischen Sportkeglerverbandes ist aufgrund der Coronapandemie mit sofortiger Wirkung ohne Wertung abgebrochen worden.

Sontra – Die Kegler vom Kegelverein Blau-Weiß Sontra hätten die Saison gerne über den 30. Juni hinaus fortgesetzt. Mit 11 Punkten aus sechs Spielen waren die Kupferstädter in die Saison gestartet und belegten als Aufsteiger den zweiten Tabellenplatz in der Zweiten Bundesliga-Nord. „Unsere Leistungen waren in Teilen sogar herausragend“, ärgerte sich Sportwart Joachim Gerlach, dessen Mannen seit rund drei Monaten wieder trainieren – mit unterschiedlichen Ansätzen.

Als im März Training zu zweit oder im familiären Rahmen wieder möglich war, war Michael Mutter als einer der ersten wieder auf der Bahn an der Jahnstraße zu finden. „Zum Glück habe ich beim Kegeln immer Zahlen vor Augen“, sagte der 48-jährige Mutter, dessen Leistungen sich zwischen 880 und 900 Holz einpendeln. Mutter, der mit 967 Holz den Bahnrekord innehat, fehlte aber das Gegenhalten und der Wettkampfmodus für Fabeldurchgänge.

Einfach dranbleiben

Wenn er mit seinen Söhnen Jonas (22) und Julian (14) sowie mit seinem Vater Gerhard Mutter (72) auf der Bahn steht, kommt kein Konkurrenzdenken auf. Nach einer Knie-OP spielt sein Vater nicht auf Ergebnisse, während seine Söhne mit 600 und 700 Holz noch in einer anderen Liga kegeln. Mutter im WR-Gespräch: „Es geht nur darum, dran zu bleiben.“

Moritz Gerlach feierte im Jahr 2019 als 18-Jähriger den dritten Platz bei den Hessischen Meisterschaften der unter 23-Jährigen. Ein solches Ziel hat die Nachwuchshoffnung in diesem Jahr nicht vor Augen. „Es ist ärgerlich. Ich kann zum zweiten Mal nicht auf dieser Bühne mein Können unter Beweis stellen“, sagte der enttäuschte 20-jährige Werkzeugmechaniker. Sein Trainingspensum hat er gedrosselt. „Der Fokus war weg, wenn man keinen hat, mit dem man sich messen kann“, erzählt Gerlach.

Florian Böhm trainiert viermal pro Monat. Ergebnisse sind für den 28-Jährigen im Moment noch zweitrangig. „Ich achte im Moment auf die Abläufe, den Wurf und die Schrittfolge“, berichtet Böhm, der im Wettkampf zumeist den Aufsatzpunkt als wichtigen Parameter für den Wurferfolg im Blick hat.

Tipps und Ratschläge in puncto Technik erhält Böhm von Daniel Hofmann. Der frühere Junioren-Weltmeister (29) trainiert zumeist zeitgleich. Für die Feinjustierung des Wurfverhaltens filmen sich die Böhm und Hofmann. Hierbei kommen kleine Fehler zum Vorschein. Trotz allem Elan gibt Böhm im WR-Gespräch aber an, dass der Trainingsehrgeiz mit der Zeit etwas verloren geht.

Monotones Training

Die Trainingsatmosphäre ist monoton, trist und öde. In diesem Zuge liefert der Sontraer ein eindeutiges Argument: „Uns fehlt auch die Gemeinschaft nach dem Sport – das gehört einfach dazu.“ (Marvin Heinz)

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