FUSSBALL Herleshäuser erinnert sich an ausverkauftes Auestadion

Als dem Herleshäuser Klaus Andreas von Uwe Seeler auf einen Finger getreten wurde

Schwelgt in Erinnerungen: Klaus Andreas aus Herleshausen. Foto: Marvin Heinz

Das Hessenliga-Derby zwischen Hessen Kassel und Baunatal am Ostermontag soll ein Rekordspiel werden. Klaus Andreas aus Herleshausen hat ein rappelvolles Auestadion schon erlebt.

VON MARVIN HEINZ

Der 16. Januar 1965 ist dem Herleshäuser Klaus Andreas noch so präsent, als wäre dieses Datum erst gestern gewesen. Der damals 16-jährige Jugendfußballer des TSV Netra machte sich mit seinen Freunden auf den Weg zur Erstrundenpartie des DFB-Pokals nach Kassel. Der KSV Hessen empfing im restlos ausverkauften Auestadion den Hamburger SV. Tagelang hatte Andreas dem Duell mit dem Tabellendritten der Bundesliga entgegenfiebert. Nicht nur er. Das Spiel elektrisierte ganz Nordhessen.

Der HSV war Zuschauermagnet, der mit dem besten Mittelstürmer der Welt viel Spektakel versprach. Uwe Seeler, das große Idol der 1960-er Jahre. 404 Tore in 476 Partien für den HSV. Eine Gallionsfigur – vergöttert von der Elbe bis zur Isar.

40 000 Zuschauer pilgerten vor allem wegen Seeler in das 1953 eingeweihte Auestadion. „Trotz der im Vorverkauf erworbenen Tickets stand ich kurz vor Anpfiff noch vor verschlossenen Türen“, erinnerte sich Andreas, der sich noch an heftige Unmutsäußerungen der Wartenden entsinnen kann. Rund um das Stadion herrschte Ausnahmezustand. Der heute 80-jährige Wilhelm Sennhenn aus Herleshausen war an diesem Nachmittag als Polizist im Einsatz: „Es ist heute undenkbar, dass es trotz der chaotischen Umstände zu keiner Panik gekommen ist.“

Trotzdem fand Andreas einen Weg rein. Nachdem er sich hindurchgedrängt hatte, setzte er sich direkt neben die Eckfahne. Und er sah, wie Seeler nach zwölf Minuten die Führung für den HSV markierte. Der Stürmer, der im Strafraum mit Hinterkopfballtoren und explosiven Fallrückziehern glänzte, war sich nie zu schade für die Drecksarbeit. „Seeler war damals schon der Prototyp der modernen Stürmer“, erzählte Andreas, der am Ende der ersten Hälfte Seeler auf sich zulaufen sah. Über die Außenbahn versuchte der Hamburger das HSV-Spiel anzutreiben, als ein Ball im Aus landete. Und dabei trat Seeler Andreas versehentlich auf den Finger. Prompt entschuldigte sich der damals 28-Jährige: „Tut mir leid, Kleiner.“ Andreas war im siebten Himmel. Ein Treffer für die Ewigkeit: „Die Berührung werde ich nie vergessen.“

Nachdem „Charly“ Dörfel den 2:0-Endstand erzielte, da stand für den Herleshäuser sofort fest: „Der getroffene Finger wird vor Ehrfurcht mehrere Tage nicht gewaschen.“

Wie nahbar Uwe Seeler ist, das sollte Andreas im Jahr 1981 ein zweites Mal erleben. Auf einer Zugfahrt traf er Seeler, der nach seinem Karriereende als Markenbotschafter für einen Sportartikelhersteller unterwegs war. Vorsichtig sprach Andreas sein Kindheitsidol an. Seeler nahm Andreas gleich alle Hemmungen und eröffnete ein munteres Gespräch, in dem er deutlich machte, dass er sich noch gut an das völlig überfüllte Kassler Stadion erinnern könne. „Seine noble Geste gegenüber mir hatte er aber nicht auf dem Schirm“, erzählte Andreas, der Seeler in der Folge bei Länderspielen im VIP-Bereich mehrfach über den Weg lief. Bei einem ist sich Andreas sicher: „Egal, wie gut das Derby zwischen dem KSV Hessen Kassen und dem KSV Baunatal am Ostermontag besucht wird, so ein Andrang wie vor 54 Jahren wird es – leider oder wohl auch glücklicherweise – nicht mehr geben.“

ZUR PERSON

Klaus Andreas (70) ist selbstständiger Unternehmens- und Personalberater und wohnt in Herleshausen und Nürnberg. Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr, einem BWL-Studium und mehreren Berufsetappen verschlug es ihn nach Nürnberg. Über zehn Jahre prägte er die Geschehnisse beim TSV Winkelhaid und schaffte mit Ex-Profi Manfred Drexler den Weg bis in die Bezirksliga. In der 1990-er Jahren war Andreas kurz davor, Spielberater für Fußballer und Eishockey-Spieler zu werden. Seine freundschaftliche Beziehung zum slowakischen Eishockeyspieler Joshi Golonka hätte der Anfang sein können, aber Andreas wollte sein

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