Interview mit Abteilungsleiter Harald Zaremba

Deshalb steckt der SV Reichensachsen mit seinen Fußballteams in der Krise

Hat alle Höhen und Tiefen im Verein miterlebt: Harald Zaremba, der sich seit über 40 Jahren in der Fußballabteilung des SV Reichensachsen engagiert. ArchivFoto: HARALD Triller

Die Fußballabteilung des SV Reichensachsen erlebt derzeit eine schwierige Phase. Wir haben bei Abteilungsleiter Harald Zaremba (59) nachgefragt.

VON NICO BECK

Reichensachsen – Der SV Reichensachsen steckt mit seinen drei Fußballmannschaften derzeit in der Krise. Die erste Herrenmannschaft in der Gruppenliga verlor sechsmal in Serie und steht nach zehn Spielen und nur zwei Siegen auf einem Abstiegsplatz, die „Zweite“ in der Kreisliga A holte noch keinen einzigen Punkt und auch die Frauen gaben in der Kreisoberliga zuletzt ein schlechtes Bild ab und konnten am vergangenen Spieltag keine Mannschaft stellen. Was ist los beim SVR?

Harald, wie erlebst du die derzeitige Situation in eurer Abteilung?

Es ist schwierig, das ist gar keine Frage, und natürlich habe ich auch schlaflose Nächte. Aber es gibt Gründe, warum es derzeit so läuft.

Welche?

Wir haben momentan einfach zu viele Ausfälle. Bei den Frauen fehlten jetzt vor dem letzten Spiel 14 Spielerinnen wegen Verletzung, Beruf, Urlaub. Und weil eine Verlegung mit dem Gegner leider nicht zustandegekommen war, mussten wir absagen. Bei den Frauen wird sich die Situation aber wieder bessern und sich die Lage auch schnell wieder normalisieren. Bei den Männern ist das etwas anders, da muss neben den Ausfällen unterm Strich klar gesagt werden, dass wir einen zu kleinen Kader für die erste Mannschaft haben. Und darunter leidet dann eben auch die zweite Mannschaft. Bei der „Zweiten“ pendelt es sich aber wieder ein, sobald wir unseren Gruppenliga-Kader vergrößert haben.

Gibt es denn schon Pläne?

Natürlich. Wir arbeiten täglich daran, neue Spieler zu holen, aber das ist in der heutigen Zeit nicht so leicht. War es auch im Sommer schon nicht, sonst hätten wir bereits einen breiteren Kader.

Warum klappt es nicht?

Das ist schwer zu sagen. Einerseits helfen uns ja nur Spieler weiter mit gutem Potenzial oder Gruppenliga-Niveau. Das begrenzt die Auswahl. Und einige überschätzen sich maßlos und wollen zu früh schon zu hoch hinaus, statt regelmäßig zu spielen, wie man es bei uns in der Gruppenliga könnte. Oder sie spielen lieber eine Liga tiefer. Fakt ist, dass einige, mit denen wir gesprochen haben, bei uns wesentlich mehr gespielt hätten als sie das bei ihren jetzigen Vereinen tun. Das ist schade für sie und auch für uns.

Wie erklärst du dir eure vielen Ausfälle?

Unser Gruppenligateam hatte in drei, vier Wochen gleich sieben Spiele gehabt. Das ist eine enorme Belastung. Vier Spieler haben sich zum Beispiel einen Muskelfaserriss zugezogen. Hinzu kommt das berufsbedingte Fehlen von Spielern, das aber natürlich legitim ist. Diese Situationen finden auch andere Vereine in ihren Teams vor, uns trifft es wegen dem kleinen Kader aber besonders hart, zumal wir unsere Spiele ja nicht haushoch und ohne Kampf verlieren.

Die derzeitige Misere dürfte auch Sponsoren und Gönnern nicht gefallen. Verspürt ihr dadurch zusätzlichen Druck?

Die Momentaufnahme gefällt niemanden, der es mit dem SV Reichensachsen hält. Aber unsere Sponsoren stehen auch in schlechten Zeiten hinter uns. Dafür sind wir sehr dankbar.

Wie kann es denn wieder bergauf gehen?

Wenn man hinfällt, dann muss man wieder aufstehen. Und das werden wir. Wir brauchen spätestens im Winter unbedingt neue Spieler für die erste Mannschaft – und wir müssen endlich wieder gewinnen. Selbst bei Bayern München ist es so: Wenn die erste Mannschaft gewinnt, dann geht’s den Leuten im Verein gut. So ist es auch in unserer Abteilung. Beim SVR hat niemand den Mut verloren. Das stimmt uns alle optimistisch, zumal wir im Jugendbereich einen großen Aufwand betreiben und diese Früchte hoffentlich irgendwann ernten können.

Ist Florian Mönche denn noch der richtige Trainer?

Absolut! Man darf sich nicht von Ergebnissen leiten lassen, sondern muss das große Ganze sehen. Er ist sehr engagiert und es lässt sich auch niemand hängen bei uns.

Welche Auswirkungen hat Corona auf eure Spieler, die aus Tschechien anreisen?

Die Bestimmungen wurden verschärft, jedoch dürfen sie für einen Tag einreisen. Wir sind da sehr vorsichtig und die Spieler müssen einen Coronatest machen. Bei Brozik, einem unserer Besten, ist es leider so, dass er vorerst nicht mehr spielen wird. Das erlaubt sein Arbeitgeber nicht.

Am Samstag, 17.10.2020, gastiert der SV Reichensachsen um 15.30 Uhr beim Tuspo Grebenstein.

KOMMENTAR Von Nico Beck (Ressortleiter Lokalsport)

Harald Zaremba hat gar nicht erst versucht, die Krise seiner Mannschaften schönzureden. Der Leiter der Fußball-Abteilung des SV Reichensachsen schildert Gründe und Umstände, weshalb es derzeit nicht läuft, und macht kein Geheimnis daraus, wie sehr ihn die Lage mitnimmt. Der 59-Jährige ist momentan nicht zu beneiden, denn sämtliche Drähte der Sparte laufen bei ihm zusammen, unzählige Gespräche müssen geführt und wichtige Entscheidungen von ihm und seinem Vorstandsteam getroffen werden. Die Wichtigste ist aus dem Gespräch bereits klar und deutlich herauszuhören gewesen: Die Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft und der Glaube an die eigene Stärke werden niemals aufgegeben. In harten Zeiten Optimismus auszustrahlen und diesen vorzuleben, das ist schwer, aber genau richtig.

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