Sontras Super-Samstag

Aufsteiger gewinnt ersten Wettkampf in der 2. Bundesliga im Kegeln

Filigran an der Kugel: Florian Böhm.

Die Sportkegler des KV Sontra haben einen eindrucksvollen Start in die 2. Bundesliga hingelegt.

VON MARVIN HEINZ

Sontra – Leise, fast schon gespenstisch war die Atmosphäre beim ersten Spieltag des Sontraer Kegelvereins Blau-Weiß. Dabei fieberten die Spieler nach der Meisterschaft in der Hessenliga dem Start in die 2. Bundesliga Nord seit Monaten entgegen – und ließen ihren Emotionen nach dem überragenden 3:0 gegen Osnabrück am ersten Spieltag auch freien Lauf. Doch zuvor war die Freude noch gedämpft. Coronabedingt ließ der Verein beim Duell gegen VOK Osnabrück keine Zuschauer zu. Nur 27 Personen durften sich in der Kegelanlage an der Jahnstraße aufhalten. „Dass kein Publikum da ist, ist ein Nachteil für uns, weil die Stimmung fehlt und auch die Einnahmen. Da alle anderen Vereine in der Region an diesem Wochenende nicht spielen, hätten wir mit bis zu 100 Zuschauern gerechnet“, sagte der Vorsitzende Markus Langer vor dem ersten Wurf.

Trotz der fehlenden Euphorie der Zuschauer waren seine Sportler von Beginn an hochmotiviert. „Wir wollen mit Sieg in die neue Saison starten“, betonte Sportwart Joachim Gerlach, der im ersten Block von Marcus Kachel einen Auftakt nach Maß erlebte. Mit seinen ersten 13 Wurf räumte der 50-jährige Eschweger alle neun Kegel ab. „Holz“, hallte es leise, aber bestimmt von seinen Mitspielern durch den Raum. Bereits im ersten Durchgang demonstrierten Kachel (231 Holz) und Michael Mutter mit 239 Holz ihre Stärke. Anfangs schüttelte Mutter, der mit 967 Holz den Bahnrekord hält, immer wieder den Kopf. „Wenn die Kugel mal nicht perfekt läuft, merke ich das sofort. Es sind dann Mikrokorrekturen notwendig“, erklärte er, der um die große Gefahr weiß: „Wenn man mal auf der dicken Fünf geladen ist, neigt man häufig zu Überkorrekturen.“ Am Ende gab es für den 47-Jährigen gar keinen Anlass zum Kopfschütteln, auch große Korrekturen waren nicht nötig. Im Gegenteil. Einzig der dritte Durchgang mit 221 Holz passte nicht in das so souveräne Bild des Sontraers, der am Ende mit 947 Holz und einem Freudensprung das erste Ausrufezeichen der Saison setzte. Kachel schloss mit starken 891 Holz ab und hielt die Kegler aus dem Osnabrücker Land (Hösel 859, Schäfer 787) deutlich auf Distanz.

Mit Argusaugen verfolgte Helmut Strube aus Süß (Hersfeld-Rotenburg) das Geschehen. Als Schiedsrichter, der in der 2. Bundesliga immer Pflicht ist, hat der 72-Jährige unter anderem die Aufgabe, das Übertreten zu ahnden. „Die Kugel darf nicht auf der Laufbahn aufsetzen und Beschimpfungen sind natürlich auch zu bestrafen“, erzählte Strube, der im zweiten Block sah, wie Florian Böhm gleich zu Beginn auf Bahn 1 mit 244 Holz die Muskeln spielen ließ. Am Ende brachte das Sontraer Eigengewächs 880 Holz auf die Bahn. Auch Thomas Mutter, der nur mit seiner weinroten Kugel kegelt, stand dem 28-jährigen Böhm in nichts nach und bestätigte mit 879 Holz seine starken Leistungen der vergangenen Trainingstage. Markus Langer (864 Holz) und Andreas Schad mit 915 Holz machten den deutlichen 3:0-Heimsieg perfekt. Auch ohne die Unterstützung der Fans.

JETZT AUSWÄRTS GEFORDERT

Nach dem furiosen 3:0-Heimsieg gegen VOK Osnabrück reist die erste Mannschaft des Kegelvereins Sontra am Samstag (13 Uhr) als Tabellenführer zum CfK GW 65 Rösrath. „Da waren wir 2014 schon, in der letzten Saison in der 2. Bundesliga, das ist südöstlich von Köln“, erinnert sich Sportwart Joachim Gerlach, der nach sechs Jahren mit viel Demut in den Rheinisch-Bergischen-Kreis zurückkehrt: „Das ist unser erstes Auswärtsspiel auf diesem Niveau und in gewisser Weise natürlich dann auch eine Art Neuland.“ Rösrath gehört zu den Favoriten um den Aufstieg in die Bundesliga und punktete zu Beginn gleich auswärts beim Lokalrivalen aus Mülheim. „Gewinnen ist unwahrscheinlich, nach diesem Spiel werden wir sehen, wohin die Tendenz auswärts geht“, stapelt Gerlach bewusst tief, der seinen Spielern gute Trainingsleistungen bescheinigt und keine Veranlassung sieht, das Team umzustellen. Neben dem gesetzten Trio um Michael Mutter, Marcus Kachel und Andreas Schad werden auch wieder Florian Böhm, Markus Langer und Thomas Mutter im Aufgebot der Kupferstädter stehen.

Unterdessen gastiert die Zweitvertretung der Sontraer in der Verbandsliga zum Auftakt am Samstag (15 Uhr) bei Eintracht Heringen. Gerlach über das Spiel in Osthessen: „Ein Punktgewinn ist im Bereich des Möglichen.“ Gesundes Mittelfeld mit Tendenz nach oben sei das Saisonziel des Teams. In der Bezirksoberliga geht es für die dritte Sontraer Mannschaft bei der KSG Kassel III (Sonntag, 13.45 Uhr) zum ersten Mal zur Sache.

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