„Veraltete Strukturen“

Machtkampf rund um DFB-Präsident Fritz Keller sorgt für Unmut im Kreis

Fitz Keller.
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DFB-Präsident Fritz Keller steht aktuell scharf in der Kritik.

Es war vor rund einer Woche ein Paukenschlag in Potsdam. DFB-Präsident Fritz Keller (64) wurde von 21 Landesverbänden das Vertrauen entzogen (26 zu 9 Stimmen) und zum Rücktritt aufgefordert.

Eschwege ‒ Der Grund: Keller verglich seinen Vize Rainer Koch (62) mit Hitlers Blutrichter Roland Freisler. Auch seinem Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius (44) wurde das Vertrauen entzogen.

Formell zurücktreten muss Keller nicht. Noch nicht. Eine finale Entscheidung von der Ethikkommission ist noch abzuwarten. Während Keller am Freitag sogar andeutete, dass er seinen Fall vor dem höchsten Gremium der Sportgerichtsbarkeit vertreten will, wiederholten die Chefs der Regional- und Landesverbände wenige Stunden später ihren Rücktrittsaufruf an den Winzer aus dem Breisgau.

Es wird klar: Der DFB ist zerrissen, weil er durch jahrelang anhaltende Führungswechsel und -kämpfe sich selbst zerfleischt hat. Wir haben mit den Vertretern der Vereine aus dem Werra-Meißner-Kreis über die Entwicklung beim größten nationale Sport-Fachverband der Welt gesprochen.

Thomas Hühnert, Vorsitzender SG Schemmergrund: „Es ist unter aller Sau, was da abgeht. Seit Jahren geht es nur um die Profis und den Kommerz. Und nun rückt auch noch Kinderkram in den Vordergrund. Um den Breitensport geht es schon lange nicht. Man sollte sich mehr um uns kümmern,denn wir bringen die Kinder doch zum Fußball. Oftmals geht es nur noch um Strafen und weniger um die Entwicklung.“

Georg Göpfarth, Pressesprecher TSV Ulfegrund: „Keller scheint an seinem Amt zu kleben, obwohl er so hart in der Kritik steht. In meinen Augen mahlen die Mühlen an der DFB-Spitze langsam, wenn es um Personalwechsel geht, da diese Positionen auch sehr gut honoriert werden. Meist wird eine traditionelle Lösung gesucht. Die Beförderung des Generalsekretärs, der aus meiner Sicht sowieso die eigentliche Arbeit macht, ist eins der besten Beispiele der Vergangenheit. Es ist an der Zeit, über eine Umverteilung der Arbeiten nachzudenken. Dann kommt man eventuell auch zu dem Schluss, dass ein Nachfolger gar nicht nötig ist. Dieses Honorar kann getrost eingespart und komplett im Amateurbereich verwendet werden.“

Uwe Stückrath, Trainer TSV Waldkappel: „Ganz ehrlich, ich bin da nicht auf dem Laufenden, weil der Verband in der Vergangenheit gemacht hat, was er wollte. Sollte Keller ernsthaft Nazi-Äußerungen getätigt haben, dann muss er abdanken. Da gibt es keine zwei Meinungen.“

Sven Schellhase, Abteilungsleiter Sport/Senioren TSV Wichmannshausen: „Ich sehe beim DFB schon lange sehr veraltete und verkrustete Strukturen. Die Leute kleben mehr an ihren Posten als an der Sache. Es muss schleunigst aufgeräumt werden. Meines Erachtens nach müsste der komplette Vorstand gehen. Auch Oliver Bierhoff müsste Platz machen für neue, kreative Leute – wie für einen Ralf Rangnick oder einen Stefan Kuntz, die mit der entstehenden DFB-Akademie eine Aufbruchstimmung gerade für junge Leute erzeugen können. Seit Jahrzehnten wird nur verschachert und verwaltet, was durch die schrittweise Entmachtung von Fritz Keller in den letzten Monaten einmal mehr deutlich wurde.“

Pascal Immig, stellvertretender Kreisschiedsrichterobmann: „Solche Äußerung sind in dieser Position und Funktion nicht tragbar. Es wirft den ganzen Verband bis in die Kreisebenen in schlechtes Licht. Keller war eigentlich ein Präsident, der auch mal seinen Mund aufmacht und seine Meinung sagt. Er hat Entscheidungen nicht abgenickt. Ich könnte mir Karl-Heinz Rummenigge und Rudi Völler in dieser Funktion bestens vorstellen. Sie sind verdiente ehemalige Nationalspieler, Trainer und scheidende Vereinsfunktionäre.“ (Marvin Heinz)

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