Harte Strafe vom Kreissportgericht

Fußballer wird 14 Spiele gesperrt und dem Ex-Club Punkte abgezogen

Spielte trotz Abmeldung für die SG Sontra: Marc-Philipp Auerswald wurde jetzt für 14 Spiele gesperrt. Zudem wurde seinem Ex-Club Punkte abgezogen. Foto: Marvin Heinz/nh

Eschwege – Urteil 00013-19/20-ER-K02 – so lautet die Bezeichnung der Entscheidung, die durch den Vorsitzenden des Kreissportgerichtes Joachim Kraus jetzt getroffen worden ist. Und die in den Lagern der Fußball-Kreisoberligisten SG Sontra und VfL Wanfried blankes Entsetzen ausgelöst hat. Wir beantworten wie wichtigsten Fragen. Vorab: Kraus war telefonisch mehrfach nicht zu erreichen.

Worum geht es genau?

Fußballer Marc-Philipp Auerswald, der auch als Schiedsrichter in der Gruppenliga pfeift, war bei der SG Sontra abgemeldet und ist zum VfL Wanfried gewechselt (wir berichteten). Die Abmeldung erfolgte fristgemäß, der Nachweis war dem übermittelten Spielerpass mit der Freigabeerklärung zu entnehmen. Daraufhin wurde von den Verantwortlichen der Brombeermänner fristgemäß der Antrag gestellt, die Spielerlaubnis zu erteilen, sodass alle Voraussetzungen für den Spielerwechsel erfüllt waren. Bisher alles ganz normal.

Worin liegt der Fehler?

Nach der Abmeldung zum 30. Juni bestritt der Spieler Auerswald noch zwei Freundschaftsspiele für die SG Sontra. Die Gründe dafür waren, dass weder dem Spieler noch der SG Sontra bekannt war, dass Freundschaftsspiele in Hessen als Pflichtspiele gewertet werden. Eine falsche Vorstellung, aber sicherlich nicht böswillig oder vorsätzlich.

Was hat dieser Fehler zur Folge?

Der Fall wurde dem Kreissportgericht zur Entscheidung vorgelegt. Das erstinstanzliche Urteil, das der Werra-Rundschau vorliegt, ist drakonisch. Auerswald wurde für 14 Spiele gesperrt, zudem darf er während dieser Zeit auch nicht als Schiedsrichter aktiv sein. Fehlt er dem VfL Wanfried als Neuzugang, so fehlt er der SG Sontra als Schiri. Zudem wurde Sontra mit einem Abzug von drei Punkten für die laufende Serie bestraft. „Das sind viel zu harte Strafen“, so die einhellige Meinung der Vereinsverantwortlichen Dirk Schade (SG Sontra) und Christoph Hoffmann (VfL Wanfried), die sich beide auf die bestehende Rechtssituation bezogen.

Wie geht es weiter?

Beide Vereine haben dem Urteil widersprochen. Dieser Widerspruch wird nun in der nächsten Instanz unter Vorsitz von Andreas Kreutzer auf den Prüfstand gestellt. Im sechsseitigen Widerspruchsschreiben – ergänzt durch die persönliche Stellungnahme von Marc-Philipp Auerswald, das der WR ebenfalls vorliegt – beantragt der VfL Wanfried die Aufhebung des Urteils, unter anderem in der Tatsache begründet, dass seitens des Kreissportgerichtes die falsche Rechtsgrundlage zugrunde gelegt wurde, um das Strafmaß festzusetzen. Auch die Verhältnismäßigkeit des Urteils wird angezweifelt, zumal Auerswalds Strafe als Spieler und Schiedsrichter die doppelte Anzahl, 28 Spiele, umfasst.

Was macht aber stutzig?

Im Vorfeld der Widerspruchsbegründung wurde die Rechtsauffassung des VfL Wanfried durch den ersten Vorsitzenden, Wilhelm Gebhard, an den Einzelrichter kommuniziert. Dessen Aussage, dass die Anwendung des Paragrafen 27 StO von der Passstelle des HFV vorgegeben wurde, löste bei den Verantwortlichen der Fußballabteilung Verwunderung aus. Der Leiter des Passstelle, soll nämlich ausdrücklich zu verstehen gegeben haben, dass seitens der Passstelle keinerlei Rechtsvorgaben für ein Urteil gemacht würden. Zudem ist sowohl im Lager des VfL Wanfried als auch bei der SG Sontra Verwunderung darüber geäußert worden, dass das Urteil in Fußballerkreisen fast zeitlich schon bekannt war, als es den Vereinen elektronisch zugestellt wurde.

Von Stefan Konklowsky

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