BOGENSCHIESSEN Eschweger Max Weckmüller gewinnt Bundesliga-Finale

Trotz Jetlags eine Klasse für sich

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Volle Konzentration: Max Weckmüller.

Wiesbaden - Maximilian Weckmüller aus Eschwege hat seine Trophäensammlung um einen Titel erweitert: Der 24-jährige Bogenschütze, der Welt- und Europameister der Junioren wurde, hat am Wochenende das Bundesligafinale mit seiner Mannschaft gewonnen.

So richtig verarbeitet hat Maximilian Weckmüller den Gewinn der Deutschen Meisterschaft wohl noch nicht. Wie auch, bei dem Tempo, in dem der 24-Jährige derzeit von einem Höhepunkt zum nächsten eilt. Erst am Freitag reiste er aus Kalifornien/USA nach Wiesbaden, um am Samstag vor knapp 1000 Zuschauern um die Deutsche Meisterschaft zu schießen. Und das tat er, als wären Erschöpfung, Stress und Jetlag lediglich Begriffe, die auf ihn nicht zuträfen. Denn am Ende der groß aufgezogenen Veranstaltung siegte er mit seiner BSG Ebersberg. Einen gehörigen Anteil am ersten Erfolg in der 22-jährigen Vereinsgeschichte der Bayern hatte der Eschweger, der einst bei der Freien Bogengilde Werratal-Eschwege Umgang mit dem Bogen gelernt hatte.

Von den Strapazen der vergangenen Tage, als sie noch beim Lehrgang mit dem amerikanischen Nationaltrainer an der Westküste der USA weilten, waren Weckmüller und seine Teamkollegen Michelle Kroppen und Cedric Rieger beim Bundesligafinale allerdings mit zunehmender Dauer mehr und mehr gezeichnet. Dennoch mussten sie die Konzentration hoch halten, wollten sie bis zuletzt um den Titel schießen.

Erschwerend hinzu kam eine in diesen Tagen ungewohnte Schussdistanz. In Amerika trainierten sie die 70-Meter-Entfernung, nun standen 18 Meter auf dem Programm. Eine weitere Hürde, die genommen werden musste. So dauerte es seine Zeit, ehe sich die Athleten darauf eingestellt hatten. Letztlich aber mit großem Erfolg.

„Meine Familie ist da, meine Eltern und Großeltern. Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Weckmüller nach gewonnenem Bundesliga-Finale gegen die FSG Tacherting dem Deutschen Schützenbund (DSB). Als einziger teilnehmender Hesse zeigte sich der Nationalkader-Athlet, der im Jahr 2014 Welt- und Europameister der Junioren wurde, auch stolz, die Goldmedaille in „seinem“ Bundesland gewonnen zu haben: „Zumindest ein kleiner Teil des Meistertitels bleibt somit in Hessen.“

Im Wettkampf lief von Beginn an fast alles nach Plan. Bereits in der Qualifikationsphase schoss das Trio der BSG Ebersberg mit Michelle Kroppen, Cedric Rieger und Weckmüller einen neuen Rekord (57,98 Ringe im Schnitt), in Wiesbaden sei laut Deutschem Schützenbund nur in einem einzigen Satz ein Ergebnis unter 57 Ringen erzielt worden. Und diese Stärke wurde auch im Finalkampf deutlich. Weckmüller eröffnete als erster Schütze den Wettkampf um den Bundesliga-Titel. Jeder Schütze war zweimal dran beim Schuss auf die 18 Meter entfernte Scheibe, pro Satz mussten die Schüsse in zwei Minuten abgegeben werden. Und Weckmüller traf zu Beginn nur neun statt zehn Ringe. Waren es die Nerven? Oder doch die immer größer werdende Erschöpfung?

Nichts dergleichen. Im Bogenschießen geht es bekanntlich um jeden Zentimeter – und bei seinen Mitstreitern sowie bei seinen weiteren Versuchen lief es dann nach Plan. Eine Zehn jagte die Nächste. Und weil Gegner Tacherting schwächelte, wurde der lange Zeit spannend geführte Höhepunkt der Bundesliga-Saison letztlich eine klare Angelegenheit zugunsten des verdienten Sieges Ebersberg, der sich nach vier Sätzen (59:57, 56:58, 59:57, 60:57) durchsetzte.

Zuvor schob sich Ebersberg schier mühelos durch die Gruppenphase, im Halbfinale hatte das Team mehr Gegenwehr zu brechen, bewies aber enormen Kampfgeist und löste die Aufgabe bravourös. Belohnt wurden Weckmüller und Co. für ihren Kampfgeist mit goldenem Konfettiregen. Und spätestens in der nächsten ruhigen Minute werden sie realisieren, was sie geleistet haben.

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