Sontras Kevin Windus erneut mit Kreuzbandriss

Die Leiden des Kevin Windus: Nächster Kampf oder Karriereende?

Mit vollem Einsatz am Ball: So kennen Fußballinteressierte aus dem Kreisgebiet Kevin Windus (Mitte). Der Mittelstürmer, der für die SG Sontra aufläuft, verletzte sich beim vergangenen Ligaspiel schwer.
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Mit vollem Einsatz am Ball: So kennen Fußballinteressierte aus dem Kreisgebiet Kevin Windus (Mitte). Der Mittelstürmer, der für die SG Sontra aufläuft, verletzte sich beim vergangenen Ligaspiel schwer.

Kevin Windus hat sich erneut schwer verletzt beim Fußball. Der Spieler der SG Sontra steht nun einmal mehr vor einer ungewissen Zukunft.

Nun sind sie wieder da, die Gedanken ans Karriereende. Kevin Windus wurde jetzt die Diagnose bestätigt, dass er sich im letzten Fußball-Kreisoberligaspiel vor dem Lockdown vor zwei Wochen das Kreuzband gerissen hat. Schon wieder. „Es ist ein enormer Rückschlag, den du verarbeiten musst, und ein ganz langer Weg, bis du dich wieder auf den Platz zurückgekämpft hast“, so der 30-jährige Mittelstürmer der SG Sontra, der weiß, wovon er spricht. Windus ist diesen Weg schon unzählige Male gegangen. „In den letzten acht Jahren habe ich keine einzige Saison durchgespielt, glaube ich“, sagt er, „vielleicht ist es jetzt an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen.“ Solche Aussagen waren in dieser Zeit immer wieder von ihm zu hören. Aufgegeben hat er aber nie. „Die Fußball-Leidenschaft lässt dich ja nie los. Mich jedenfalls nicht. Deshalb bin ich immer wieder zurückgekommen. So hart das auch immer war.“ Nach eigener Aussage habe er in den vergangenen acht Jahren keine Saison verletzungsfrei absolviert.

Diese Erfahrungen sind es nun, die ihn aber auch zweifeln lassen. „Dieser Kampf zurück auf den Platz wird immer schwerer, je älter du wirst. Das habe ich im Februar schon gemerkt.“ Da lag er aufgrund einer Sprunggelenkverletzung auf dem OP-Tisch. „Bis du dann wieder richtig fit bist und deine Leistungen bringen kannst, das dauert nun mal.“

Selbst zum Saisonstart im September sei er noch nicht bei 100 Prozent gewesen. Auch weil immer wieder kleinere Blessuren aufgetreten waren. Letztlich konnte er in der ersten Spielrunde der neuen Kreisoberliga der Saison 2020/21 in sechs von acht Ligaspielen auflaufen, erzielte dabei fünf Tore. Bei dieser Bilanz wird es nun auch erst mal bleiben.

Im letzten Spiel gegen die SG Wehretal erzielte Windus erst das 2:0, dann musste er in der 60. Minute verletzungsbedingt vom Feld. „Ich bin komisch auf dem Boden aufgekommen und habe sofort gemerkt, dass in meinem Knie irgendwas nicht in Ordnung ist.“ Natürlich hoffte er, dass es kein Kreuzbandriss sein würde, die Mutter aller schweren Sportverletzungen, die in den meisten Fällen eine gut ein Jahr lange Pause nach sich zieht. Er erinnerte sich sofort ans Jahr 2015: „Da habe ich für die SG Werratal gespielt und mit 13 oder 14 Toren in der Hinrunde meine sportlich beste Zeit gehabt.“ Dann kam die Saisonvorbereitung, das Testspiel im Februar 2015 gegen Teistungen – und der erste Kreuzband-riss. „Das war das Schlimmste überhaupt.“ Er habe gedacht, nie wieder Fußball spielen zu können. Mit nur 24 Jahren. „Ich weiß noch ganz genau: Mein Opa hat mich am Sportplatz abgeholt, ich war so enttäuscht, dass ich geheult habe. Das war’s, das Ding ist durch. Das hatte ich in diesem Moment dann gedacht.“

Dieser Frust sei mit der Zeit in Ehrgeiz umgeschlagen. Vor allem, als ihm gesagt worden sei, dass er eine Rückkehr auf den Platz nicht mehr schaffen würde. „Das hat mich angestachelt, ich wollte es unbedingt noch mal wissen“, sagt der in Eschwege wohnende Windus, der aus Oberrieden stammt.

Ich wusste, es gibt nur zwei Optionen: mich hängen lassen oder richtig Gas geben.

Fußballer Kevin Windus

Mit viel Geduld, einem klaren Plan und einem gezielten Aufbau sollte das Comeback gelingen. Er machte deutliche Fortschritte – bis zum September, als es den nächsten Tiefschlag setzte. „Mitten in der Aufbauphase musste ich noch mal operiert werden. Ich denke, dass bei der ersten OP irgendwas nicht so gut gelaufen ist. Das war so bitter, denn alles, was ich bis dahin gemacht hatte, war völlig umsonst.“ Die Enttäuschung war riesengroß. „Aber ich wusste, es gibt nur zwei Optionen: mich hängen lassen oder richtig Gas geben.“ Also fing er von Neuem an. „Reha, Erholungsphasen, Sport, Ernährung und vor allem ganz große Disziplin“ seien maßgebend dafür gewesen, dass er rund ein Jahr später wieder auf dem Fußballplatz stand. Damit war der Prozess aber noch längst nicht abgeschlossen, „denn du bist am Anfang richtig schlecht. Du bist langsam und dir fehlt noch so viel von dem, was dich vorher ausgezeichnet hat. Es gibt nur ein ganz großes Plus: Du bist wieder da! Du hast dich zurückgekämpft und gezeigt, dass es geht. Und das ist das Entscheidende.“

So niederschmetternd so manche Diagnosen auch gewesen waren, Windus sieht es positiv: „Alles ist für irgendetwas gut. Und ich bin in meiner Persönlichkeit gereift und habe gesehen, dass ich mit großem Willen und Disziplin viel erreichen kann. Auch wenn dir alle sagen, du packst es nicht mehr.“ Seine Verletzung will er konservativ behandeln lassen. Probleme im Alltag habe er nicht. „Und das ist das Wichtigste!“ Fragt sich nur, wie lange ein leidenschaftlicher Fußballer das so sieht.

Von Nico Beck

Zur Person

Kevin Windus (30) spielt sein „Leben lang leidenschaftlich Fußball“, wie er sagt. Aufgewachsen in Oberrieden, spielte er anfangs in der Jugend bei Hebenshausen/Werra, SV Hörne, kurz bei der TSG Bad Sooden-Allendorf und TSG Kammerbach sowie bei der SG Werratal, Adler Weidenhausen und derzeit bei der SG Sontra. Er wohnt in Eschwege und arbeitet als Servicetechniker für Baumaschinen in Witzenhausen. 

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