Spielbetrieb hängt am seidenen Faden - Saisonabbruch wird erwartet

Interview mit Kreissportwart Reiner Schröder zur Situation im Tischtennis

Reiner SchröderKreissportwart im Tischtennis

Der Spielbetrieb im Tischtennis hängt an einem seidenen Faden, die Saison steht kurz vor dem Abbruch. Ein Interview zum Thema.

VON NICO BECK

Am Mittwochabend, 28. Oktober, bespricht der Vorstand des Hessischen Tischtennis-Verbandes (HTTV) mit den Verantwortlichen der Bezirke und Kreise, wie es im Tischtennissport in Hessen aufgrund der steigenden Coronazahlen weitergeht. Vor Kurzem gab der HTTV bekannt, dass Spiele auch ohne Zustimmung des Gegners kurzfristig abgesetzt werden können. Davon machten die Vereine reichlich Gebrauch (siehe Statistik unten), was diejenigen bestärkt, die sich für einen Abbruch der Saison aussprechen.

Wie positioniert sich der Kreisvorstand? Wir haben mit Kreissportwart Reiner Schröder (58) gesprochen.

Reiner, am Mittwochabend wird darüber diskutiert, wie es im Tischtennis in Hessen weitergehen soll. Was erwartest du?

Ich erwarte eine klare und umsichtig getroffene Entscheidung. Aus meiner Sicht kann die nur lauten, dass die Saison abgebrochen wird, ganz klar.

Eine komplette Absage der Saison 2020/21?

Ob gleich die ganze Saison komplett beendet wird oder nur die Vorrunde und man dann frühzeitig entscheidet, ob es zum Start der Rückrunde im Januar besser werden könnte, das weiß ich nicht. Letztere Variante ist auch recht vage und ich bin da eher skeptisch. Klar ist, dass in der momentanen Situation bei uns im Amateurbereich in jedem Fall etwas passieren muss, die Coronazahlen sprechen für sich. Ich hoffe, dass der HTTV eine Entscheidung für alle trifft.

Weshalb ist das so wichtig?

Weil der Verband schon mit der neuen Regelung zum Absagen der Spiele ohne das Einverständnis des Gegners den Kreisen und Bezirken der Schwarze Peter zugeschoben hat. Ich hätte mir hier vom HTTV eine klare Entscheidung gewünscht. So war es inkonsequent und das Ergebnis haben wir ja jetzt gesehen.

Wie hast du die vielen Absagen am Wochenende wahrgenommen?

Wir haben ein Gefälle nach oben gesehen, also je höher die Spielklasse, desto mehr Absagen hat es gegeben (Anm.: siehe Statistik unten). Einerseits liegen die Infektionszahlen auf der Hand, andererseits – so kann ich es mir jedenfalls vorstellen, ist aber rein spekulativ – wurde die neue Regelung auch von dem ein oder anderen genutzt, weil ein Spiel eventuell aus anderen Gründen nicht so gut in den eigenen Plan gepasst hätte.

Werden diese Spielausfälle Auswirkungen haben?

Ja, denn ich sehe keine Chance, dass diese Spiele nachgeholt werden können. Und damit auch keine, dass die Saison vernünftig zu Ende gespielt werden kann. Ich bin Klassenleiter und lese jeden Tag Mails von Vereinen, die verlegen oder absagen wollen. Von Spielern ist doch auch nicht zu hören, dass es ihnen derzeit so großen Spaß macht, sondern nur, dass sie zwar spielen, es aber unter diesen Umständen auch nicht sein müsste.

Wie erlebst du die Situation im Werra-Meißner-Kreis?

Im Vergleich zu anderen Kreisen wurden bei uns in besagtem Zeitraum zwar weniger abgesagt, aber trotzdem waren es rund 20 Prozent, also jedes fünfte Spiel.

STATISTIK DER SPIELABSETZUNGEN

Der Hessische Tischtennis-Verband hat jüngst bekannt gegeben, dass Ligaspiele in Zeiten der Coronapandemie und der steigenden Infektionszahlen auch ohne Einverständnis des Gegners verlegt/abgesagt werden können. Die Statistik bezieht sich auf den Zeitraum. 19. bis 25. Oktober.
Spielabsagen vom Wochenende
Verbands- und Hessenliga: 71 Spiele/ davon 47 abgesetzt (66,20 Prozent).
Bezirk Nord: 65 Spiele/40 abgesetzt (61,54).
Bezirk Mitte: 102/52 (50,98).
Bezirk West: 101/63 (62,38).
Bezirk Süd: 101/57 (56,44).
Kreisligen Werra-Meißner: 26/5 (19,23).
Hersfeld-Rotenb.: 33/9 (27,27).
Kassel: 72/13 (18,06).
Marburg-Biedenk.: 43/27 (62,79).
Schwalm-Eder: 52/25 (48,08).
Waldeck-Frank.: 34/6 (17,65).

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