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Renovieren, entspannen und weiterbilden: So erleben Trainer die Coronapause

Hat als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde viel zu tun: Weidenhausen-Coach Ronald Leonhardt. Archiv
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Hat als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde viel zu tun: Weidenhausen-Coach Ronald Leonhardt. Archiv

Eschwege – Wäre alles normal im Sport, dann hätten die Handballer nach einer kurzen Winterpause am vergangenen Wochenende wieder um Punkte gekämpft. Nach den – in diesem Jahr ebenfalls nicht stattgefundenen Hallenturnieren – würde auch bei den Fußballern nun die Zeit der Vorbereitung beginnen. Doch was am Ende aus der Spielserie 2020/2021 wird, kann heute noch niemand mit Sicherheit sagen.

Wie, wo, wann und ob es überhaupt weitergeht, steht in den Sternen. Und dennoch heißt es vorbereitet zu sein für den Tag X. Das gilt insbesondere für die verantwortlichen Trainer. Wir haben uns umgehört und auch gefragt, wie die Übungsleiter mit dieser Situation umgehen, sowohl sportlich als auch privat. Denn eines ist klar: Alle vermissen den Sport, das Training, den Kampf um Punkte und vor allem das gemeinschaftliche Erlebnis.

Christian Löbens (Handball, Eschweger TSV): „Um das Team in diesen Zeiten zusammenzuhalten, bleiben uns aktuell nur gelegentliche Zoom-Meetings. Ein persönliches Treffen ist leider noch nicht möglich. Die Begeisterung für den Handball und die Motivation bleiben allein dadurch erhalten, dass die laufende Bundesligasaison und die Handball-WM uns per TV daran erinnern, wie schön unser Sport ist. Vor allem das gemeinsame Miteinander vermisse ich, da wir ansonsten ja schon sehr viel Zeit miteinander verbringen. Das Mehr an Freizeit, was ich habe, bringt mich dazu, die Aufgaben in der Wohnung zu erledigen, die ich lange vor mir hergeschoben habe. Jetzt fehlen mir die Ausreden. Und dennoch warte ich sehnsüchtig auf den Tag X.“

Ronald Leonhardt (Fußball, SV Adler Weidenhausen): „Dieses Jahr ist alles anders und am wichtigsten die Gesundheit und dass wir gesamtgesellschaftlich die Situation meistern. Ab dieser Woche werden wir wieder trainieren, wenn auch anders als sonst. Jeder Einzelne wird Laufeinheiten und per Internet noch gemeinsam Koordinations- und Dehnungsübungen absolvieren. Aber auch so ist es für mich als Trainer wichtig, den Kontakt zu halten, sodass viele Telefonate geführt werden. Langweilig ist mir jedoch auch sonst nicht. Als Trainer sollte man sich ständig fortbilden und da gibt es im Netz jede Menge Angebote. Im Februar werde ich eine Online-Schulung des Thüringer Fußball-Verbandes wahrnehmen. Privat nutze ich die Zeit, um einen Teil meines Hauses zu renovieren und meine ehrenamtlichen Pflichten in meiner Heimatgemeinde laufen auch weiter. Die Sehnsucht nach Normalität und dem Leben mit dem Sport ist allerdings sehr groß.“

Michael Bartholmai (Fußball, SG Abterode/Eltmannshausen): „Ich möchte nichts dem Zufall überlassen, zumal der Verband ja bereits angekündigt hat, dass mit Bekanntgabe von Tag X wesentlich weniger Vorbereitungszeit zur Verfügung stehen wird wie im Normalfall. Von daher habe ich meinen Plan in der Tasche und auch das ein oder andere Testspiel bereits fest- gemacht. Bei Videomeetings treffen wir uns gelegentlich zum Austausch und ich habe jedem Spieler individuelle Trainingspläne geschickt. Für mich selbst habe ich die Zeit genutzt, um wieder mit dem Laufen anzufangen. Mein großes Ziel ist dabei, in absehbarer Zeit an einem Halbmarathon teilzunehmen. Langeweile ist trotz des fehlenden Fußballs bei mir nicht aufgekommen. Ich habe an einigen Online-Seminare des Hessischen Fußball-Verbandes teilgenommen und mit meiner Tochter gelegentlich auf dem Sportplatz gekickt. Und unser Hund will ebenfalls beschäftigt werden. Dennoch hoffe ich, dass wir bald wieder loslegen können.“

Gerd Werner (Fußball, SG Wehretal): „Eigentlich war alles geplant, um am 1. Februar wieder in die Vorbereitung einzusteigen, nun heißt es abwarten. Bevor die Kontakte auf ein Minimum reduziert werden sollten, bin ich gelegentlich mit dem ein oder anderen Spieler zusammen gelaufen. Nun habe ich über ein Laufportal die Jungs in eine Laufgruppe eingeladen, sodass wir weiterhin fit bleiben. Whatsapp und Telefonate sorgen dafür, dass der Zusammenhalt aufrechterhalten bleibt. Die frei gewordene private Zeit verbringe ich mit der Familie. Wir haben renoviert, wandern viel, haben Gesellschaftsspiele wieder für uns entdeckt und im Garten kann ich gelegentlich mit meinen beiden Jungs kicken. Doch auch wenn ich die freie Zeit genießen kann, freue ich mich, wenn ich endlich wieder gegen den Ball trete.“

Andreas Hartmann (Fußball, SG HNU): „Leider ist der Ist-Zustand fast schon zur Normalität geworden. Und je länger das Ganze andauert, umso deutlicher spürt man die Entbehrungen, die das mit sich bringt. Training, Spiel, Kameradschaft zu leben, das alles ist fast unmöglich. Mein Co-Trainer hat jetzt mit einem online organisierten Lauftraining begonnen, welches sehr gut aufgenommen wurde. Aber das alles ist halt nur ein schwacher Ersatz für das Miteinander auf dem Rasen. Unter der Woche habe ich beruflich durch Corona eher mehr Aufgaben zu bewältigen als zuvor. Da sind die freien Wochenenden dann die Möglichkeit, um mal abzuschalten. Zeit mit der Familie, Spaziergänge mit dem Hund oder auch einfach mal auf der Couch zu liegen sind die Dinge, die ich während dieser Zeit genieße. Aber ich freue mich auf den Tag, wann immer er sein mag, an dem wir wieder unserem Fußball-Alltag nachgehen dürfen.“

Stefan Schröder (Handball, VfL Wanfried): „Es ist eine ganz schwere Situation, mit der ich mich so gar nicht anfreunden kann. Von Videomeetings als Trainingsersatz halte ich nicht viel. Ich habe den Jungs Trainingspläne an die Hand gegeben und bin überzeugt davon, dass jeder daraus einiges für sich mitnehmen kann und fit bleibt. Sollte die Saison tatsächlich noch mal weitergehen, wäre die Vorbereitung wohl so kurz, dass die Fitness einfach schon da sein müsste. Privat hat sich mein Leben ebenfalls extrem verändert. Ich kenne jetzt sogar das Fernsehprogramm, normalerweise bin ich abends ja kaum zuhause. Eine völlig neue Situation für mich, der ich nur wenig Positives abgewinnen kann. Ich bin ein sehr aktiver Mensch und mir fehlt der Sport einfach so, wie ich ihn kenne. Das ist auch für die persönliche Stimmung nicht gut und von daher bin ich froh, dass ich wenigstens im Job gefordert bin. Sonst würde ich wohl nur noch mit schlechter Laune unterwegs sein.“

Von Stefan Konklowsky

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