Schiedsrichter des TSV Herleshausen schafft den Sprung - Auch Tobias Kroh obenauf

Er schnuppert jetzt am Profifußball: Felix Berger ist in die Regionalliga aufgestiegen

Viele Top-Bewertungen in der Hessenliga: Felix Berger vom TSV Herleshausen hat die Nachricht erhalten, künftig in der Regionalliga zu pfeifen.

Eine großartige Nachricht hat den Fußballkreis Werra-Meißner, die hiesige Schiedsrichtervereinigung und vor allem drei junge Unparteiische nun erreicht. Felix Berger (Herleshausen), Tobias Kroh (Weidenhausen) und Yannis Stegmann (Witzenhausen) steigen aus ihren Ligen als leitende Schiris in die nächsthöhere Klasse auf.

VON NICO BECK

Felix Berger ist ein äußerst kommunikativer Typ, einer, der auf und abseits des Platzes gut ankommt. Einer, der die meiste Zeit am Tag das Handy oder den Telefonhörer in der Hand hält. Tausende und abertausende Gespräche hat er schon geführt. Vor allem während seiner Tätigkeit als Automobilkaufmann wurde das Telefonieren zu einer seiner Hauptaufgaben. Nur selten aber bleibt ihm wohl ein Gespräch in Erinnerung. Ganz anders war das in der vergangenen Woche. Dieses wird er nicht vergessen.

„Meine Freundin Janine und ich saßen grade beim Abendessen“, sagt er und erinnert sich an das Klingeln seines Handys. Ein Mitarbeiter des Hessischen Fußball-Verbandes war dran. Und wenige Augenblicke später ahnte seine ihm gegenübersitzende Freundin, dass etwas Großartiges passiert sein musste. Denn Berger strahlte urplötzlich über das ganze Gesicht, bedankte sich mehrfach und wirkte wie ein Jobanwärter, der gerade von seiner Anstellung erfährt. Weit hergegriffen ist dieses Beispiel nicht, denn Berger hat in der Tat ein Ergebnis erhalten, das er sich gewünscht hat. „Erwartet habe ich das aber nicht. Ich wusste zwar, dass ich durchweg positive Bewertungen bei meinen Spielbeobachtungen bekommen hatte. Doch für einen Aufstieg, da müssen auch noch andere Faktoren passen“, sagt der 24-Jährige. Er spricht dabei auf das Verhalten abseits des Platzes oder das Engagement für die Tätigkeit an. „Man macht sich natürlich Hoffnungen und malt sich aus, was man mal erreichen könnte. Aber man weiß nie genau, wo man steht. Deshalb mache ich mir keinen Druck, sondern versuche immer, das Beste aus mir rauszuholen und auf den Platz zu bringen.“ Und das wird er künftig in der Regionalliga Südwest. In der vierthöchsten Spielklasse in Deutschland. Er schnuppert am Profifußball. Und das mit gerade einmal 24 Jahren. „Das ist eine riesige Sache für mich, ich freue mich total über diese Chance“, sagt er und fährt fort, „ein Laie kann das vielleicht nicht so ganz nachvollziehen, aber für einen Schiedsrichter in meinem Alter, da geht kaum mehr.“

In der Saison 2020/21 werden die zweiten Mannschaften von Bundesliga-Vereinen wie Hoffenheim, Freiburg, Mainz und Stuttgart nach seiner Pfeife tanzen. Zudem spielen Elversberg, Aalen, Ulm und Steinbach Haiger. Natürlich auch der KSV Hessen Kassel, den Berger aufgrund der geografischen Nähe zu seinem Stammverein TSV Herleshausen wohl nie pfeifen wird. „Da versucht man schon, dass keine Angriffsfläche geboten wird“, erzählt er.

Für einen Schiedsrichter in meinem Alter, da geht kaum mehr.

Felix Berger

Dass die neue Liga eine enorme Herausforderung darstellen wird, das ist selbsterklärend. Wie groß, dafür nennt Berger so viele Beispiele, dass der verfügbare Platz für diesen Artikel nicht ausreichen würde. Bezogen auf die Protagonisten: „Viele Ex-Spieler aus der Bundesliga laufen in der Regionalliga auf, dazu viele namhafte Trainer, die ihr Amt hauptberuflich ausüben.“ Beispiele sind Daniyel Cimen, Angelo Barletta, Jürgen Luginger oder Trainer-Urgestein Hans-Jürgen Boysen. Berger weiß: „Da geht es insgesamt ganz anders rund als in der Hessenliga, obwohl diese Klasse schon super war. Jetzt das wird aber in jeder Hinsicht noch mal eine ganze Nummer größer.“

Anreisen wird er bei Spielen am Samstag wohl immer freitags, auch die Vorbereitung wird wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. „In der Hessenliga konnte ich von jedem Team die Spieler beim Namen nennen, viele kenne ich seit Jahren, die anderen Namen habe ich gelernt. In der neuen Liga kommt es deshalb ganz besonders auf die Vorbereitung an, schließlich bin ich ja auch neu und es ist zu Beginn wie ein gegenseitiges Kennenlernen, da muss und werde ich auch bestens vorbereitet sein.“ Berger weiß um diese wohl einmalige Gelegenheit. Wird er schnell Fuß fassen und an seine Top-Leistungen der Hessenliga anknüpfen, dann könnte sogar der Sprung in die 3. Bundesliga gelingen. Davon will er aber erst mal nichts wissen: „Voller Fokus auf die Regionalliga!“

Zur Person

Felix Berger (24) hat als Schiedsrichter nun seinen bislang größten Erfolg erzielt und den Aufstieg als leitender Unparteiischer in die Regionalliga geschafft. Bislang war der Schiri des TSV Herleshausen, der in Reichensachsen wohnt, zwei Jahre in der Hessenliga aktiv, leitete Spiele in der Junioren-Bundesliga und war auch schon als Assistent in der Regionalliga dabei. Berger arbeitete auch im Kreisschiedsrichterausschuss als Lehrwart mit, ehe er beim Kreisschiedsrichtertag auf eigenen Wunsch aus dem Amt ausschied.

Tobias Kroh: Neue Herausforderung in der Verbandsliga

Neben Felix Berger haben zwei weitere Schiedsrichter aus dem Werra-Meißner-Kreis Anrufe erhalten, über die sie sich sehr gefreut haben. Tobias Kroh vom SV Adler Weidenhausen hat den Sprung von der Gruppen- in die Verbandsliga geschafft. Neu in der Gruppenliga dabei sein wird Yannis Stegmann aus Witzenhausen, der in der Kreisoberliga überzeugte. Vor allem der Aufstieg von Tobias Kroh überraschte und erfreute die heimischen Fußball-Verantwortlichen, weil nun wieder ein Unparteiischer aus der Region in der Verbandsliga aktiv sein wird. Das war in der vergangenen Saison nicht der Fall, in der Gruppenliga sieht das wiederum ganz anders aus. 

„Ich wusste, dass ich in der Gruppenliga ganz gut dastehe, aber an einen Aufstieg habe ich nicht geglaubt“, verrät der in Niederhone lebende Schiedsrichter im Gespräch mit unserer Zeitung, „denn häufig ist es so, dass du erst mal eine Zeit lang in der Gruppenliga bleibst, wenn du bis in diese Klasse vorgestoßen bist. Bei mir ging das wesentlich schneller.“ Nur anderthalb Jahre hat der 21-Jährige in der Gruppenliga gepfiffen. Im Frühjahr 2019 sei er durch den Jugendförderkader in die Gruppenliga aufgestiegen „Das war mein erstes großes Highlight und hat richtig viel Spaß gemacht.“ Nun wird er in der Verbandsliga zu sehen sein. In der Liga, in der mit seinem Stammverein, dem SV Adler Weidenhausen und dem Lichtenauer FV die die beiden ranghöchsten Fußballvereine des Werra-Meißner-Kreises spielen. Dass er in der internen Schiedsrichter-Rangliste so weit oben stand, dass er aufsteigt, das überraschte ihn schon etwas. „Ich wusste, dass ich von den Noten her sehr gut war. Aber ich hatte eben nur zwei Beobachtungen und man wusste nicht so genau, wie es letztlich auch wegen Corona gewertet werden würde. Somit hatte ich wohl auch etwas Glück.“ Dennoch seien seine Leistungen überzeugend gewesen, seine Vorbereitung stets sehr akribisch auf die angesetzten Begegnungen. Auch für ihn haben sich die Mühen vorerst ausgezahlt. Ausruhen kommt für den 21-Jährgen nun aber keineswegs in Frage. Ganz im Gegenteil. „Ich bin super gerne Schiedsrichter und habe noch viel vor. Erst mal ist mir nun wichtig, in der Verbandsliga richtig gut anzukommen und gute Leistungen zu bringen und den Klassenerhalt zu schaffen.“ Er wolle dann eine gute Rolle in dieser Klasse spielen, um sein großes Ziel zu erreichen: „Die Junioren-Bundesliga.“ Und in diesem Zusammenhang dann auch die Hessenliga bei den Männern. 

Dieser Werdegang erinnert ganz stark an den von Felix Berger, der vor Jahren in der Jugend-Bundesliga pfiff und auch in der Hessenliga im Einsatz war. Bekanntlich ist er nun mit 24 Jahren in die Regionalliga der Männer aufgestiegen (siehe oben). Kroh hat Ziele, was im sportlichen Sinne sehr positiv zu sehen ist. Noch positiver ist aber, dass er weiß, wie groß der Sprung ist und er sich auf die neue Aufgabe freut.

Zur Person

Tobias Kroh (21) wohnt in Niederhone und pfeift für den SV Adler Weidenhausen. Er ist seit sechs Jahren als Unparteiischer im Einsatz und leitete seit anderthalb Jahren Spiele in der Gruppenliga. Nun gelang ihm der Durchmarsch in die Verbandsliga und er wird als einziger heimischer Schiedsrichter in dieser Liga zu sehen sein. Kroh absolvierte eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann, arbeitet künftig bei der Bundespolizei.

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