Erfolge, Auszeichnungen, Ehrenämter

Ex-WR-Sportchef Siegfried Furchert wird 80: Ein Leben im Zeichen des Sports

Auf Tuchfühlung mit den Stars: Zahlreiche Spitzensportler hat Siegfried Furchert kennengelernt. Hier eine Szene mit Kugelstoßer David Storl aus dem Jahr 2013 nach dessen WM-Titel in Moskau. Auch Muhammad Ali forderte er einst persönlich zum Kampf heraus und traf sich mit Franz Beckenbauer. ArchivFotos: Furchert/Triller

Am 19. September 2020 wird Siegfried Furchert 80 Jahre alt. Wir blicken auf seine Ehrenämter, Erfolge und Auszeichnungen des früheren Sportchefs der WR.

VON NICO BECK

40 Jahre lang hat Siegfried Furchert als Sportchef der Werra-Rundschau die Sportler aus der Region um Eschwege und deren Leistungen in den Mittelpunkt gerückt. Heute steht er selbst im Rampenlicht. Zum 80. Geburtstag von „sf“, so Furcherts Autorenkürzel bis heute, gratuliert die Redaktion der Werra-Rundschau recht herzlich!

Das Engagement Siegfried Furcherts ist von beispiellosem Vorbild. Als Redakteur setzte er sich schon während seiner beruflichen Laufbahn stets für die Förderung des Breitensports ein, unzählige Sportler begleitete er während deren gesamter Karrieren. Der Eschweger organisierte Sportschauen mit Tausenden Zuschauern, um sportliche Reize zu setzen und den Fans Höhepunkte in der Region zu bieten. Darüber hinaus war er in unzähligen Funktionen sportlich und ehrenamtlich aktiv, das ist er auch heute noch.

Wir fassen einen Teil aus Furcherts Vita zusammen, die bei Vollständigkeit jeglichen Rahmen sprengen würde, was verdeutlicht, weshalb er die landesweit höchsten Auszeichnungen erhielt – und er heute im Fokus steht.

Immer in Aktion ist Furchert auch heute noch.

Die Auszeichnungen

Als Siegfried Furchert im Jahr 2016 der erste Ehrenpräsident des Tischtennisclubs Albungen wurde, bedeutete dies eine der letzten Würden, die dem damals 75-Jährigen noch hatte zuteil werden können. Zu dieser Zeit hatte er von Sportorganisationen und Verbänden des Fuß- und Volleyballs sowie des Tischtennissports alle Ehrungen erhalten, die es zu vergeben gibt. Sämtliche Ehrenbriefe, Kränze, Nadeln.

Jede einzelne Auszeichnung bedeutet ihm viel. Ganz besonders gerührt war er jedoch bei einigen aus der jüngeren Vergangenheit, da diese außergewöhnlich waren.

Eine ganz besondere erhielt er im Jahr 2013 im Wiesbadener Schloss. Da avancierte er zum ersten Sportler des Sportkreises Werra-Meißner aus dem Fachverband Tischtennis, dem die Sportplakette des Landes Hessen überreicht wurde, die höchste Auszeichnung im Sport, die die Landesregierung für herausragende Leistungen zu vergeben hat.

Ganz besonders gerührt war er auch im Jahr 2016, als er nichts ahnend während der gemeinsamen Sportlerehrung des Werra-Meißner-Kreises und des Sportkreises zur Sportpersönlichkeit des Jahres ernannt und für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Ein Jahr später erhielt er den Hello-Wiegand-Pokal für außergewöhnliche ehrenamtliche Tätigkeit im heimischen Tischtennissport. Diese Ehrung war besonders, weil Namensgeber Wiegand jahrzehntelanger Begleiter war.

Das Ehrenamt

Einen einsamen Rekord hält er nicht nur im Kreis, sondern bundesweit und ist auch international kaum übertroffen: 53 Jahre lang war er Vereinsvorsitzender des Tischtennisclubs Albungen. Von 1963, als der Verein ein Jahr bestand, bis 2016, als der Verein die Nummer eins der Region war. Besonders hervorzuheben war seine Pionierarbeit im Damentischtennis. Seit den Anfängen sind Frauen beim TTC aktiv.

Er ist Ehrenmitglied des Sportkreises Werra-Meißner, für den er seit 1970 38 Jahre lang als Pressewart tätig und auch stellvertretender Vorsitzender war. Seit 1984 wirkte er im Sportbeirat des Kreises mit, sitzt seit 1986 in der Sportkommission der Stadt Eschwege und ist Mitglied im Städtepartnerschaftsverein. Eine Herzensangelegenheit ist dem begeisterten Philatelisten seit vielen Jahren die ehrenamtliche Arbeit für die Eschweger Tafel, für die er gemeinsam mit Ehefrau Margot fleißig im Einsatz ist.

Der Sportler

Mit 80 Jahren ist Furchert noch kein bisschen müde. Wie soll man auch müde werden, wenn man immerzu in ständiger Bewegung ist? Heutzutage spielt er noch aktiv Tischtennis und fährt viel Rad, ist auch in Urlauben sportlich unterwegs. Das war er seit jeher in seiner Freizeit, probierte sich vor allem in jüngeren Jahren in unzähligen Sportarten aus. Für drei begeisterte er sich besonders:

15 Jahre lang war er Leichtathlet beim ETSV, wurde Kreis- und Bezirksmeister in seiner Paradedisziplin, dem Fünfkampf. Hinzu kamen einige Titel im Weitsprung und viele weitere Erfolge.

In Oberhone spielte er Fußball und zeigte seine Klasse auch in Benefizspielen, die er mitunter in Eigenregie organisiert hatte und sich nicht zu schade war, selbst dem runden Leder nachzujagen. So auch 1969, als er einen seiner schönsten Momente erlebte, als er dem Weltklasse-Zehnkämpfer Werner von Moltke mit seiner fußballerischen Darbietung imponierte, er von ihm gelobt wurde.

Sein liebstes Kind ist bis heute der Tischtennis. Nie für einen anderen Verein aktiv, absolvierte Furchert bis heute rund 900 Ligaspiele für „seinen“ TTC Albungen, für den er seit 1963 an die Platten tritt. Neben zahlreichen Erfolgen mit zahlreichen TTC-Teams wurde er unter anderem auch Deutscher Meister der Sportjournalisten.

Der erfüllte Traum

Im Jahr 2007 erfüllte sich Furchert mit der Veröffentlichung der heimischen Sportchronik „Als der Sport laufen lernte“, die er gemeinsam mit Herbert Fritsche verfasste, einen Traum. Damit schuf er ein einzigartiges Nachschlagewerk für Vereine, Funktionäre und alle sportinteressierte Menschen der Region.

KOMMENTAR

von Nico Beck, beruflichem Nachfolger Furcherts

Wer in seinem Leben so viel geleistet hat wie Siegfried Furchert, der darf sich ruhig mal zurücklehnen, andere machen lassen und verstärkt auf sich schauen. So plausibel und verständlich das auch wäre, so entspricht dies aber in keinster Weise Siegfried Furcherts Einstellung. Das Zurücklehnen war noch nie sein Ding – und ist es auch heute im stolzen Alter von 80 Jahren nicht.

Umso dankbarer sind wir Zeitungsredakteure, dass uns ein Mann mit einem solch unbezahlbaren Wissensschatz noch tatkräftig als Freier Mitarbeiter zur Verfügung steht. Dass er Aufträge von um Jahrzehnte jüngeren Kollegen ausführt, obwohl er selbst 40 Jahre Führungskraft war, das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit und beweist seinen Charakter. Furchert nimmt sich selbst nicht zu wichtig und hat keine Probleme damit, aus der ersten Reihe ins zweite Glied zu rücken. Das hat er in den letzten Jahren oft bewiesen und ist so außergewöhnlich wie seine Lebensleistung.

Obwohl er immer wieder betont, dass ihm der Sport so viel gegeben habe, dass er etwas zurückgeben möchte: So viel, wie er dem Sport der Region gegeben hat und gibt, konnte er niemals selbst erfahren.

Mit großer Bewunderung und Anerkennung blicke ich auf sein Wirken und darauf, wie sich ein Mensch selbst so zurücknehmen und für andere einsetzen kann. In einer Zeit, in der es immer schwieriger wird, Ämter ehrenamtlich besetzen zu können, wird umso deutlicher, wie uneigennützig Furchert bis heute aktiv ist. Was denken Sie, wie viel Zeit und Einsatz nötig ist, um alle Ämter in Sport, Kultur und bei sozialen Einrichtungen pflichtbewusst auszufüllen? Nein, abzuschätzen ist das nicht. Gerade deshalb sind Menschen wie Furchert so besonders.

nic@werra-rundschau.de

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