Interview: Deshalb hört der Kreisoberligatrainer am Saisonende auf

Trainer kündigt Abschied an: Uwe Stückrath wird die SG Sontra verlassen

Wird nach der Saison als Trainer der SG Sontra aufhören: Uwe Stückrath.
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Wird nach der Saison als Trainer der SG Sontra aufhören: Uwe Stückrath.

Überraschung bei Fußball-Kreisoberligist SG Sontra: Trainer Uwe Stückrath wird sein Amt zum Saisonende abgeben.

Das hat der 59-Jährige jetzt mitgeteilt. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren gab der Verein die Verpflichtung Stückraths bekannt, den er in der Folge von einem Durchschnitts- zu einem Spitzenclub der Liga formte. Nach acht von 14 Qualifikationsspielen der Gruppe 1 zur Meisterschaftsrunde steht Sontra mit 13 Zählern auf Rang fünf – nur zwei hinter den Plätzen zwei und drei. Damit wäre der Titelgewinn noch möglich. Wir haben mit ihm gesprochen.

Zur Person

Uwe Stückrath (59) hat das Traineramt bei der SG Sontra im Dezember 2018 übernommen und das Team zu einem Aufstiegskandidaten geformt. Er „liebe und lebe den Fußball“, wie er sagt, und ist seit gut 40 Jahren als Trainer tätig. Unter anderem für Wildeck, Heinebach/Osterbach und Hohe Luft. Der frühere Sozialversicherungsfachangestellte ist im Ruhestand, ledig und lebt in Rotenburg an der Fulda.

Uwe, warum wirst du als Sontra-Trainer aufhören?

Von Beginn an war klar, dass ich nur zwei oder maximal drei Saisons in Sontra bleibe. Das ist Fakt und mir ist es wichtig, immer mit offenen Karten zu spielen. Ich habe in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen damit gemacht, wenn man zu lange bei einem Verein bleibt. Denn man nutzt sich als Trainer auch ab. Deshalb habe ich angekündigt, dass ich zum Saisonende aufhören werde.

Kannst du verstehen, dass dieser Rücktritt für viele überraschend kommt?

Für mich ist klar, dass ich aufhören will, wenn sich die Leute mit positiven Gedanken an einen erinnern. Ich will nicht vom Hof gejagt werden. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu allen bei der SG und erlebe insgesamt auch einen sehr harmonischen Verein. Aber ich denke, dass eine Veränderung nötig ist, um den nächsten Schritt mit der Mannschaft zu gehen. Ich habe das Gefühl, dass unter meiner Verantwortung kein größerer Sprung mehr drin sein wird. Deshalb will ich dem Club Planungssicherheit geben, sodass ein guter Nachfolger gefunden wird.

Aber du willst bis zum Saisonende weitermachen?

Auf jeden Fall, wenn der Verein das auch will. Jeder, der mich kennt, der weiß, dass ich absolut alles in meiner Macht stehende dafür tue, damit wir Erfolg haben. Und erst, wenn die letzte Patrone verschossen ist, dann werde ich der SG viel Glück und Erfolg für die Zukunft wünschen. Bis dahin gebe ich aber noch richtig Gas und ich bin überzeugt, dass wir den Sprung in die Meisterrunde schaffen.

Mit einem neuen Verein hat deine Ankündigung nichts zu tun?

Nein, überhaupt nicht. Die Entscheidung treffe ich ganz allein für mich. Ich habe überhaupt kein Gespräch mit irgendeinem Verein gehabt, damit hat das also rein gar nichts zu tun.

Wieso hast du deine Entscheidung denn gerade jetzt verkündet?

In erster Linie will ich dem Verein Planungssicherheit geben. Es ist mir ganz besonders wichtig, dass wir eine saubere Trennung haben werden und wir uns gegenseitig immer wieder in die Augen schauen können und der Verein und die Spieler sich freuen, wenn sie mich sehen und wir über unsere tollen gemeinsamen Momente sprechen können. Leider lief das in der Vergangenheit nicht immer so, deshalb habe ich jetzt schon mit dem Vorstand gesprochen und gebe meine Entscheidung so früh wie möglich bekannt.

Und wie hat die Vereinsführung reagiert?

Ich meine schon gemerkt zu haben, dass der ein oder andere etwas enttäuscht war. Das ist aber wesentlich besser, als wenn man sich freuen würde, dass der Stückrath endlich abhauen wird. Das war also nicht der Fall. Aber leicht fällt es mir natürlich auch nicht, das ist klar. Trotzdem ist es ein nötiger Schritt und der Verein hat nun genug Zeit, um einen guten Nachfolger zu finden.

Was für schlechte Erfahrungen hattest du denn gemacht?

Ich war beispielsweise fünf Jahre bei einem Verein, habe mich total aufgeopfert und alles gegeben, war total engagiert und habe als Dankeschön damals einen Tritt bekommen und viel Schlechtes erlebt. Da habe ich mir dann klipp und klar gesagt, dass so was nicht noch mal passieren wird.

Dabei hattest du doch gute Erfolge in deinen bisher zweieinhalb Saisons mit Sontra.

Das stimmt. Als ich vor zwei Jahren das Amt von Matthias Sippel übernommen habe, da sollte ich den Abstieg verhindern, es stand gar nicht gut um die Mannschaft, die unter anderem 0:9 bei Weidenhausen II verloren hatte. Darum wurde ich geholt.

Und ihr habt in die Erfolgsspur zurückgefunden.

Neun Spiele standen noch aus – sieben haben wir gewonnen. Nur gegen Lichtenau und BSA hatten wir verloren, die zu dieser Zeit aber eine Nummer größer waren als wir.

Letztlich wart ihr 6. und habt in der Folge zu den Topteams aufgeschlossen. Wie ist dir das gelungen?

In der zweiten Saison haben wir lange Zeit um die Relegation zur Gruppenliga gespielt und durch den Coronaabbruch war die Saison dann plötzlich vorbei, wir waren dann letztlich nach der Quotientenregelung Fünfter, haen aber nur vier der 17 Ligaspiele verloren. Ein Ziel von mir war es zu Amtsantritt, dass Zuschauer gerne auf den Sportplatz nach Sontra kommen und wir einen frischen Fußball spielen. Das haben wir geschafft.

Von Nico Beck

Das sagt der Vorstand

Der Vorstand der SG Sontra hat angegeben, dass Uwe Stückrath bis zum Ende der Saison auch im Amt bleiben wird. Darüber herrsche Einigkeit im Vorstand und etwas anderes hätte nie zur Debatte gestanden, heißt es. Des Weiteren betonte die SG Sontra, dass der 59-jährige Übungsleiter vor allem auch wegen der guten Entwicklung der ersten Mannschaft in der Kreisoberliga die volle Rückendeckung erhält.

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